Schwanger in Zeiten von Corona: Viele Dinge sind nun anders – zum Beispiel finden Geburtsvorbereitungskurse inzwischen häufig Online statt. Foto: obs/SAT.1

Die Coronakrise beunruhigt viele werdenden Eltern. Geburtsvorbereitungskurse fallen aus, mancherorts dürfen die Väter nicht mehr bei der Geburt dabei sein. Und Hebammen klagen, dass es an Schutzkleidung fehlt. Wie ist die Situation in Stuttgart?

Stuttgart - Eigentlich lässt Ann-Kathrin G. sich in der Schwangerschaft nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Aber als die Corona-Pandemie auch in Deutschland immer größere Kreise zog, kam auf einmal auch bei ihr Unsicherheit auf. „Es war einfach nicht klar, wie es jetzt weitergeht“, sagt sie. Wie soll es mit der Geburtsvorbereitung weitergehen? Würde ihr Partner bei der Geburt im Mai dabei sein können? In den vergangenen Tagen sind viele ihrer Termine abgesagt worden: Der Yoga-Kurs für Schwangere, das Schwimmen, die Treffen mit der Hebamme oder mit anderen Schwangeren. „In der Schwangerschaft läuft viel über den persönlichen Austausch“, sagt die 33 Jahre alte Stuttgarterin. Dass all das wegfalle, sei für sie seltsam. Nun müsse viel über das Telefon laufen.

Die Ausbreitung des Virus löst bei vielen werdenden Eltern Unruhe aus. „Unsere Frauen und Paare sind sehr verunsichert und haben überwiegend Angst vor einer Ansteckung“, sagt Lena Müller, eine Hebamme in der Hebammenpraxis und im Geburtshaus Stuttgart-Mitte. Viele würden sich um die Gesundheit des Babys sorgen, andere davor, für die Geburt ins Krankenhaus zu müssen, statt wie geplant ins Geburtshaus. Um die Ansteckungsgefahr zu senken, wurde der Praxisbetrieb im Geburtshaus stark reduziert. Nur noch die nötigsten Termine werden wahrgenommen, wenn möglich als Hausbesuche. Bislang, sagt Lena Müller, habe es keinen Corona-Fall unter den betreuten Schwangeren oder den Hebammen gegeben. Wenn der komme, werde es heikel. „Wir haben bisher keinerlei Schutzkleidung mit der wir uns selbst schützen können.“

Kurssitzungen finden Online statt

An Schutzkleidung fehlt es nicht nur im Geburtshaus Stuttgart-Mitte. „Das ist tatsächlich ein sehr, sehr großes Problem. Man hat die Berufsgruppe der Hebammen einfach nicht auf dem Schirm“, sagt Jutta Eichenauer, due Landesvorsitzende vom Hebammenverband Baden-Württemberg. Dabei könnten Hebammen die Kliniken oder Arztpraxen durch ihre Arbeit entlasten, etwa wenn sie die Frauen nach der Geburt ambulant betreuen. „Hierfür brauchen wir Schutzkleidung“, sagt Eichenauer. Der Verband hat bereits an mehreren Stellen um Hilfe gebeten. Man hoffe nun, bei der nächsten Lieferung berücksichtigt zu werden. An den Kliniken in Stuttgart tragen die Hebammen bereits jetzt – wie anderes Krankenhauspersonal auch – Mundschutz. Auch von der Filderklinik in Filderstadt heißt es, dank einer großzügigen Firmenspende habe man sich umfangreich mit Schutzkleidung ausstatten können.

Für viele offene Fragen haben sich bereits Lösungen gefunden. Die Hebammenpraxis Herzallerliebst, bei der Ann-Kathrin G. ist, bietet an, via Videokonferenz an Kurssitzungen teilzunehmen. So soll zumindest der theoretische Teil der Geburtsvorbereitung weiterlaufen. „Innerhalb von wenigen Tagen haben sie ein tolles Alternativprogramm zusammengestellt“, sagt Ann-Kathrin G. Per Mail kamen wichtige Informationen zum Virus und den Risiken für Schwangere. Auch wurde ein Hebammen-Telefon installiert. „Dadurch fühle ich mich gut aufgehoben und sehr gut informiert.“ Auch bei der Schwangerenambulanz am Klinikum Stuttgart, am Marienhospital und im Geburtshaus Stuttgart-Mitte werden Vorgespräche mit Schwangeren inzwischen telefonisch abgehalten. Zumindest dann, wenn eine persönliche Untersuchung nicht dringend nötig ist. Einzelne Kurse, etwa zur Geburtsvorbereitung und zur Rückbildung, fänden bereits online statt, sagt Hebamme Lena Müller von der Hebammenpraxis Stuttgart-Mitte. Auch in der Region bieten viele Hebammen bereits virtuelle Unterstützung zum Beispiel über Videoanrufe.

Seit dem vergangenen Wochenende greift nach Angaben des Hebammenverbands eine Sondervereinbarung mit den Krankenkassen: Leistungen wie telefonische Vorgespräche oder die Teilnahme an einem digitalen Kurs können nun auch als solche abgerechnet werden. Das war bislang nicht der Fall. „Jede Kollegin sollte diese Möglichkeit weitestgehend nutzen, um zu einer Verlangsamung der Virusausbreitung beizutragen“, sagt Jutta Eichenauer. „Wie das derzeit gehandhabt wird, dazu haben wir keine Rückmeldung.“

Väter dürfen bei der Geburt noch dabei sein

Bei den wenigen Untersuchungen, die derzeit noch persönlich stattfinden, dürfen die Partner in der Regel nicht dabei sein. Dass ihr Freund nun die Ultraschalluntersuchungen Ann-Kathrin G. findet es schade, dass ihr Freund die Ultraschalluntersuchungen nun verpasst. All das zusammen zu erleben sei einfach anders. Bislang aber hofft sie, dass ihr Partner bei der Geburt in ein paar Wochen dabei sein kann. „So einen sensiblen Moment erlebt man gerne gemeinsam. Gerade die Geburt zählt ja zu den Höhepunkten des Lebens.“

Immerhin, bislang dürfen die Väter in Stuttgart bei der Geburt dabei sein – in den Geburtshäusern ebenso wie in den Kliniken. Ob die Krankenhäuser Ausnahmen für die geltenden Besuchseinschränkungen gewähren, ist bundesweit ganz unterschiedlich. Mancherorts – etwa in Bonn oder Potsdam – erleben die Mütter die Geburt in diesen Tagen ganz ohne Begleitung. In Baden-Württemberg wisse sie aber von keinem Kreißsaal, der derzeit Väter ausschließe, sagt Jutta Eichenauer vom Hebammenverband. „Die Väter bei der Geburt auszuschließen, wäre ein tiefer Einschnitt.“ Sie würden neben dem gemeinsamen Erleben der Geburt auch einen großen Teil der Begleitung und Betreuung übernehmen, was aufgrund der dünnen Personaldecke in den Kreißsälen und auf der Wochenstation wichtig sei.

„Für werdende Väter besteht noch eine Ausnahme unseres sonst sehr strikten Besuchsverbots“, heißt es vom Klinikum Stuttgart. Nach der Geburt im Kreißsaal müssen die Partner das Krankenhaus dann allerdings wieder verlassen, sagt ein Sprecher des Marienhospitals. Auf Station gilt in den Kliniken derzeit auch für sie das Besuchsverbot. Eine Ausnahme stellte bislang das Geburtszentrum der Filderklinik dar – hier wurden Besuche auf der Wöchnerinnenstation bislang noch erlaubt. Seit diesem Dienstag aber gilt auch hier ein Besuchsverbot. Bei der Geburt selbst können die Väter – sofern sie nicht erkrankt sind – aber weiterhin dabei sein.

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