Die Polizei weist Passanten auf die Coronaregeln hin. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Am Samstag hatten Beamte die Besucher in der City im Visier. Viele waren sich über die neuesten Verordnungen zum Schutz vor Corona nicht im Klaren. Die meisten blieben aber trotz Ermahnung kooperativ.

Stuttgart - „Freiheit“, ruft eine junge Frau, die am S-Bahn-Gleis des Stuttgarter Bahnhofs von der Polizei festgehalten wird. Es ist das Nachspiel einer Rangelei. „Ihr schlaft alle“, stimmt ihr Begleiter ein. Querdenker wie die beiden sind am Samstagabend nach den Demos nur vereinzelt in der Stadt unterwegs. Rund um den Schlossplatz dominiert ein anderes Bild: Polizeieinheiten, die Gruppen von Jugendlichen kontrollieren.

Vorsorglich in kleinen Gruppen unterwegs

Es geht um die Einhaltung der Coronaregeln, die bei einigen Verwirrung auslösen. Darf man nun zu dritt unterwegs sein? Oder nur dann, wenn man aus maximal zwei Haushalten stammt? Auf der Freitreppe neben dem Kubus sitzen die jungen Leute in Zweier- und Dreiergrüppchen beisammen.

„Hier zu chillen ist besser, als zu Hause zu sitzen“, sagt der 18-jährige Marco. Die Beamten konzentrieren sich derweil auf Passanten rund um den Königsbau und das Impfzelt auf dem Schlossplatz. Auch auf dem Kleinen Schlossplatz zeigen die Polizisten immer wieder Präsenz. „Stress“, krakeelt ein junger Mann von der Brüstung aus in Richtung einer größeren Ansammlung von Mädchen, die unten vor dem Drogeriemarkt stehen, und freut sich über deren Fluchtreflex. „Ich verarsche die nur“, sagt er lachend.

Polizeikontrollen als Zeitvertreib

Die Polizeikontrollen sind für manchen eher ein unterhaltsamer Bonus als eine Beeinträchtigung des abendlichen Vergnügens. Immer wieder eilen Gruppen von einer Ecke des Terrains zur anderen. Umgekehrt verlagern die Beamten sich ständig, um den Raum möglichst flächendeckend unter Kontrolle zu halten. Es ist viel los. Aggression ist kaum spürbar, aber Frust: „Unsere Personalien wurden aufgenommen, und nebenbei sind fünf oder sechs ältere Leute einfach so vorbeigelaufen“, zeigt sich ein Mittzwanziger genervt. „Hätten Sie uns auch kontrolliert, wenn wir Deutsche wären?“, fragt er sein Gegenüber in Uniform. „Sie haben einen deutschen Pass. Sie sind Deutscher“, erklärt dieser ruhig und verwahrt sich gegen die Vermutung, man habe das Trio wegen seines südländischen Äußeren angehalten. Das Gespräch endet versöhnlich.

Diskussion über zweierlei Maß bei Polizeiaktionen

Die Polizei tritt entschlossen auf, aber nicht aggressiv. Die Kontrollierten sind meist kooperativ. Einem Jugendlichen, der fragt, warum man bei der Querdenker-Demo so viel habe durchgehen lassen und hier so entschieden auftrete, wird mitgeteilt, bei einer Demo könne man vieles erst im Nachhinein feststellen. Dann würden auch weitere Verstöße geahndet.

An der Theodor-Heuss-Straße stehen Beamte mit Motorrädern bereit. Von der Börse her ist das Röhren eines Fahrzeugs zu hören. Unbeobachtet fühlen darf sich der Fahrer auch dort nicht. „Wir verlagern uns immer wieder, um den Überblick zu behalten“, sagt der Abschnittsleiter an der Theo. An der Zufahrt zur Bolzstraße haben Kollegen eben eine Sperre errichtet und ein Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen. Die Strategie scheint insgesamt aufgegangen zu sein.

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