Menschen in einem spanischen Hotel, das unter Quarantäne steht. Das soziale Leben verläuft auf Sparflamme. Foto: dpa/Arturo Rodriguez

Der Virus greift inzwischen massiv ins soziale Leben ein. Unternehmen machen sich zunehmend Sorgen. Verantwortliche der Oldtimer-Messe reagieren gelassen.

Esslingen - Auch wenn noch lange nicht fest steht, wie stark sich das Corona-Virus tatsächlich ausbreiten wird, steht jetzt schon fest: Es greift massiv in das soziale Leben ein. Am Freitag überschlugen sich auch auf der lokalen Ebene, also in der unmittelbaren Nachbarschaft, die Ereignisse. Eine besonders schmerzhafte Nachricht für viele: Die Esslinger Vesperkirche wurde gestern abgesagt.

„Gemeinsam an einem Tisch“ sollte es vom 8. bis zum 29. März zum zwölften Mal in der Esslinger Vesperkircheheißen. Die Veranstalter bringen dort unterschiedliche Menschen zusammen. „Einsame und solche, die Familie, Freunde und Bekannte haben; Flüchtlinge; Menschen, die in Armut leben oder die aus anderen Gründen an den Rand geraten sind; Menschen in Wohnungsnot und solche, die spüren, dass die Begegnung mit den übrigen Gästen eine Bereicherung ist, die gut tut“, lautet das Konzept. Die Veranstalter – Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen und Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen – habe die Entscheidung, die Vesperkirche abzusagen, „schweren Herzens“ getroffen, sagte Dekan Bernd Weißenborn. Doch der Schutz der Menschen gehe vor. „Da während der Vesperkirche teilweise mehrere hundert Gäste und Ehrenamtliche auf engsten Raum zusammen sind, möchten wir kein Risiko eingehen.“ Zudem seien im Moment keine weiteren Hygieneschutzmittel mehr zu bekommen, die für die Vesperkirche nötig gewesen wären.

Immerhin: Die für die Vesperkirche geplanten Benefizveranstaltungen sollen wie geplant stattfinden. Die Spenden, die für die Vesperkirche bereits eingegangen sind oder noch eingehen werden, werden für die Vesperkirche 2021 zurückgelegt.

Auch die Wirtschaftmacht sich zunehmen Sorgen. Durch die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus rechnet knapp die Hälfte von rund 500 befragten Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung in der Region Stuttgart bereits jetzt mit negativen Auswirkungen auf ihre Geschäftsergebnisse im Jahr 2020. Etwa 18 Prozent gehen von deutlichen Einbrüchen aus und weitere 27 Prozent erwarten negative Auswirkungen, die sie jedoch als nicht maßgeblich einschätzen. Etwa jeder Zweite kann sich noch kein Urteil bilden. Das sind Ergebnisse einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Des Weiteren melden knapp 36 Prozent der Befragten Schwierigkeiten in ihren Lieferketten, knapp 30 Prozent berichten von Auftrags- und Umsatzrückgängen. Der größte Anteil (etwa 52 Prozent) klagt jedoch über Einschränkungen bei Geschäftsreisen und Messeteilnahmen. Bei fast 15 Prozent der Unternehmen verzögern sich Entscheidungen für Geschäftsaktivitäten und Investitionen.

Ein Krisengespräch fand im Esslinger Rathaus statt, wo Oberbürgermeister Jürgen Zieger seine Dezernenten zusammentrommelte. Nach außen wird zunächst einmal Optimismus verbreitet: Die Verwaltung sei in der Lage, jederzeit bedarfsgerecht zu reagieren. In Esslingen sei noch kein Fall einer Corona-Erkrankung festgestellt worden.

Derweil kommt eine gute Nachricht aus Kirchheim: Die dort untergebrachten Rückkehrer aus China sind weiter infektionsfrei. In einer Woche endet die Quarantäne. Zuvor wird aber bei allen Personen noch mal ein Abstrich genommen, um sicher zu gehen, dass keine Erkrankung vorliegt. Die fünfzehn Personen sind deutsche Staatsbürger und deren Angehörige, die aus der chinesischen Provinz Hubei zurückgekehrt sind und keine Meldeadresse in Deutschland haben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBM) bittet Patienten, die Fragen zum Coronavirus und einer möglichen Erkrankung haben, primär den Patientenservice unter der Telefonnummer 116 117 in Anspruch zu nehmen. Die KVBW weist in einer Mitteilung darauf hin, dass das Robert Koch-Institut das Risiko einer Epidemie in Deutschland nach wie vor für „gering bis mäßig“ einstuft.

Eher gelassen geht die Oldtimer-Messe Retro Classicsauf der Messe Stuttgart damit um, die seit Donnerstag läuft. EZ-Leser hatten sich mit der Frage an die Redaktion gewandt, warum die Messe nicht abgesagt wird. Dazu der Pressesprecher des Landkreises Esslingen, Peter Keck: „Eine Untersagung der Messe wäre zu diesem Zeitpunkt keine angemessene und notwendige Maßnahme gewesen.“ Allerdings haben sowohl Aussteller als auch Besucher der Messe mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu rechnen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: