Sprünge aus fünf Metern Höhe sollen in Berkheim wieder möglich werden – sonst fällt der Gemeinderat noch tiefer. Foto: Archivfoto: Bulgrin - Archivfoto: Bulgrin

Nur ein kleiner Abschnitt in der Entwurfsplanung für die Sanierung des Hallenfreibads Berkheim. Aber ein großes Wunder für den Stadtteil: Er bekommt einen Fünf-Meter-Turm.

EsslingenDie Bewohnerinnen und Bewohner im südöstlichsten Teil der Stadt Esslingen können in diesen Tagen nicht nur das Wunder von Bethlehem, sondern auch das Wunder von Berkheim feiern. Denn die Bescherung kommt völlig unerwartet: Der Gemeinderat hat ihnen jetzt für ihr Freibad drei nagelneue, im korrekten Sicherheitsabstand voneinander entfernte Sprungtürme für knapp 160 000 Euro auf den Gabentisch gelegt. Einen mit einem Ein-Meter-Brett, einen mit einem Drei-Meter Brett – und einen mit einer Plattform in fünf Metern Höhe.

Dafür gibt er 65 000 Euro mehr aus, als wenn er sich nur für neue Drei- und Ein-Meter-Bretter entschieden hätte. Die Edelstahl-Bauten sollen nach der derzeit auf 9,8 Millionen Euro bezifferten Sanierung des Hallenfreibads, die zwischen Herbst 2019 bis Mai 2021 den Stadtteil auf dem Trockenen sitzen lässt, nicht nur dem Auge dienen. Denn was eigentlich selbstverständlich sein sollte, muss bei der Vorgeschichte ausdrücklich erwähnt werden: Alle Sprunggelegenheiten können dann auch benutzt werden.

Planungen ohne Fünfer gemacht

Noch im Sommer hatte es danach ausgesehen, dass das Berkheimer Bad nach der angepeilten Sanierung sein Alleinstellungsmerkmal in der Esslinger Bäderlandschaft verlieren würde: seinen Fünf-Meter-Turm, der derzeit in einer Beton-Anlage mit weiteren Sprungmöglichkeiten aus verschiedenen Höhen verbaut ist. Der Fünfer war den Stadtwerken, die das Bad betreiben, aus Sicherheitsgründen und wegen des Bedarfs an Aufsichtspersonal schon länger ein Dorn im Auge. Zur Freibadsaison 2018 hatten sie ihn dann definitiv dicht gemacht. Denn Anfang des Jahres habe man im Zuge der Sanierungsplanungen für das Bad nachgemessen und festgestellt, dass der Achsabstand zu den anderen Absprungmöglichkeiten den aktuell gültigen Bauvorschriften zufolge zu gering sei, so die Auskunft der Stadtwerke im Sommer. Da helfe auch kein weiteres Aufsichtspersonal. Nur die Sperrung gewähre Rechtssicherheit.

Die Stadtwerke hatten ihre Pläne aber ganz offensichtlich schon zuvor ohne den Fünfer gemacht und wollten von der bestehenden Anlage nur noch die Drei-Meter-Plattform und das Ein-Meter-Brett erhalten. Mit diesem Vorschlag waren sie jedenfalls im März in eine Gemeinderatssitzung gezogen. Zumal das Becken nach seiner Sanierung für Sprünge aus fünf Metern Höhen ohnehin nicht mehr tief genug sein werde. Dieses vermeintliche Totschlagsargument wurde aber erst im Sommer publik und rückte den Gemeinderat im Nachhinein in ein sehr merkwürdiges Licht. Denn der hatte in der März-Sitzung beschlossen, den Wünschen aus der Bürgerschaft, dem Bürgerausschuss, der DLRG und dem TSV Berkheim nachzukommen, und nicht nur das 50-Meter-Becken, sondern auch den Fünfer zu erhalten. Wusste er nichts von der angeblich fehlenden Wassertiefe? Hatte er damals sehenden Auges eine Bauruine beschlossen? Oder hoffte er auf ein Wunder, dass sich das Wasser zwar nicht teilen, aber nach oben hin mehren würde?

Das scheint jedenfalls eingetreten zu sein: Denn in der Vorlage, die der Gemeinderat am Montag einstimmig abgesegnet hat, ging gar nichts mehr in die Tiefe. „Die Sprungtürme sind so konzipiert, dass Wassertiefe und Abstand zwischen den Sprungmöglichkeiten passen.“ So die lapidare Aussage von Moritz Brunemann, Sprecher der Stadtwerke, auf Nachfrage der EZ. Und er versicherte, dass der neue Fünfer dann nicht nur zum Angucken, sondern auch zum Nasswerden tauge.

Die Berkheimer können ihr Glück kaum fassen: Die 50-Meter-Bahn bleibt – und sie bekommen auch noch neue Sprungtürme inklusive Fünfer. „Jetzt fehlt nur noch eine neue Rutsche fürs Schwimmbad ...“, postet der Bürgerausschuss auf Facebook. Dem schließen sich die überglücklichen DLRGler gerne an.

Man habe sich bereits im Verwaltungsausschuss darauf geeinigt, die Entwurfsplanung für das Berkheimer Bad ohne große Diskussionen über die Bühne zu bringen, erzählt ein Stadtrat. Ein Sitzungsteilnehmer habe der Runde lediglich abverlangt: „Wer für den Fünfer ist, der muss auch runterspringen.“

Doch vor der Kommunalwahl kann man noch viel tiefer fallen.

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