25.06.2017 Beim 57. ADAC Motocross in Aichwald wirbelten die Fahrer ordentlich Staub auf.

 Foto: Hauenschild

Von Claus Hintennach

Aichwald -Es ist ein Leben für den Sport, allerdings weitgehend abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Gilt schon Motocross als Randsportart, besetzen die Seitenwagen die Nische in der Nische. Doch Piloten und Beifahrer betreiben ihren Sport mit viel Herzblut. So wie Tobias Blank und Michael Klooz, das Duo fährt für den MSC Aichwald. Der Begriff des Zweier-Teams greift aber viel zu kurz, beide Familien sind in das Unternehmen Motocross involviert. Blanks Freundin Vanessa Helpert sitzt sogar selbst auf einer MX-Maschine. „Der zeitliche Aufwand ist immens“, sagt Blank. Obwohl sich das Aichwalder Gespann in der deutschen Spitze tummelt, ist an Verdienst trotzdem nicht zu denken. Motocross bleibt in diesem Bereich ein Zuschussgeschäft, nur die besten fünf Gespanne der Welt können davon leben.

Im Team Blank/Klooz jedoch gehen alle Beteiligten heute schon ganz selbstverständlich wieder ihren Berufen nach. Blank ist Servicetechniker, Klooz Elektriker, Helpert schreibt gerade ihre Masterarbeit in Kommunikationsmanagement. Zwar wohnen Helpert und Blank seit zwei Jahren in Esslingen, der 27-Jährige stammt aber aus Böhmenkirch bei Heidenheim. Dort stehen nach den Rennwochenenden auch Truck und Maschine. Und so kommt es, dass Vater und Mechaniker Jürgen Blank neben dem Job noch anderes zu tun hat: Denn montags werden Motorrad und Truck geputzt, dienstags und mittwochs stehen dann etwaige Reparaturen an. Es gilt, sich auf das kommende Rennen vorzubereiten. Daher pendelt Tobias Blank häufig zwischen Esslingen und Böhmenkirch. Donnerstags wird der Truck beladen. Zur Abfahrt stößt dann Klooz dazu. Die Reisen erfolgen meist freitags - die Leidenschaft bedarf großzügiger Arbeitgeber.

In Aichwald sind beide Familien-Trucks vorgefahren, auch die Eltern Gisela und Alexander Klooz zählen zum Betreuerstab. Weitere Strecken etwa zu Weltmeisterschaftsläufen werden im größeren Blank-Lastwagen zurückgelegt. „Wir müssen uns keine Gedanken über einen Urlaub auf den Bahamas machen, wir sind bei den WM-Läufen fast das ganze Jahr über in Europa unterwegs“, scherzt Klooz.

Rund 40 000 Euro kostet eine Saison, wobei das Motorrad etwa 15 000 Euro ausmacht und vor allem der Diesel für die Reisen ins Geld geht. Sponsoren machen sich bei den Gespannen rar, meist schießen sie Sachwerte wie Reifen oder Spezialkleidung zu. Die Maschine ist eine Spezialkonstruktion aus Teilen der wenigen Hersteller in diesem Bereich. Das Zusammensetzen ist dann wieder Familiensache. „Bei uns steht keine Industrie dahinter“, sagt Blank.

In die Rolle hineingewachsen

Jürgen Blank ist schon Seitenwagen gefahren, Sohn Tobias ist in der Szene auf- und in die Rolle hineingewachsen. Im Alter von zwölf Jahren hat er erstmals trainiert, Rennen darf man bei den Gespannen wegen der Verantwortung für den Beifahrer erst ab 18 fahren. Klooz stammt aus Welzheim, sein Heimatverein ist der MSC Wieslauftal-Rudersberg. Wie in Aichwald kommt man in der Gegend um Rudersberg fast unweigerlich mit Motocross in Berührung. Die Rennen dort waren Höhepunkte im Leben des jungen Michael. Wobei die Pilotenrolle für den heute 25-Jährigen nie in Frage kam, er hat noch nicht einmal einen Motorradführerschein. „Mir liegt das Nebendranstehen einfach besser“, sagt Klooz.

Auch Vanessa Helpert ist ins Motocrossleben förmlich hineingewachsen. Sie ist in Esslingen aufgewachsen, Bruder Steffen war schon beim MSC Aichwald aktiv, sie saß bereits im Alter von drei Jahren auf dem Motorrad. Und so war Motocross auch bei Helperts Familiensache. „Und jetzt macht’s eben mein Partner“, sagt die 26-Jährige. Wobei Helpert selbst im Ladies Cup aktiv ist, als 14-Jährige dort sogar in der Sonderwertung der 80-Kubikzentimeter-Maschinen Europameisterin wurde.

Seit drei Jahren wiederum treten Blank/Klooz im Gespann auf. „Wir sind eher aus der Not zusammengekommen“, sagt Klooz. Beim WM-Lauf 2014 in Tschechien verletzte sich sowohl Blanks Beifahrer Christian Daiss als auch Tobias Grahammer, der Pilot im Gespann von Klooz. Und die beiden machten aus der Not eine Tugend: Im bislang erfolgreichsten, dem vergangenen Jahr wurden Blank/Klooz Fünfte bei der deutschen und 26. bei der Weltmeisterschaft, in einzelnen Rennen fuhren sie unter die Top drei beziehungsweise Top 15. Seit dem Jahr 2015 vertreten sie zudem die deutschen Farben beim Nationencross. In Aichwald fuhren sie auf Platz fünf und belegen im DM-Zwischenklassement den Platz vier.

Ein Umstieg von Gespann- auf Solofahrer ist offenkundig schwierig - allerdings auch umgekehrt. „Wenn ein Solist versucht, Seitenwagen zu fahren, schafft er keine drei Runden“, ist sich Blank sicher. Andererseits sei er bei den Zweiradkönnern chancenlos. Und so genießen Tobias Blank und Michael Klooz das Leben in der großen Seitenwagengemeinschaft. „Hier geht es familiär zu, es macht einfach mehr Spaß“, sagt Klooz. Wie zum Beleg schauen in Aichwald immer wieder Konkurrenten bei den Trucks der Lokalmatadoren vorbei. Und immer wieder wird dabei ein Lob über die Aichwalder Strecke verloren. „So viele Kurven habe ich das ganze Jahr noch nicht gehabt“, sagt Nick Maas, der Beifahrer von Silvio Senz, lachend.

Und doch wird auch hier hart um Platzierungen gekämpft, ebnet Ehrgeiz den Weg zum Erfolg. Und Blank hat konkrete Ziele: sich zum einen in der WM unter den ersten 15 etablieren. Und: „Ich will auf jeden Fall noch deutscher Meister werden“, sagt er. Jürgen Blank ist in seiner aktiven Zeit 1990 und 1996 Vizemeister geworden - der Titel wäre im Hause Blank das Größte. Und so ist auch diese Meisterambition eine Familiensache.

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