Ziemlich gruselig, der Tanz der „Laichleshexa“ mit viel Feuer und Show drumherum Foto: Ait Atmane - Ait Atmane

In Wernau tagt das Narrengericht, von Guggenmusik und schaurigem Hexentanz begleitet. Die Anklage wird scharf formuliert, die Erwiderung fällt deftig aus. Und doch kommen die Räte ungeschoren davon.

WernauEinmal im Jahr „oscheniert die Wahrheit saga“: Auch dafür ist die Fasnet da. Bei der Alemannischen Nacht in Wernau war am Freitag jedenfalls Schluss mit „politisch korrekt“, stattdessen ging es schwäbisch-direkt zur Sache. Trotzdem sind die Wernauer Ratsmitglieder samt Schultes Armin Elbl beim Narrengericht wieder einmal ungeschoren davongekommen, mit der alljährlichen Mahnung, künftig „statt Schlawiner endlich echte Volkesdiener“ zu werden.

Großes Gedränge auf dem Platz vor dem Quadrium, wo die „Bodenbachsymphoniker“ und die „Granada Fetza“ aus Deizisau schon ordentlich auf die Pauke gehauen haben. Das Volk will sehen, wie seine Vertreter angeklagt werden. Doch die lassen das Hohe Gericht warten. Schlafen sie etwa? Das könnten sie doch das ganze Jahr auf dem Rathaus, merkt Richterin Rita an. Dann endlich bimmelt‘s, und der Büttel kommt mit den zu Zauberlehrlingen mutierten Damen und Herren im Schlepptau – alle haben sie Harry-Potter-Narbe auf der Stirn und die passende Brille auf der Nase. Was heißt alle – die von der SPD und den Grünen seien wohl gerade bei der Mathe-Nachhilfe, heißt es später. Sie fehlen regelmäßig beim Narrengericht.

In den Augen des Hohen Gerichts sind aber auch die Anwesenden mit Rechenschwäche geschlagen, weshalb in der Stadt so vieles nicht vorwärtsgehe: Denn „wer net richtig rechna ko, fängt ällaweil von vorna a!“. Die vier Chefankläger – Zunftmeister Marcel, sein Stellvertreter Micha, Ehrenzunftmeisterin Rita und natürlich der Till – haben eine Menge Belege für ihre These gefunden. Alle zwei Jahre werde das Parkhaus saniert und so „Geld sinnlos an d’Wand g’fahra“. Die grausliche Ampelschaltung im Ort habe der Gemeinderat mittlerweile „zehn Johr scho studiert“, Bahnhofsvorplatz und Postareal kämen nicht voran. Und wenn’s dumm laufe, daure es auch bis zur Sportvereinsfusion „no a paar Wender“.

Die „Rathausblender“ lassen sich allerdings nicht den Schneid abkaufen. „Dädsch du em Parkhaus net emmer uriniera, dann bräucht mer’s net so oft saniera“, hält Rätin Sabine Dack-Ommeln dem Hohen Gericht vor, das auch sonst kräftig und deftig Gegenwind bekommt: Das Gericht komme wohl „von dr Baumschul ra“ heißt es und habe auch sonst „koi Ahnung“. „Ihr strecket eure Ärsch halt ens Wasser, ohne irgend a Planung“, kontert der Schultes die Kritik an der Mittagspause im Hallenbad. Und auf die heftige Baumfällerei in Wernau angesprochen, sieht Uwe Pfeffer bei den närrischen Vertretern schon jetzt Anzeichen für einen Dachschaden: „Wenn a Ascht fällt auf deinen Meggel, dann sen mir bei dir die Seggel!“

Zerknirscht sind sie keineswegs

Trotzdem dürfen am Ende die Ratsmitglieder wieder als freie Menschen von dannen ziehen, was Jürgen Haas schon prophezeit hatte: „Mir kriaget wieder nix . . .“ Ob die Mahnungen des Gerichts bei ihnen heuer auf fruchtbaren Boden fallen, mag man bezweifeln, denn zerknirscht sind sie keineswegs. Eher schon aufmüpfig, wenn sie immer wieder ihren Refrain schmettern: „Na und, ist uns egal, was die Narren sagen. In Wernau muss man uns ertragen, denn wir sind superschlau.“ Aber Achtung – nicht nur die nächste Kommunalwahl, auch die nächste Fasnet kommen bestimmt.

Zunächst allerdings wird’s zwischen den Rathäusern richtig gruslig, mit teuflischem Getöse in der Luft und einem „Gees­gassdeifl“ auf dem Balkon. „Laichleshexa“ kreischen und tanzen ums Feuer, an der Böschung gegenüber lodern Feuerfontänen und das alte Rathaus ist in flammendes Licht getaucht. Eine fulminante, mystische Show – nichts für Ängstliche, genau richtig für fansnetsfeste Wernauer. Die und ihre Gäste lassen es danach beim Narrentreiben in der Stadthalle krachen.

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