Ein Arzt hält in einer Hausarztpraxis einen Tupfer für einen Coronatest-Abstrich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Foto: dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen an einem Tag steigt erstmals seit Mai wieder über 1000. Vom Reden über eine «zweite Welle» hält Gesundheitsminister Spahn nichts, er ruft aber zur Wachsamkeit auf.

Berlin - Zum ersten Mal seit dem 7. Mai hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag wieder mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appellierte angesichts der Zahlen an die Bürger, die Hygieneregeln einzuhalten.

"Bleiben wir wachsam, halten wir die Regeln ein." Wo das Virus eine Chance habe, breite es sich aus, sagte er am Donnerstag in Berlin. Gleichzeitig ordnete der CDU-Politiker die geplanten Pflichttests für Reiserückkehrer aus internationalen Risikogebieten an. Die Neuregelung soll ab Samstag gelten.

Städte und Gemeinden in Deutschland zeigen sich unterdessen für den Fall weiter steigender Corona-Infektionszahlen gerüstet. Kommunen und staatliche Einrichtungen seien nach den Erfahrungen der ersten Infektionsfälle deutlich besser vorbereitet, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI 1045 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, wie es am frühen Donnerstagmorgen hieß. Die Schwelle von 1000 war zuletzt im Mai überschritten worden. Dann war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

Zurzeit verzeichne man viele kleinere Ausbrüche bei Familienfeiern etwa oder am Arbeitsplatz. "Die Pandemie ist noch nicht vorbei", sagte Spahn. Jetzt endeten langsam auch die Ferien, viele kämen aus dem Urlaub zurück. Deswegen bestehe die Gefahr, dass die Infektionszahlen weiter stiegen.

Wer aus einem vom RKI gekennzeichneten Risikogebiet kommt, musste sich bisher direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden oder ein negatives Testergebnis vorlegen, das höchstens 48 Stunden alt ist. Ab Samstag gilt für diese Reisenden nun: Wer einen solchen Test nicht vorweisen kann, muss ihn in Deutschland innerhalb von 14 Tagen nachholen.

Spahn sagte am Donnerstag auch, dass die erhöhten Infektionszahlen teilweise mit der Ausweitung an Testkapazitäten zu tun hätten. "Ein Teil der gestiegenen Zahlen, die wir jeden Tag sehen, hat auch damit zu tun, dass wir mehr positive Fälle, mehr Infizierte tatsächlich entdecken und das ist auch gut, weil es uns hilft Infektionsketten zu unterbrechen." Die Frage, ob man in einer zweiten Welle sei oder ob sie komme, halte er für wenig zielführend, wenn sie "nur in dieser Überschrift geführt" werde.

Städte, Gemeinden und Landkreise sehen sich im Vergleich zum Frühjahr weit besser aufgestellt. Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Landsberg, verwies auf den Ausbau von Laborkapazitäten für Corona-Tests und Schutzmaterialien, die in "großem Umfang" mithilfe des Bundes und der Länder beschafft worden seien. Kommunen, Krankenhäuser und Arztpraxen seien wesentlich besser ausgestattet. Zu Krisenbeginn waren etwa Mund-Nasen-Masken Mangelware.

Nach Mecklenburg-Vorpommern startete am Donnerstag Hamburg als zweites Bundesland in das neue Schuljahr. Auch in der Hansestadt gelten verschärfte Bedingungen in den Schulen: Alle Schüler, Lehrer und Besucher müssen beim Betreten des Schulgeländes einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Abgenommen werden darf er erst am Platz in der Klasse. Von der Maskenpflicht befreit sind Grundschüler bis zehn Jahre.

In der kommenden Woche beginnt das Schuljahr unter ähnlichen Bedingungen auch in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In NRW allerdings müssen ältere Schüler die Maske auch im Unterricht tragen.

Schülervertreter brachten mit Blick auf das neue Schuljahr einen Notenbonus für den Fall von coronabedingtem Unterrichtsausfall ins Gespräch. Das neue Schuljahr werde definitiv kein normales Schuljahr werden, sagte Torben Krauß, Sprecher der Bundesschülerkonferenz, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). "Sollte es zu Unterrichtsausfall kommen, wäre es eine mögliche Lösung, den betroffenen Schülern einen Nachteilsausgleich zu geben."

© dpa-infocom, dpa:200806-99-61665/5

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