In Göppingen war am Dienstagabend der erste Fall einer Coronavirus-Infektion bestätigt worden. Foto: SDMG

Rottweil - In Baden-Württemberg hat sich ein weiterer Mann mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Der 32-Jährige aus dem Landkreis Rottweil sei am Sonntag aus dem Risikogebiet in Italien eingereist und habe keine Verbindungen zu den bislang gemeldeten drei Patienten im Südwesten, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart mit. Er habe sich nach seiner Rückkehr aus dem italienischen Codogno wegen der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Am frühen Mittwochabend bestätigte sich den Angaben zufolge der Verdacht.

Der Mann werde nun in einem Krankenhaus betreut und isoliert von anderen Patienten behandelt. Seine Ehefrau, die mit ihm gereist war, und sein Kind sind laut Ministerium negativ getestet worden. Sie blieben in «häuslicher Absonderung», hieß es in der Mitteilung.

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Zuvor hatte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) in Stuttgart Details zu einem Patienten aus dem Landkreis Göppingen bekanntgegeben, dessen Erkrankung am Dienstagabend bekannt geworden war. Der 25-Jährige hatte sich vermutlich bei einem Italien-Urlaub vergangene Woche infiziert. Kurz darauf teilte das Universitätsklinikum Tübingen zwei weitere Fälle im Südwesten mit: die 24 Jahre alte Reisebegleitung des 25-Jährigen aus dem Italien-Urlaub als auch deren Vater, ein Oberarzt in der Pathologie am Tübinger Universitätsklinikum. Beide stehen auf der Liste der Kontakte des 25-Jährigen aus den vergangenen Tagen. Damit gibt es nun insgesamt vier bekannte Fälle in Baden-Württemberg.

"Kein Grund zur Unruhe"

Die Kette der Meldungen wirkte wie der Beginn eines Dominoeffekts. Spätestens am Mittwoch war klar, dass das Coronavirus auf seinem rasanten Zug um die Welt auch an Baden-Württemberg nicht vorbeiziehen wird. Lucha mahnte allerdings ebenso wie die Gesundheitsbehörden zur Besonnenheit. Es gebe noch «keinen Grund zur Unruhe», sagte der Grünen-Politiker.

Nach Angaben der Behörden stehen die beiden Tübinger Fälle in direktem Zusammenhang mit dem sogenannten Patienten Null, dem infizierten Mann aus dem Kreis Göppingen. Beide stehen auf der Liste seiner Kontakte aus den vergangenen Tagen. Sowohl die 24 Jahre alte Reisebegleitung des Mannes aus dem Italien-Urlaub vergangene Woche als auch deren Vater, ein Oberarzt in der Pathologie am Tübinger Universitätsklinikum, würden isoliert behandelt, teilte das Krankenhaus mit.

Beiden gehe es gut. «Sie sind in gutem Zustand und fühlen sich wohl», sagte Nisar Malek, Ärztlicher Direktor an der Medizinischen Klinik. Der ältere Patient habe «so gut wie keine Symptome», seine infizierte Tochter verspüre lediglich leichte Halsschmerzen. Sämtliche Kontaktpersonen der beiden Patienten aus den vergangenen Tagen seien bekannt und informiert. Der Mann hatte nach dem Wochenende an einem Treffen von Oberärzten teilgenommen. Es seien daraufhin ein Dutzend Mediziner getestet und «aus der Krankenversorgung herausgenommen worden». Sie seien unter Beobachtung, teilte das Klinikum mit.

Der Fall aus dem Kreis Göppingen war am Dienstagabend bekannt geworden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hatte der junge Mann gemeinsam mit der nun ebenfalls infizierten Freundin eine Bekannte in Mailand besucht. Zwei Tage nach den ersten Symptomen meldete er sich beim Gesundheitsamt. Noch am selben Tag sei ein Abstrich im Landesgesundheitsamt (LGA) untersucht und der Patient in eine Klinik gebracht worden, sagte Stefan Brockmann, der Leiter des LGA-Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz. Dort werde der Patient isoliert behandelt. Es gehe ihm gut, sein Zustand sei stabil.

Der Vorteil: Es ist weitgehend bekannt, wen der infizierte Mann wann und wo getroffen hat. Er habe ruhig auf die Nachricht der Gesundheitsbehörde reagiert, «ein wenig, als habe er damit gerechnet». Schnell habe der 25-Jährige eine Liste mit den Kontaktpersonen zusammenstellen können.

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Bislang wurden laut Ministerium 13 Kontakte des erkrankten Mannes bekannt und informiert, darunter die junge Frau aus Tübingen und die italienische Freundin des Paares. Problematisch könnte noch ein Kinobesuch des Mannes mit einem Bekannten am Samstagabend im bayerischen Neu-Ulm werden. Laut Landratsamt saßen insgesamt 138 Menschen im Saal.

Trotz der Zusicherung der Gesundheitsbehörden betonte die Infektionsschutz-Expertin Isolde Piechotowski auch, dass sich das aus China stammende Virus im Vergleich zur Influenza weitgehend ungehindert ausbreiten könne. «Bei der Influenza gibt es eine Impfquote, wenngleich sie noch zu gering ist», sagte die Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Auch sei ein Teil der Menschen immun. «Aber das Coronavirus trifft auf eine völlig naive Bevölkerung. Es kann wirklich jeden treffen und es gibt keine Abwehrmechanismen.»

Der Freiburger Virologe Hartmut Hengel mahnte, Infektionsketten möglichst zu unterbinden oder zumindest zu unterbrechen. «Das gelingt, wenn schnelle Erstdiagnosen gestellt und dann Weitergaben des Virus durch Isolation der Patienten verhindert werden», sagte der Leiter des Instituts für Virologie der Universität Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. Es muss vermieden werden, dass Menschen mit Beschwerden die Kliniken stürmten und das Personal ansteckten, das dann wiederum weitere Patienten infizieren könne. Ein solcher Dominoeffekt sei fatal.

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus der chinesischen Stadt Wuhan. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen. Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten dort ist erneut gestiegen.

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