Die Wirtschaft in der EU wird unter Corona stark leiden. Foto: dpa/Michael Kappeler

Die EU-Kommission in Brüssel warnt, dass die Corona-Krise aus Sicht der Wirtschaft noch schlimmer werden kann als gedacht – vor allem für südliche Länder.

Brüssel - Die Volkswirtschaft in allen Ländern der EU wird 2020 durch die Folgen der Corona-Pandemie tief in die roten Zahlen gedrückt. Gegenüber der Prognose der EU-Kommission aus dem Herbst wurden jetzt die Annahmen zum Wirtschaftswachstum um neun Prozentpunkte nach unten revidiert. Die EU-Kommission geht nun davon aus, dass in der Euro-Zone die Wirtschaft 2020 um 7,75 Prozent schrumpft.

Im Folgejahr wird es keine komplette Erholung geben, man rechnet für 2021 mit einem Wachstum von 6,25 Prozent. In der gesamten EU wird für 2020 mit einem Minus von 7,5 Prozent gerechnet und mit einem Plus von sechs Prozent im Jahr 2021.

Griechenland stark betroffen

Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis machte deutlich, dass es noch schlimmer kommen könnte: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nur ansatzweise erahnen, wie schwer der symmetrische Schock für die Wirtschaft in der EU sein wird.“ Die Prognose unterstellt, dass im Mai die Kontaktbeschränkungen allmählich wieder aufgehoben werden.

Sollte die Pandemie länger wüten als angenommen, werde die Rezession noch härter ausfallen. Es gebe zudem große Gefahren, dass der Binnenmarkt Schaden nehme, die internationalen Lieferketten und Arbeitsteilung könnten leiden. Zudem stehe im Raum, dass bei einem ungeregelten Ausscheiden Großbritanniens aus dem Binnenmarkt Ende des Jahres zusätzlich Zölle den Handel behindern.

Die Rezession treffe die Mitgliedstaaten mit unterschiedlicher Wucht. Länder, die stark vom Tourismus abhängen, litten besonders: Griechenlands Wirtschaftsleistung werde dieses Jahr um 9,75 Prozent sinken, Italiens um 9,5 und Spaniens um 9,4. Polen hat mit einem Minus um 4,3 Prozent die günstigste Prognose. Deutschland liegt bei minus 6,5 Prozent in diesem Jahr und einem Plus von 5,9 Prozent im nächsten.

Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone werde im Schnitt von 7,5 Prozent 2019 auf 9,5 Prozent 2020 zunehmen und dann 2021 wieder leicht auf 8,5 Prozent sinken. In der ganzen EU liegen die Werte leicht darunter. Vor allem Länder, in denen viele Menschen im Tourismus und in Kurzarbeitsverhältnissen beschäftigt sind, seien betroffen. Der Preisdruck lässt wegen der sinkenden wirtschaftlichen Tätigkeit massiv nach.

Die Schulden werden steigen

Für die Euro-Zone wird für 2020 mit einer Inflation von 0,2 Prozent gerechnet, für 2021 mit 1,1 Prozent. In der gesamten EU liegt der Wert leicht darüber. Wegen der Rettungspakete, die die Regierungen aufgelegt haben, wird die Verschuldung der Mitgliedstaaten massiv steigen. In der Euro-Zone wird das durchschnittliche Haushaltsdefizit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung von 0,6 Prozent 2019 auf 8,5 Prozent 2020 wachsen. Deutschland kam hier 2019 auf ein Plus von 1,4 Prozent und erwartet 2020 auf ein Minus von sieben Prozent.

Am heftigsten wird das ohnehin schon hoch verschuldete Italien in die roten Zahlen gehen. Hier wird mit einem Minus von 11,1 Prozent in diesem und von 5,6 Prozent im nächsten Jahr gerechnet. Spanien kommt auf minus 10,1 Prozent in diesem Jahr und minus 6,7 Prozent im nächsten.

Auch Frankreich wird auf minus 9,9 Prozent in diesem Jahr und minus vier Prozent im kommenden abrutschen. Die Staatsschuld Griechenlands steige auf 196 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, die Vergleichswerte von Italien liegen bei 159 und von Spanien bei 115 Prozent. Deutschland kommt auf 75 Prozent.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: