Abstiegskampf tut weh: Nürnbergs Robert Bauer (links) und Stuttgarts Nicolas Gonzalez am Boden. Foto: dpa - dpa

Offensiv aufgestellt, aber schlecht gespielt – der VfB Stuttgart taumelt weiter am Abgrund der Fußball-Bundesliga. Das liegt an der Qualität der Spieler, aber auch an der Trainerarbeit.

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a lagen sie nun. Ausgepumpt und enttäuscht. Als ob mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Frank Willenborg der letzte Rest an Kraft aus den Körpern von Mario Gomez und Daniel Didavi gewichen wäre und in ihren Köpfen nur noch Leere herrschen würde. 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg – der VfB Stuttgart hat es versäumt, sich im Abstiegskampf der Bundesliga eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.

Wieder einmal waren dabei Erwartungen nicht erfüllt worden. Die der Fans, aber auch die eigenen, und so stehen Gomez und Didavi sinnbildlich für den erschreckend schwachen Gesamtzustand der VfB-Elf. Es sind zwei Spieler mit ruhmreicher Vergangenheit, und nach der Rückkehr zu ihrem Herzensclub wollten die Stuttgarter mit dem Torjäger und dem Techniker in eine rosige Zukunft starten. Das Problem ist nur, dass dem VfB die Gegenwart dazwischengegrätscht ist.

Gestandene Profis, die dem Mannschaftsgebilde Halt geben sollten, sind in der aktuellen Verfassung nur noch Schatten ihrer selbst. In einer Szene verdichtet, sah das so aus wie bei Gomez kurz vor der Halbzeit: Der Ball sprang ihm am Strafraum zu weit von der Brust. Anschließend war der 33-Jährige zu langsam, um noch heranzukommen. Der herausstürzende FCN-Torwart Christian Mathenia schoss dem Stürmer die Kugel dann voll ins Gesicht und der am Boden liegende Gomez versuchte mit seinen langen Beinen noch den Ball ins Tor zu stochern. So verzweifelt wie vergeblich.

Abstiegskampf pur spielt sich beim VfB ab – und das höchste der fußballerischen Gefühle ist offenbar die Relegation. Mehr geht nicht beim Team von Trainer Markus Weinzierl. Auch wenn die Partie zwischen dem Tabellendrittletzten aus Schwaben und dem Tabellenvorletzten aus Franken nicht nur Torhüter Ron-Robert Zieler so entschieden unentschieden zurückgelassen hatte, wie die Begegnung zuvor gelaufen war: „Wir hatten uns das im Vorfeld natürlich anders vorgestellt. Und gefühlt sind das jetzt zwei Punkte zu wenig.“

Rein rechnerisch haben die Stuttgarter aber den Vier-Punkte-Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze gehalten und sie sind sogar einen Zähler näher an die Schalker und Augsburger auf den rettenden Plätzen vor ihnen herangerückt. Das ist angesichts der Leistung jedoch eine schöngefärbte Betrachtungsweise. Denn die Mannschaft lieferte erneut den Beweis, dass sie beim Taumeln am Abgrund von einer trügerischen Selbstgewissheit begleitet wird: Sie hält sich für besser als sie ist. Manchmal wird sie auch von Außenstehenden für besser gehalten. „Wir haben mit viel Herz und Willen gespielt, aber nicht mit der entscheidenden Ruhe“, sagt Weinzierl.

In einem Kellerduell, in dem die Stuttgarter gefordert waren, das Spiel selbst zu gestalten, wirkten sie überfordert. Trotz mutiger Herangehensweise. „Wir haben offensiv aufgestellt und nach dem Rückstand offensivst eingewechselt“, sagt Weinzierl. Sechs Spieler waren am Ende nach vorne ausgerichtet. Doch es bedurfte schon der Hilfe von hinten, um erfolgreich zu sein.

Ozan Kabak gelang der Ausgleich (75.) nach der Gästeführung durch Matheus Pereira (42.). Und es scheint kein Zufall, dass der junge Verteidiger zur positivsten Erscheinung der Rückrunde avanciert. Gemeinsam mit Benjamin Pavard und Marc Oliver Kempf. Sie bilden die Dreierabwehrkette, und am liebsten würde man beim VfB das Trio einfach in den Angriff spiegeln, um auch in diesem Mannschaftsteil uneingeschränkte Erstligatauglichkeit zu haben.

Nach vorne läuft jedoch nichts. Selbst wenn diesmal Anastasios Donis von Beginn an dabei war und Didavi früh eingewechselt wurde. Donis’ Sprintstärke kam aber ebenso wenig zum Tragen wie Didavis Spielstärke. Was verdeutlicht, dass das Stuttgarter Spiel auch mit mehr Stürmern nicht angriffslustiger wird. Bleiern wirkt vieles auf dem Feld, denn es fehlt zum einen an Qualität und Leichtigkeit, um eine tief verteidigende Elf wie Nürnberg spielerisch auszuhebeln – und zum anderen an den nötigen Abläufen und Automatismen.

Klassische Trainerarbeit ist das – und eine Entwicklung im Spiel nach vorne nicht zu sehen. „Wenn wir keine Probleme hätten, dann stünden wir nicht auf dem 16. Tabellenplatz“, sagt Weinzierl, der weiter den 15. Rang und damit den direkten Klassenverbleib als großes Ziel nennt.

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