Foto: Klinikum Esslingen

Interview mit Dr. Vera Wienhausen-Wilke, Internistin und Ernährungsmedizinerin, Oberärztin am Klinikum Esslingen.

Warum ist das Fasten gerade so ein großer gesellschaftlicher Trend?
Das hat etwas mit unserem Zeitgeist zu tun, mit Körperkult und dem Druck, sich selbst zu optimieren. Gerade auf das Intervallfasten wird man jetzt auch im Klinikum oft angesprochen.

Stehen Sie dem Thema kritisch gegenüber?
Nein. Längere und regelmäßige Esspausen sind eine Form der Ernährung, die der Mensch seit Urzeiten gewohnt ist. Unser Stoffwechsel ist von der Evolution her nicht auf das Überangebot an Nahrung ausgerichtet, das so typisch für unsere Wohlstandsgesellschaft ist. Daher tut es dem Organismus gut, wenn es Phasen gibt, in denen man nichts isst.

Ist das auch ein gute Methode, um abzunehmen?
Wenn man es nachhaltig macht, ja. Und erst recht, wenn man es mit Sport kombiniert. Allerdings bringt es nichts, wenn man sich nach dem Fasten dadurch belohnt, dass man schlemmt. Ein wertvoller Nebeneffekt des Fastens ist, dass man in sich hört und wahrnimmt, was Hunger und Sättigung bedeuten. Und dass man sich generell mit dem Wert von Nahrung befasst.

Welche Intervallmethode empfehlen Sie Ihren Patienten?
Welche Variante, ist gar nicht so entscheidend. Sie muss vor allem zur Person und zu den Lebensumständen passen. Ich kenne aber viele, die mit der 16:8-Methode sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Das heißt, sie verzichten generell aufs Frühstück. Das kann man auch gut in den Alltag integrieren.

Für wie gesichert halten Sie die positiven Wirkungen des Fastens?
Es gibt vielversprechende Tierversuche, etwa mit Mäusen. Aber noch fehlen Humanstudien, die das belegen. Solche Studien sind kompliziert und aufwendig. Mein Eindruck ist, dass da jetzt viel zusammen geworfen und vermischt wird.

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