Die „Montagsspaziergänger“ sind in Nürtingen nicht allein unterwegs. 200 Menschen nahmen diesmal an einer Gegendemonstration teil.
Nürtingen - Zum zweiten Mal hatte am Montagabend das Aktionsbündnis „Nürtingen ist bunt“ zu einer Gegendemonstration zu den sogenannten „Montagsspaziergängen“ durch die Nürtinger Altstadt aufgerufen. Etwa 200 Menschen folgten dem Aufruf zu der ordnungsgemäß angemeldeten Kundgebung. Wie bereits in der Woche zuvor traf der Zug des Aktionsbündnisses auf die unangemeldeten „Montagsspaziergänger“ – insgesamt waren rund 300 Impfgegner, Querdenker und Kritiker der Coronaregeln unterwegs. Zu besonderen Vorkommnissen kam es laut der Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort war, nicht. Auch eine Reiterstaffel war im Einsatz.
Frau entkleidet sich bis auf die Unterhose
In der Vorwoche hatten die Ordnungskräfte den „Montagsspaziergang“ nach einer Runde durch die Stadt aufgelöst, was nicht alle der Teilnehmer akzeptieren wollten. Den markantesten Vorfall lieferte eine Frau ab, die sich laut schreiend bis auf die Unterhose entkleidete, nachdem die Polizei sie aufgefordert hatte, die Kirchstraße zu verlassen.
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Die Initiatoren der Gegendemonstration an diesem Montag zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf . „Wir wollten für Solidarität und eine Stärkung der Demokratie demonstrieren“, sagte Mitorganisator Andreas Bierlein. Angesichts der Teilnehmersteigerung von der ersten Kundgebung mit 60 auf nunmehr 200 Menschen, die friedlich durch die Innenstadt marschierten, sei die Veranstaltung ein voller Erfolg gewesen. Dem Aktionsbündnis gehe es vor allen Dingen darum, dass die „Montagsspaziergänger“ realisierten, mit wem sie da laufen, so Bierlein. Bei dem Zug vor Wochenfrist seien einschlägig bekannte Gesichter aus der rechten Szene des Landes vorneweg marschiert. „Diese Menschen haben ein Interesse, unsere Gesellschaft zu spalten“, sagte Bierlein.
Oberbürgermeister Johannes Fridrich appelliert an Kritiker
Zu Beginn der Kundgebung sprach Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich zu den Teilnehmern. „Zur Meinungsfreiheit gehört eng verbunden die Versammlungsfreiheit, das ist eines der zentralen Grundrechte unserer Demokratie“, sagte der Jurist Fridrich. Um die Meinungsfreiheit zu schützen, müsse ein Organisator Versammlungen jedoch 48 Stunden vorher anmelden: „Sonst ist das eine Straftat. Daher mein Appell an die Montagspaziergänger: Bitte meldet euch an, zeigt Verantwortung, damit alles friedlich abläuft.“ Weitere Redner bei der Gegendemonstration kamen vom Offenen Solidarischen Netzwerk Nürtingen und von Fridays For Future. Die Teilnehmer der Gegendemonstration waren ein gemischtes Publikum, den meisten brannte ein gemeinsames Credo auf der Seele. „Wir wollen den lauten Schreiern endlich mal was entgegenstellen“, sagten Manuela und Gerald Krehn aus Unterensingen.
Weitere Kundgebungen nicht mehr montags?
Vonseiten des Aktionsbündnisses „Nürtingen ist bunt“ ist trotz der wachsenden Teilnehmerzahl noch nicht entschieden, ob die Gegendemonstrationen künftig regelmäßig stattfinden. „Wir wollen eventuell vom Montag weg, um Begegnungen mit den Spaziergängern zu vermeiden“, so Bierlein. Persönlich ziehe er es vor, auf lange Sicht in einen Dialog mit den „Montagsspaziergängern“ zu kommen: „Ich denke nicht, dass das Gros der Leute eine andere Meinung zur Solidarität hat wie wir. Die meisten wissen einfach nicht, mit welchen Menschen sie sich so in einen Hut werfen.“