Surreale Atmosphäre: Der Corona-Gemeinderat von Esslingen. Foto: Horst Rudel

In seinem Rückspiegel trauert Johannes M. Fischer „normalen“ Zeiten nach. Aber nur kurz: Dann lenkt er die Aufmerksamkeit auf das, was Hoffnung macht.

Esslingen - Wie schön war die Zeit, als sich der „Rückspiegel“ noch durch eine humoristische Note auszeichnen durfte. Als es noch Menschen gab, die für eine spontane Verabredung zu haben waren. Den Absacker nach der Arbeit, den Spaziergang davor. Alles das versiegt.

Alles? Nein, nicht alles. Und anderes, Gutes, kommt zum Vorschein. Für viele wird das Leben zur Kunst, sich in dem „anderen Leben“ einzurichten, ohne einzuknicken. Und dann wäre da noch die große Bereitschaft, anderen zu helfen.

Ein Beispiel: In einer surreal anmutenden Sitzung im Neckar-Forum – großer Saal, großer Sicherheitsabstand, jeder für sich alleine – beschließt der Esslinger Gemeinderat den Doppelhaushalt. Das bedeutet: Die Stadt bleibt handlungsfähig. Auch in anderen Gemeinden werden auf die Schnelle und unter besonderen Vorkehrungen wichtige, zukunftsgerichtete Entscheidungen getroffen. Ein klares Signal: Wir versinken nicht in der Depression.

Noch ein Beispiel aus dieser Woche: In allen Gemeinden bilden sich Gruppen, die jenen helfen, die wegen der Corona-Epidemie nicht mehr zum Einkaufen kommen. Sei es, weil sie unter Quarantäne stehen, sei es, weil sie zur Risikogruppe gehören. Auch die Eßlinger Zeitung ist dabei: Sie startet mit #EZverbindet von heute auf morgen ein Hilfsportal. Bereits in den ersten Stunden melden sich unter der Rubrik „Nachbarschaftshilfe“ Dutzende an, die helfen wollen. Inzwischen sind es weit über 150 Menschen, die ihre Dienste anbieten.

Und zwischen alledem finden sich weiterhin gute Nachrichten, die fast schon sentimental anmuten, die aber auch zeigen, dass die Welt nicht untergeht: Die Küken eines Turmfalken, die in Baltmannsweiler während eines Gottesdienstes schlüpfen. Oder ein Verein aus Ostfildern, der sich um herrenlose Meerschweinchen kümmert.

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