Cro in der Schleyerhalle: Die Fans feiern begeistert ihren Star

 Foto: engelhardphotography

Der erfolgreiche Panda-Rapper bietet ein handzahmes Konzert mit wenig Kontur und indiskutablem Sound.

StuttgartPünktlich um 20 Uhr, den deutschen Jugendschutzgesetzen sei Dank, erlischt das Licht in der Arena. Der Stehplatzbereich der Stuttgarter Schleyerhalle ist dreigeteilt, vorne ein abgesperrtes Segment, aus dem es jugendlich kreischt, sodann ein abgeschrankter zweiter Bereich, dahinter der Rest. In diesem Rest und auf den Sitzplätzen sind die Zuschauer etwas gesetzter, aber von den vielen anwesenden Erziehungsberechtigten abgesehen noch immer relativ jung.

Die Zusammensetzung des Publikums zeigt ein kleines Dilemma auf: Cros Musik spricht in erster Linie Kinder und Teenager an, diese Fangruppe muss nachwachsen, bevor sie sich anderen Stars zuwendet, sonst wird die Schleyerhalle irgendwann zu groß. Am Freitag ist sie bei Weitem nicht ausverkauft, der Innenraum ist teils sehr luftig besetzt, auf den Rängen klaffen Lücken – obwohl laut der Dame an den Kassenhäuschen allein 700 (!) Menschen auf der Gästeliste standen.

Halle ist gut gefüllt

Nichtsdestotrotz ist die mit Abstand größte Veranstaltungshalle Stuttgarts gut gefüllt, und die Zahl der einheimischen Künstler, die sie überhaupt füllen können, ist nun einmal sehr begrenzt. Das Heimspiel in der Schleyerhalle ist für Stuttgarter Künstler noch immer der Beweis, es geschafft zu haben.

Geschafft hat Carlo Weibel alias Cro einiges. Drei Longplayer hat er seit 2012 vorgelegt, die es allesamt auf den Spitzenplatz der deutschen Albumcharts brachten und ihm somit Bekanntheit im gesamten deutschsprachigen Raum bescherten. Der Ruhm rührt freilich eher vom Hitpotenzial her als von den musikalischen Fertigkeiten. Exemplarisch dafür steht das von Hip-Hop-Konzerten wohlbekannte Dilemma – nämlich die Frage, wie man diese Musik auf die Bühne bringt. Die anderen berühmten Stuttgarter Pop-Rapper, die Fantastischen Vier, setzen bei Konzerten auf eine komplette Liveband – Cro hat nur einen Schlagzeuger, einen Keyboarder und seinen Produzent Markus Brückner alias Psaiko Dino nebst zwei Begleitsängerinnen dabei. Der Sound kommt mehrheitlich aus dem Computer, ein Livekonzertgefühl stellt sich nie ein. Auch wenn Cro zwischendurch zur Gitarre greift und sich auch an Keyboards setzt: Wirkliche künstlerische Authentizität verströmt das nicht. Ohnehin bewegt sich die Gestaltungshöhe auf einem überschaubaren Niveau, andererseits ist wohl niemand gekommen, um überbordende instrumentale Virtuosität zu bestaunen.

Keine Videowände

Das Ambiente auf dem Podium ist für Schleyerhallenverhältnisse karg. Die Lichtregie ist einfach, das Bühnenbild schlicht: eine überdimensionierte Raumkapsel, die man besteigen und auf der man sich niederlassen kann, was Cro auch tut, denn so ein Konzert ist, wie er zwischendurch sagt, schon ein bisschen anstrengend. Videowände an den Bühnenseiten gibt es nicht (bei der Größe dieser Arena eigentlich unakzeptabel), die Videowand im Bühnenrücken zeigt Cro und seine Mitstreiter nur selten beim Ausüben ihrer Tätigkeit, was den Besuchern im hinteren Teil der Halle nicht gerade das Gefühl von Nähe vermittelt.

Indiskutabel ist schließlich der Sound. Er dröhnt in einem in der Schleyerhalle noch nicht gehörten Maße und ist so bassübersättigt, dass selbst die Handläufe der Aufgänge am hintersten Hallenende noch vibrieren.

Genau 90 Minuten währt das Konzert, eine weitere halbe Stunde ist für die zwei Zugaben angesetzt. Bald nach Beginn spielt Cro seinen zweiten großen Hit „Du“, kurz vor Konzertende den dritten „Einmal um die Welt“ und zu Beginn des zweiten Zugabenblocks seinen ersten und größten Treffer „Easy“. Dazwischen kommen fast alle Songs vom ­neuen Album. Riesenapplaus ernten die Hits, freundlichen der Rest, am ehesten fühlt man sich wie in einem richtigen Konzert, wenn Cro kurz vor dem Ende seinen sehr alten und durchaus groovig-guten Song „Rockstar“ anstimmt.

Von da aus betrachtet scheint dann wieder alles in Ordnung mit diesem handzahmen, wenig spektakulären Konzert. Aber es ist gerade auch diese Konturlosigkeit, die einen bei Cro etwas desillusioniert zurücklässt.

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