In diesem Heim hat sich Corona breit gemacht. Foto: Roberto Bulgrin

In seinem Kommentar zu dem Corona-Ausbruch in einem Esslinger Pflegeheim schreibt Johannes M. Fischer: An dieser Stelle müsste im Grunde genommen auch der Kommentar abbrechen, denn Tod und Unheil lassen sich weder bewerten noch interpretieren. Plötzlich wird es dunkel, sehr dunkel.

Esslingen - Das sollte ein optimistischer Kommentar werden. Denn hey, wir stecken zwar mitten im Corona-Schlamassel, aber wir lassen uns das Singen nicht verbieten. Jedenfalls nicht, wenn wir alleine unter der Dusche stehen. Und auch wenn wir gerade wieder einem neuen Tiefstpunkt zueilen und dank massenhafter menschlicher Unvernunft einerseits und extremer Virusaggressivität andererseits erneut in die Abschottung gleiten: Es gibt überall Hoffnungsschimmer. Einer davon: Wie die Innenstädte versuchen, der schwindenden Lebens- und Einkaufslust etwas entgegenzusetzen, damit die Lichter nicht ganz ausgehen. Ein leuchtender Kürbis an Halloween, ein bisschen Trallala vor einem Geschäft, Menschen, die auf Stelzen durch die Straßen schreiten – das ist doch was in einer Zeit, die so sehr aufs Gemüt drückt.

Und dann kam die Nachricht vom Corona-Ausbruch in einem Esslinger Pflegeheim. Tote. Kranke. Angst. Verzweiflung. An dieser Stelle müsste im Grunde genommen auch der Kommentar abbrechen, denn Tod und Unheil lassen sich weder bewerten noch interpretieren. Plötzlich wird es dunkel, sehr dunkel.

Der gute Vorsatz sackt in sich zusammen

So bleibt von dem guten Vorsatz, ein paar optimistische Momente zu sammeln und etwas Hoffnung zu verbreiten an einem an sich schon trüben Tag doch nur eines: ein trotziges „irgendwie müssen wir da eben durch“. Die Vorstellung, dass das unsichtbare Virus in die Pflegeheime schleicht und sich dort seine leichten Opfer sucht, ist grausam und gleichzeitig schrecklich real.

Hilf­losigkeit beschleicht einen, der Impuls, Hoffnung zu verbreiten, verglimmt. Und so endet auch dieser Kommentar, wie so wahnsinnig viele, die heute zu hören und zu lesen sind, mit einer banalen, fast schon abgenutzten Parole: Runterschalten. Tun Sie es für sich, vor allem aber für die Nächsten.

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