Der ehrenamtliche Sanitäter Martin Grau nimmt bei einem Esslinger Bürger einen Nasenabstrich. Foto: Robin Rudel

Seit Anfang der Woche kann sich in Esslingen jeder auf Corona testen lassen, auch wenn es keinen Anlass dafür gibt. Möglich macht es das neue Schnelltestzentrum in der Plochinger Straße.

Esslingen - Jeder Coronatest könnte potenziell eine Infektionskette unterbrechen. Zu viel testen könne man deshalb gar nicht, sagte der Erfinder des „Böblinger Modells“, Björn Schittenhelm, bei der offiziellen Eröffnung des Schnelltestzentrums in der Plochinger Straße 91.

Betrieben wird das Testzentrum von der Esslinger Rosenau-Apotheke und dem DRK-Ortsverein Esslingen. Ebenfalls beteiligt sind daran die Apotheke im Lammgarten, die Apotheke am Theater, die Schelztor-Apotheke sowie die Bären-Apotheke. Doch auch andere Apotheken und Hausärzte in der Stadt und im Kreis bieten mittlerweile Corona-Schnelltests an, darunter beispielsweise die Apotheke im Neckar-Center.

Angenehmer als bisherige Tests

In der Plochinger Straße allerdings soll im großen Stil jeder getestet werden, der keine Krankheitssymptome hat. „Wenn es richtig rund geht, zielen wir auf 120 Tests in der Stunde ab“, sagte Christof Mühlschlegel, der Geschäftsführer der Rosenau-Apotheke. Seit Montag ist das Testzentrum offiziell geöffnet. Der Start sei „verhalten“ gewesen, was man aber begrüßt habe. So habe man gewisse „Kinderkrankheiten“ im System erkennen und ausbügeln können, so Mühlschlegel. Bisher habe man bei den Tests, die ohne konkreten Anlass gewünscht wurden, noch keine positiven Ergebnisse gesehen.

Kostenlos sind die Tests für Lehrkräfte und Angestellte in Kindertageseinrichtungen. Seit Beginn der Woche bis zum Beginn der Osterferien haben diese Gruppen Anspruch auf zwei Schnelltests pro Woche. „Wir hoffen, dass die Tests gut angenommen werden“, sagte Schulamtsleiter Bernd Berroth. Aktuell müsse man teilweise aber noch Überzeugungsarbeit leisten. Dabei seien die in Esslingen verwendeten Schnelltests nicht mehr so unangenehm wie bisherige Tests. „Wir haben die neue Generation von Tests mit nach Esslingen gebracht, bei der das Stäbchen nicht mehr so tief in den Nasen-Rachen-Raum geschoben werden muss“, so Schittenhelm. Die Genauigkeit sei von den herkömmlichen Schnelltests nicht zu unterscheiden.

Ergebnis direkt aufs Smartphone

Auch Menschen, die in Heilberufen oder direkt am Menschen arbeiten, haben Anspruch auf Schnelltests. Sie können über die Krankenversicherung abgerechnet werden. Darüber hinaus werden auch „anlassbezogene Tests“ – beispielsweise bei berufsbedingten Reisen oder bei einem Coronafall in der Umgebung – durchgeführt. Hierfür werden die Kosten aber noch nicht übernommen. Das Esslinger Zentrum vermeidet, wo möglich, den Kontakt mit den Besuchern. So werden Termine im Zwei-Minuten-Takt über die Webseite www.corona-schnelltest-esslingen.de vergeben. Die Testwilligen bekommen einen Code, mit dem sie das Zentrum aufsuchen und sich ausweisen können. Dann geht es in eine von drei Kabinen, von wo aus der Test in einem separaten Raum durchgeführt wird. Das Ergebnis erfährt man nach 15 Minuten mit einem Klick auf eine zugehörige App. Im Notfall kann man aber auch persönlich in der Bären-Apotheke einen Termin ausmachen.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger begrüßte das Angebot des Zentrums, auch weil es mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei. Bereits um Weihnachten herum habe man das Thema Schnelltestzentrum an ihn herangetragen. Er habe den Kontakt zum Landrat vermittelt, da die Eröffnung eines solchen Zentrums einer Anordnung bedurft habe. Das sei „wenig erfolgreich“ gewesen. Nachdem beschlossen worden war, dass es für Lehr- und Erziehungspersonal kostenlose Tests geben soll, „habe ich alle Apotheker in der Stadt angeschrieben, die Idee aufzunehmen“, so Zieger. Große Resonanz habe es nicht gegeben, aber langsam zeigten mehr Apotheken Interesse.

Beschränkte Öffnungszeiten

Zieger nutzte die Gelegenheit, um die Informationspolitik von Bund und Land zu kritisieren: „Als Oberbürgermeister erfahre ich abends aus der Tagesschau, welche neuen von Bund und Ländern getroffenen Beschlüsse zur Covid-19-Pandemie bereits am nächsten Tag gelten sollen. Und dies, ohne dass dazu die materiellen Inhalte und die Voraussetzungen zur konkreten Umsetzung der Beschlüsse geklärt und erläutert sind.“ Als Stadtoberhaupt müsse er dennoch den Kopf hinhalten, wenn nicht alles sofort umsetzbar sei. „Das ist ein bundesdeutsches Organisationsversagen, für das ich mich schäme“, sagte Zieger.

Das Esslinger Schnelltestzentrum wird mit ehrenamtlichen Sanitätern des DRK Esslingen betrieben. Um die Anmeldung kümmern sich Apothekenmitarbeiter. Da die DRK-Mitglieder in ihrer Freizeit testen, sind die Öffnungszeiten entsprechend beschränkt. Geöffnet ist montags bis freitags zwischen 17 und 19 Uhr sowie samstags zwischen 10 und 12 Uhr.

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