Die Abschlussprüfungen sollten auch in diesem Jahr stattfinden. Ein „Corona-Abitur“ wäre für die betroffenen Schülerinnen und Schüler ein dauerhafter Nachteil, kommentiert Jan Dörner.
Berlin - Wie schlecht es gelungen ist, das Coronavirus in den Griff zu bekommen, offenbart sich im zweiten Jahr der Pandemie schonungslos. Wie bereits 2020 wird jetzt erneut darüber diskutiert, ob die Abiturprüfungen stattfinden können. Sollten die Infektionszahlen dramatisch in die Höhe schießen, müssten die Bundesländer flexibel sein und die Prüfungen absagen, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Also lieber ein Jahrgang mit Notabitur als Ansteckungscluster durch Abschlussklausuren.
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Geschlossene Bibliotheken, Wechselunterricht, technische Probleme beim digitalen Lernen, alleine Pauken anstatt den Stoff noch einmal in einer Lerngruppe durchzugehen: All das bedeutet für die Schülerinnen und Schüler großen Stress. Der Abschlussjahrgang 2021 steht wahrlich nicht im Verdacht, das Abitur geschenkt zu bekommen. Insofern erscheint die Idee verlockend, die Abiturnote ohne Prüfungen und auf Grundlage der Leistungen im Unterricht zu bilden.
Ein „Corona-Abi“ wäre ein dauerhafter Nachteil
Wenn aber in dem einen Bundesland die Prüfungen stattfinden, während sie anderswo ausfallen, kann ein „Corona-Abitur“ für die Betroffenen zum dauerhaften Nachteil werden, etwa bei der Bewerbung an Universitäten. Das Schlimmste für die jungen Menschen wäre also, wenn die Länder – wie schon so oft in der Pandemie – einen Flickenteppich nähen. Vielmehr sollten die Länder dafür sorgen, dass auch in diesem Jahr alle Schülerinnen und Schüler ihre Abiturprüfungen ablegen können. Dafür braucht es die von der GEW geforderte Flexibilität, indem die Prüfungstermine notfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
jan.doerner@stzn.de