In solchen Villen am Strand von Long Island wollen wohlhabende New Yorker der Corona-Krise in ihrer Heimatstadt entkommen. Foto: Imago //Maria Karas

In New York City tobt das Coronavirus. In den Luxusferienorten auf Long Island feiern dorthin geflüchtete City-Bewohner ihre Quarantäne-Partys. Die Einheimischen werden langsam sauer.

New York - Die Zeit zwischen September und Mai ist auf Long Island gewöhnlich ruhig und einsam. Viele der Bars und Restaurants, in denen von Juni an die Sommerfrischler aus Manhattan ihre Partys feiern, sind geschlossen. Die Gänge in den Supermärkten sind leer und die Mietpreise für Ferienhäuser sind auch für Normalsterbliche fast erschwinglich. Doch in diesem Jahr ist nichts gewöhnlich. Für Strandspaziergänge braucht man zwar noch immer Pullover, doch die Hamptons, die Ansammlung kleiner Ortschaften im Osten der Insel, in der sich im Sommer die Reichen und Schönen New Yorks tummeln, brechen schon seit Mitte März aus allen Nähten.

Noch bevor der New Yorker Bürgermeister Bill DeBlasio in der vergangenen Woche die Gastbetriebe der Stadt schließen ließ und den Menschen nahe legte, zuhause zu bleiben, setzte eine Karawane aus SUVs von der Upper East Side hinaus auf den Long Island Expressway ein. Die Hamptons wurden von den wohlhabenden New Yorkern, die vor der Pandemie fliehen wollten, überrannt.

Die Mietpreise für Strandhäuser verzehnfachten sich über Nacht. Die Makler berichteten, dass sie jeden Preis hätten verlangen können. „Ein Mieter wollte für acht Wochen 200 000 Dollar bezahlen“, sagt die Maklerin Susan Breitenbach. „Als ich gesagt habe 750 000 hat er ohne zu zögern den Scheck unterschrieben“.

Wer es sich leisten kann, machte sich aus New York aus dem Staub

New York ist seit Beginn der Woche eines der Epizentren der Lungenkrankheit Covid-19. In der Stadt allein gibt es mittlerweile 18 000 bestätigte Fälle und mehr als 200 Tote. In der gesamten Region werden mehr als 30 000 Kranke gemeldet. Die Krankenhäuser sind jetzt schon am Rand der Kapazität, obwohl der Höhepunkt der Verbreitung erst in zwei bis drei Wochen erwartet wird.

Dass es in New York schlimm wird, war abzusehen, schließlich ist es die am dichtesten besiedelte Stadt der westlichen Hemisphäre. Wer es sich leisten konnte, machte sich deshalb so früh wie möglich aus dem Staub. Die Wohnbezirke der Superreichen wie die Park Avenue und Teile des Greenwich Village sind seit vergangener Woche Geisterstädte.

Die Einheimischen beobachten das Treiben mit wachsendem Unmut

In den Hamptons hingegen geht es Drunter und Drüber. Niemand ist dort zu dieser Jahreszeit auf den Ansturm vorbereitet, schon gar nicht, wenn die Reichsten der Reichen hamstern. Angestellte in Gourmet Supermärkten berichten davon, dass Einkäufe von 8000 Dollar und mehr keine Seltenheit sind. Für die Menschen mit gemäßigten Einkommen, die das ganze Jahr in den Hamptons leben, bleibt oft nichts übrig.

Die beobachten mit wachsendem Unmut das Treiben, das die Reichen inszenieren. Da werden Quarantäne-Parties für 100 Leute geschmissen. Nicht wenige bringen ihre Privatärzte mit, die sie sich mit ihren Bekannten teilen. Dem Virus können sie damit freilich nicht entkommen. Die Einheimischen sind im Gegenteil besorgt, dass die New Yorker ihn mitbringen und seine Verbreitung hier draußen beschleunigen. Doch die Wohlhabenden haben zumindest die Möglichkeiten und Mittel, ihr Risiko zu verkleinern und sich die Zeit der Pandemie so angenehm wie möglich zu gestalten.

So bietet einer der privaten Arzt-Dienste eine individuelle Anpassung von Atemschutzmasken an. Die Masken, die in den Krankenhäusern der USA schon jetzt zur Mangelware geworden sind, sind Designermasken der schwedischen Firma Airinum, der Preis liegt bei rund 80 Dollar. Von einer reichen Erbin aus Long Island wurde berichtet, dass sie auf ihrem Grundstück eine voll ausgestattete Intensivstation besitze.

Auch in die exklusiven Skigebiete Idahos flüchten die Reichen

Überhaupt ist angesichts des miserablen Gesundheitswesens der Zugang zu ärztlichen Leistungen für Wohlhabende in den USA ein Reizthema. So versuchen sich immer wieder die Begüterten Zugang zu den knappen Virustests zu verschaffen. Offiziell gibt es keine Bevorzugung, doch Donald Trump hat eingeräumt, dass es schon einmal passieren könne, dass Privilegierte leichter an einen Test kommen, etwa seine republikanischen Günstlinge im Kongress – oder die Spieler der Basketball-Liga NBA.

Die Hamptons sind derweil nicht das einzige Ziel der betuchten New Yorker Pandemie-Flüchtlinge. Idaho mit seine exklusiven Skigebieten ist auch eine beliebte Destination, mit dem Privatjet versteht sich. Andere mieten sich eine Jacht und schippern mit der Familie durch die Karibik, bis alles vorbei ist. „Das macht total Sinn“, sagt Jennifer Saia, die Inhaberin einer Charterfirma. „Man fährt mit seiner Limousine in sein Privatjetterminal, fliegt auf die Bahamas und dann direkt aufs Boot.“ Kontakt mit möglichen Virenträgern aus dem gewöhnlichen Volk ist ausgeschlossen.

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