Hygiene-Experte Jürgen Maier sieht das Klinikum Esslingen gut gerüstet für Corona-Patienten. Foto: Roberto Bulgrin

Das neuartige Coronavirus ist bis an die Grenzen des Landkreises Esslingen vorgedrungen. Jürgen Maier, am Klinikum Esslingen für die Hygiene zuständig, gibt Tipps zum Schutz gegen eine Ansteckung.

Esslingen - Bei der Begrüßung und Verabschiedung bleibt Jürgen Maier strikt: kein Händeschütteln, keine Umarmung, kein Begrüßungsküsschen auf die Wange. Das halten er und seine Kollegen allerdings nicht erst so, seit bekannt wurde, dass ein Mann im Kreis Göppingen – also in direkter Nachbarschaft zum Kreis Esslingen – nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert wurde. Vielmehr würde sich der Biologe, der am Klinikum Esslingen die Abteilung für Hygiene leitet, wünschen, dass es jeder immer so hält, um die Verbreitung ansteckender Krankheiten zu verringern. Überhaupt: „Man sollte jetzt nicht in Hysterie verfallen“, beruhigt Maier, dessen Telefon derzeit ohne Unterlass klingelt. Vielmehr rät der Experte, sich an die Hygieneregeln zu halten, die auch in Grippephasen gelten.

„Wir haben uns sehr gut auf mögliche Coronapatienten vorbereitet“, sagt der Klinikhygieniker. In der täglichen Arbeit des Personals am Klinikum Esslingen bedeutet das keine großen Änderungen: Schließlich muss besonders das medizinische Personal ohnehin die höchstmöglichen hygienischen Standards einhalten. Auch für Patienten mit ansteckenden Krankheiten gibt es bereits Infektionszimmer mit Schleusen in der Notaufnahme und das Personal ist entsprechend für solche Fälle geschult.

Klinik bereitet sich auf Corona-Patienten vor

Allerdings: „Wenn wir mit gehäuften Infektionsfällen rechnen müssen, müssen wir extra Vorkehrungen zur Bewältigung treffen“, erklärt Maier. So müssen Zimmer freigehalten werden. Neben den Infektionszimmern, die für betroffene Patienten direkt zugänglich sind, ohne die ganze Klinik durchqueren zu müssen, kann nun auch eine ganze Station für die Behandlung von Corona-Erkrankten freigeräumt werden. Die Ausrüstung mit entsprechender Sicherheitskleidung wurde aufgestockt, beispielsweise Handschuhe, Masken, Sicherheitskittel und Hauben gekauft. Und orangefarbige Hinweisschilder erklären, wann eine Ansteckungsgefahr besteht und wie Betroffene dann reagieren sollten.

Um die Betreuung mehrerer Corona-Patienten im Krisenfall organisatorisch gut bewältigen zu können, hat das Klinikum eine „Task Force“ gegründet, in der die zuständigen Führungskräfte auf kurzem Wege ständig in Kontakt miteinander sind. Und die Abläufe im Umgang mit Verdachtsfällen wurden festgelegt, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Diese werden bereits benutzt: „Es gibt immer wieder Menschen, die sich besorgt melden“, sagt Jürgen Maier. Etwa eine Frau, die sich nach ihrer Rückkehr aus Israel, wo sie möglicherweise mit infizierten Südkoreanern in Berührung gekommen war, untersuchen lassen wollte. Solche Fälle werden bei Voranmeldung auf kürzestem Wege direkt in die Isolationszimmer in der Notaufnahme gebracht. Wer sich mit begründeten Sorgen an der Pforte unten meldet, wird dort sofort abgeholt und mit möglichst wenig Kontakt zum Rest der Klinik in die entsprechende Abteilung geführt. Bis dato fielen alle Tests negativ aus.

Vor Gang in die Klinik Hausarzt konsultieren

In diesem Zusammenhang bittet Maier allerdings die Bevölkerung, nicht ohne triftigen Grund in die Notaufnahme zu kommen und um einen Test auf das Coronavirus zu bitten. Das führe sonst zur Überlastung. Allgemein bittet er jene, die Angst haben, sich infiziert zu haben, zunächst ihren Hausarzt zu kontaktieren. Unbedingt tun sollte das, wer wissentlich in Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person kam oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten hatte und nach 14 Tagen grippeähnliche Symptome aufweist, beispielsweise Fieber, Husten und Niesen.

Desinfektionsmittel für unterwegs

„Davor Angst haben zu müssen, vor die Haustür zu treten, soweit sind wir aber noch nicht“, beruhigt der Hygieneexperte. Dennoch rechne er nach dem Fall in Göppingen damit, dass bald auch im Kreis Esslingen erste Verdachtsfälle auftreten. Um sich vor einer Infektion zu schützen, gibt Maier darum weitere Tipps, außer keine Hände zu schütteln. Es sind die gleichen, die in Grippeperioden gelten. Zum Beispiel die Nähe zu großen Menschenansammlungen zu meiden und sich die Hände zu desinfizieren, nachdem man etwas angefasst hat, das vermutlich viele andere Menschen zuvor angefasst hatten – wie etwa den Haltegriff im Bus. „Ein Fläschen Desinfektionsmittel unterwegs dabei zu haben, ist sicher nicht falsch.“ Es sollte dann ein „begrenzt viruzid wirksames“ Mittel aus der Apotheke sein. Besonders älteren und angeschlagenen Menschen rät er zudem strikt von Reisen in Risikogebiete wie Italien ab.

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