Der saudi-arabische König Salman führt den Vorsitz beim virtuellen G-20-Treffen. Foto: dpa

Der IWF rechnet wegen der Pandemie mit einer mindestens ebenso schlimmen Wirtschaftskrise wie 2008. Die wird vor allem die Milliarden Menschen ohne Krankenversicherung treffen.

Dubai - Die Staats-und Regierungschefs der 20 führenden Wirtschaftsnationen der Welt haben sich am Donnerstag zu einem virtuellen Treffen über das neue Coronavirus versammelt. Wichtigstes Thema war es, den weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen zu koordinieren. „Diese Menschheitskrise erfordert eine globale Reaktion“, sagte der saudi-arabische König Salman, dessen Land den Vorsitz führt.

Unter den Beteiligten an dem Gipfel der G20 sind der chinesische Präsident Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie nimmt von ihrer Wohnung in Berlin aus teil, wo sie unter Quarantäne steht. Bei dem virtuellen Gipfel dabei sind auch Vertreter der Weltgesundheitsorganisation, der Vereinten Nationen, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Medien hatten keinen Zugang. Die Rede König Salmans wurde von der saudischen Regierung verbreitet.

Kritik an wohlhabendsten Ländern

Das Treffen war von Kritik begleitet, die wohlhabendsten Länder der Welt seien noch nicht gemeinsam gegen das Virus oder dessen wirtschaftliche Auswirkungen auf Menschen weltweit vorgegangen. Die globale Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus ist auf mehr als 21 000 gestiegen, die Zahl der Infektionen beträgt mehr als 480 000, wie aus einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO verwies darauf, dass fast 40 Prozent der Weltbevölkerung keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu nationalen Gesundheitsdiensten hätten. Sogar 55 Prozent - das sind vier Milliarden Menschen - hätten keinerlei sozialen Schutz. Die Coronakrise zeige, dass es seit der Finanzkrise 2008 auf diesen Gebieten viel zu wenig Fortschritte gegeben habe.

Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank warnten vor dem Gipfel vor den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie für Entwicklungsländer. Sie forderten, den Schuldendienst dieser Länder auszusetzen und erklärten sich bereit, für die G20 einzuschätzen, welche Staaten ihre Schulden nicht mehr tragen können und dringend Finanzhilfen brauchen. Die Entwicklungsländer bräuchten Erleichterungen und ein starkes Signal der Finanzmärkte.

Währungsfonds will gesamte Kreditkapazität geben

IWF-Direktorin Kristalina Georgieva sagte, der Währungsfonds stehe bereit, seine gesamte Kreditkapazität von einer Billion Dollar (rund 910 Milliarden Euro) zur Verfügung zu stellen. Zuvor hatte sie bereits erklärt, der IWF rechne mit einer mindestens ebenso tiefen Rezession wie während der Finanzkrise 2008.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller forderte ein international abgestimmtes Stabilisierungspaket in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, soziale Sicherung und Wirtschaft. Dabei sollten die G20 und die G7 vorangehen. „Viele globale Lieferketten wie beispielsweise Textil drohen zusammenzubrechen“, sagte Müller. In Bangladesch seien Aufträge für 1,4 Milliarden Euro storniert worden. 1,2 Millionen Näherinnen, die schon bislang kaum mehr als Hungerlöhne verdient hätten, stünden vor dem Nichts. „Wir dürfen diese Menschen in den ärmsten Ländern nicht allein lassen“, forderte Müller.

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