Wenn Eltern dabei sind, ist ein Coronatest kein Problem. Foto: Roberto Bulgrin

Die Eltern der Grundschule St. Bernhardt in Esslingen haben auf eigene Faust Tests für die Schüler organisiert. So wollen sie den Präsenzunterricht sicherer machen.

Esslingen - Dass die baden-württembergische Landesregierung trotz steigender Infektionszahlen verstärkt Präsenzunterricht in den Schulen anbieten lässt, freut viele Schülerinnen und Schüler – unter Eltern und Lehrern ist dieser Schritt zum Teil umstritten. Tests können für mehr Sicherheit sorgen, doch die wurden von der Politik nicht mit derselben Konsequenz organisiert. Dafür mussten Kultusverwaltung und Kommunen Kritik einstecken.

Auch an der Esslinger Grundschule St. Bernhardt sahen viele Eltern die Anordnungen aus der Landeshauptstadt mit Sorge. Anstatt jedoch nur zu lamentieren, krempelten engagierte Eltern dort die Ärmel hoch und organisierten in der vergangenen Woche spontan eine eigene Teststrategie. Die ermöglichte es dank zahlreicher Spenden und mit Unterstützung der Esslinger Obertor-Apotheke, die Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche nach dem Neustart je zweimal zu testen. Das Angebot war freiwillig, wurde aber vom Großteil der Jungs und Mädchen gerne angenommen. Und auch wenn die Stadt nun für ausreichende Testmöglichkeiten sorgen will, ist die Mitwirkung der Eltern weiter sehr willkommen.

Elternbeirat springt spontan ein

Diana Wetzel, sie sich im Elternbeirat der Grundschule St. Bernhardt engagiert, blickt auf eine turbulente Woche zurück: „Viele Eltern waren nicht glücklich, dass ihre Kinder trotz steigender Inzidenzzahlen ohne Absicherung in den Regelunterricht zurückkehren sollten. Deshalb haben wir eine Initiative gestartet, um in der ersten Woche auf eigene Kosten eine Testung der Kinder zu organisieren. Dass die Stadt von diesem Montag an nun selbst für Tests sorgen will, freut uns.“

Tatsächlich kam am vergangenen Donnerstag aus dem Rathaus die Nachricht, dass den Esslinger Schulen für die Zeit bis Ende März etwa 23 000 Testkits vom Land finanziert werden. „Die Verwaltung sieht vor, einfache Selbsttests für Schülerinnen und Schüler zu organisieren und diese in Kooperation mit den Johannitern zu verteilen“, hieß es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. So sollen bis zu 5400 Kinder im Präsenzunterricht auf freiwilliger Basis zweimal die Woche getestet werden. Dass sich Eltern an manchen Schulen schon vorher engagiert haben und auch weiterhin mithelfen wollen, begrüßt die Stadt.

Herausforderungen bleiben

Auch die engagierten Eltern der Grundschule St. Bernhardt wollen sich weiterhin bei den freiwilligen Coronatests einbringen. Die nötige Erfahrung bringen sie inzwischen mit. „Als der Gedanke aufkam, nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht Coronatests selbst zu organisieren, haben wir große Unterstützung erfahren“, berichtet Diana Wetzel. „Viele haben für die Aktion gespendet, wir mussten neben den Testkits auch Kittel, Schutzschilde, Masken und anderes Zubehör besorgen.“ Rund 5000 Euro haben der Elternbeirat und einzelne Familien dafür bereitgestellt. So konnte in der ersten Woche jedes Kind, das freiwillig mitmachen wollte, getestet werden. Die meisten bekamen Nasenabstrich-Tests, die manchen Kindern als „Nasenbohrertests“ sogar ein bisschen Spaß gemacht hätten. Am Dienstag und Mittwoch kamen Mitarbeiter der Obertor-Apotheke an die Schule, um die aufwendigeren und weniger angenehmen Nasen-Rachenwand-Abstriche anzubieten. „Die Kinder haben super mitgemacht“, berichtet Diana Wetzel. „Bei den Nasen-Rachenwand-Abstrichen waren sie sehr tapfer.“ Dafür, dass die medizinischen Anforderungen erfüllt wurden, sorgten Eltern mit medizinischer Ausbildung – und eine Schülerin, die mit ihrer Mutter ein Video gedreht hatte, das genau zeigt, wie ein Coronatest funktioniert.

Nun sind die Eltern der Grundschule St. Bernhardt erst einmal froh, dass sie sich nicht länger um die Beschaffung von Testkits kümmern müssen. Trotzdem bleiben sie weiterhin bei der Stange. „Wir haben der Schulleitung angeboten, dass wir helfen, wenn in der neuen Woche montags und mittwochs die ganze Schule durchgetestet wird“, erzählt Diana Wetzel. Bei den älteren Klassen klappt das nach ihren Beobachtungen schon sehr gut, bei den Jüngeren sind manche Klassenlehrer noch ganz froh, wenn eine Mutter oder ein Vater zur Hand geht.

Und die nächste Herausforderung wartet bereits: Wenn von Montag an eine Maskenpflicht in Grundschulen gilt, könnte der Elternbeirat erneut gefordert sein. „Wir sind nicht sicher, ob es alle Eltern schaffen, ihren Kindern medizinische oder FFP2-Masken mitzugeben“, sagt Diana Wetzel. „Da müssen wir schauen, was wir tun können.“ Auch dafür bittet der Förderverein der Grundschule St. Bernhardt um Unterstützung.