Das Gesundheitsministerium um Minister Manne Lucha hat nach Informationen der dpa ein Drei-Stufen-Modell entworfen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Seit einiger Zeit sinken die Corona-Zahlen im Land wieder leicht. Gesetzt den Fall, dass der Abwärtstrend weitergeht, hat das Gesundheitsministerium bereits einige Strategien für Lockerungen entworfen.

Stuttgart - Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) muss quasi nur in seine Schreibtischschublade greifen, um zu wissen, wie es bei weiter sinkenden Corona-Zahlen weitergehen könnte. Denn in einem bereits Ende März aufgesetzten Arbeitspapier hat sein Haus schon für bessere Zeiten geplant und ein Szenario für Öffnungsschritte entworfen.

Auf Teile dieses mittlerweile leicht veränderten Papiers könnte die Landesregierung zurückgreifen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den Städten und Kreisen weiter zurückgeht. Mit Blick auf die jüngsten Werte des Landesgesundheitsamtes und des Robert Koch-Instituts (RKI) macht die Regierung Hoffnung auf geöffnete Biergärten oder Hotels in wenigen Wochen.

Weiter hohe Inzidenz-Werte im Land

Allerdings sind die Hürden hoch: Die Inzidenz, also die Zahl der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, muss an mehreren Tagen hintereinander unter dem Wert von 100 liegen. Und es müssen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden. Viele Regionen sind von diesem Wert noch weit entfernt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt zwar sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg gesunken. Sie lag am Dienstag nach Angaben des RKI (Stand 5.08 Uhr) aber noch bei 141,4, in Baden-Württemberg nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sogar bei 173,1 (Stand Montag, 16.00 Uhr).

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) entwarf am Dienstag in Stuttgart ein erstes Szenario vor allem für das Leben vor den Türen. „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko im Faktor 20 geringer“, sagte er. „Wenn man das nochmal verbindet mit einer entsprechenden Teststrategie, mit der Vorlage des Impfausweises, wenn man voll geimpft ist, dann kann man da schon Schritte in diese Richtung machen.“

Der Plan: ein Drei-Stufen-Modell

In der aktuellen Öffnungsstrategie, die der Deutschen Preese-Agentur vorliegt, entwirft das Gesundheitsministerium ein Drei-Stufen-Modell. Liegt die Inzidenz an fünf Tagen stabil unter 100, könnten Einzelhandel, Außengastronomie und die Außenbereiche von Zoos und Botanischen Gärten demnach ebenso öffnen wie Autokinos, Archive, Bibliotheken, Bäder und Badeseen, Galerien, Museen und Gedenkstätten sowie Hotels.

Fällt die Inzidenz laut Papier auch zwei Wochen später weiter, könnte in einer zweiten Stufe Musik- und Kunstschulen mit einer begrenzten Besucherzahl ebenso eine Perspektive gegeben werden wie Messen, kontaktarmem Sport in Hallen, Theatern, Opern und Orchestern, Kinos, aber auch Restaurants. Zwei weitere Wochen später wären dann in einem dritten Schritt Veranstaltungen mit größerer Besucherzahl wie zum Beispiel Theater- und Konzertaufführungen, Messen und Großveranstaltungen sowie Freizeitparks und Hallenbäder an der Reihe.

Nach dpa-Informationen will das Sozialministerium diesen groben Entwurf am Mittwoch unter anderem in Gesprächen mit Verbänden, dem Städte- und Gemeindetag, aber auch den Museen und der Leitung des Europaparks (Rust) beraten. Danach sollen die notwendigen Änderungen noch vor den Pfingstferien in der Corona-Verordnung formuliert und vom Kabinett beschlossen werden.

Kretschmann dämpft Hoffnung auf Reisen

Allerdings dämpfte Ministerpräsident Kretschmann die Hoffnung vieler Menschen auf baldige Reisen. „Das sehe ich erstmal nicht. Dazu müssten die Inzidenzen drastisch runtergehen, bevor wir sowas ins Auge fassen können“, sagte der Grünen-Politiker der dpa. Wegen der immer wieder neu auftretenden Mutanten sei die Lage noch unsicher.

Es sei zu früh, wegen der leicht sinkenden Zahlen von einer Trendwende zu sprechen. Zudem gehöre Reisen zu den „ganz problematischen Dingen, weil das Virus wird ja verbreitet durch Reisen“, es sei durch Reisen überhaupt erst auf der ganzen Welt verbreitet worden. „Da ist große Vorsicht geboten.“

Markus Söder will lockern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat am Dienstag bereits Fakten für den Freistaat geschaffen. Nach monatelangen strikten Corona-Beschränkungen will das Bundesland ab kommenden Montag stufenweise Lockerungen einleiten. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 dürfen ab 10. Mai die Außengastronomie - und zwar bis 22.00 Uhr -, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen. Zu Beginn der Pfingstferien am 21. Mai soll regional auch Tourismus wieder möglich sein.

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Allerdings weist Bayern eine Sieben-Tage-Inzidenz von lediglich etwa 141 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen auf. In Baden-Württemberg lagen dagegen zuletzt nur 6 der 44 Stadt- und Landkreise unter einer 100er-Inzidenz (Stand: Montag, 16.00 Uhr) - die Kreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und Lörrach, der Main-Tauber-Kreis sowie die Städte Heidelberg und Freiburg.

26 weitere Kreise und Städte überschritten sogar den Wert von 165. Wenn dieser Schwellenwert drei Tage hintereinander überschritten ist, müssen gemäß der Bundes-Notbremse die Schulen schließen.

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