26.08.2018 "Flammende Sterne" 2018: Triumph für Südkorea

 Foto: SDMG

Wenn der nächtliche Himmel über dem ehemaligen Gartenschaugelände im Scharnhauser Park entflammt, müssen magische Kräfte im Spiel sein.

OstfildernObwohl es sehr frisch war und Regen vorausgesagt war, sind am Freitag rund 10.000 und dann am Samstag 15.000 Zuschauer zum internationalen Feuerwerksfestival gezogen – mit Decken, Planen und Regenschirmen bepackt. Die Pyrotechniker aus drei Nationen hatten bei der 16. Auflage der „Flammenden Sterne“ äußerst verschiedene, zur Musik tanzende und funkelnde Himmelsgemälde kreiert. Während die Ukraine am Freitag dramatisch mit großem Orchester in der virtuellen Welt der Computer und Kinos schwelgte, entführte Hawaii am Samstag mit Aloha und Ukulele leicht, aber auch etwas melancholisch ins Südseeparadies. Südkorea hingegen setzte am Sonntag auf Perfektion unter dem Motto „Pleasure to come together“ - und punktete damit bei der Jury. Das Team Faseecom Fireworks setzte sich nach einem furiosen Spektakel am Himmel am Ende vor Hawaii und der Ukraine durch und gewann den diesjährigen Wettbewerb.

„Das Feuerwerk ist immer ein Highlight im Jahr“, schwärmte Heidi Kober, die mit einem befreundeten Paar aus Bad Mergentheim bereits zum fünften Mal die „Flammenden Sterne“ besuchte. Dieses Mal war die zwölfjährige Enkelin Mia dabei, und die fröhliche Runde war statt wie früher am Samstag nunmehr am Freitag gekommen. Sie hatte es sich in der ersten Reihe vor der Abschussrampe auf mitgebrachten Stühlen drei Stunden vor dem Start des nächtlichen Spektakels bequem gemacht. „Da können uns keine großen Menschen die Sicht versperren, und außerdem ist es uns inzwischen am Samstag zu voll geworden“, erzählte Heidi Kober. Gegen die frischen Temperaturen hatte sich die Nellingerin gewappnet. Sie erinnerte sich aber an den strömenden Regen vor zwei Jahren. „Da nützte auch die Plane über dem Kopf nichts. Nachdem uns das Wasser in den Kragen gelaufen war, sind wir kurz vor dem Feuerwerk gegangen.“

Am Freitag füllte sich die Liegewiese mit Decken und Stühlen erst allmählich. Auch vor den zahlreichen Essensständen auf dem weitläufigen Festivalgelände ging es entspannt zu. Am Samstag reihten sich die okkupierten Plätze bald dicht an dicht, und so manche Gruppe wechselte sich ab, um ihren Getränke-Nachschub zu besorgen. Verliebte kuschelten unter den Decken. Und immer mehr Hobby-Fotografen reisten mit Stativ und weiterem Equipment an, um den flüchtigen Zauber am Himmel einzufangen. Die Spannung knisterte, je länger der Abend fortschritt, und eine halbe Stunde lang drängte die Musik einem Pulsschlag gleich dramatisch auf den Höhepunkt hin, der schlussendlich mit einer kunterbunt-schillernden Lasershow eingeläutet wurde.

Sogar der fast runde Mond – die Wetterprognosen hatten sich nicht bestätigt – staunte über die feurige Show in seiner Nachbarschaft. Die Pyrotechniker von „Dance of Fire“ aus der Ukraine starteten bombastisch mit großem Symphonieorchester und der Musik aus „Star Wars“. Das Publikum erlebte ein Wechselbad der Gefühle bei der Reise durch die virtuelle Welt der Kinos und Computer mit elektronischen Klängen und gregorianischen Gesängen. Teilweise düster, pathetisch und nicht immer synchron präsentierten sich die Himmelsbilder – die auch gerne am Boden blieben, statt in luftige Höhen zu steigen. Ganz anders, aber ebenfalls mit Emotionen, zauberten die Pyrotechniker aus Hawaii am Samstag dann einen Südseetraum in den nächtlichen Himmel: über dem Scharnhauser Park. Leicht wie eine Meeresbrise, bunt wie die üppige Natur und romantisch wie ein Sonnenuntergang. Das Feuerwerk grüßte mit einem fröhlichen „Aloha“ und dem bewegenden Song „Over the Rainbow/What a Wonderful world“ des verstorbenen Hawaiianers Israel Kamakawiwo´ole. Teilnehmer Südkorea hatte hingegen ein ganz anderes Pfund mitgebracht: „Faseecom-Fireworks“ hatte dieses Jahr die Zeremonie bei den Olympischen Winterspielen in ihrem Heimatland gestaltet. Da darf man angesichts der so andersartigen Beiträge gespannt sein, wie sich die Jury Sonntagnacht entscheidet.
Zwei Bühnen und acht Bands sorgten drei Tage lang für ausgelassene Stimmung. „Skin of Class“ begeisterte mit Drums, Conga und Co. sowie Marimba und Xylophon. Den Jungs liegt der Rhythmus im Blut, und sie steckten das Publikum an. Party war angesagt wie bei der „Nightliveband“, und so mancher wärmte sich beim Tanzen auf. Die 13-köpfige Band „Soulicate“ heizte mit fettem Bläsersound und Funk ein und John Noville mit heißen Rhythmen aus Barbados, bei denen auch eine zukünftige Braut aus dem Publikum auf der Bühne einfach mittanzen musste.

Auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. Die elfjährige Franziska konnte sich kaum entscheiden, wie sie den Zauberstab gestalten sollte. Auf jeden Fall nicht mit einer Spinne, wie „Prinz Orlando“ vorschlug. Gerhard Kabus begleitete hingegen kleine, verkleidete Piraten, die ein Schiff umgeschnallt hatten, auf der bewegten Fahrt durch den Parcours, bei der es galt, Fische zu fangen und „Köpfe“ abzuschlagen. Und man konnte noch basteln und Kettenkarussell fahren und…

Die ganze Welt war zu Gast auf dem internationalen Feuerwerksfestival. Zumindest, was das kulinarische Angebot betraf. Das war so groß wie nie zuvor und reichte von der schwäbischen über die ungarische, italienische, türkische, asiatische, afrikanische bis zur karibischen Küche. Besonders umlagert waren vor allem am Samstag auch die Foodtrucks mit ganz speziellen Hamburgern.

Ballonfahrer Günther Binder hat bei den „Flammenden Sternen“ bereits jegliche Wetterextreme erlebt. Am Freitagabend konnte man wegen des Schauerrisikos nicht starten. Aber als es dunkel wurde, fauchte es immer wieder, und das umstehende Publikum staunte. Der kleine, leisere Brenner kam beim Ballonglühen zum Einsatz. Dieser wird ansonsten nur benutzt, wenn Tiere in der Nähe sind. Die anfängliche Begeisterung und das Interesse der Festivalbesucher habe in den letzten Jahren jedoch allmählich nachgelassen, bedauerte Binder.

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