Das Schutzniveau von Curevac liegt vorläufig bei 47 Prozent, das ist deutlich niedriger als bei den bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Der Impfstoff von Curevac hat in seiner Testphase einen Wirkungsgrad von 47 Prozent. Doch solche Prozentangaben können in die Irre führen. Was die Zahl konkret bedeutet – und wie zum Beispiel Grippeimpfstoffe im Vergleich abschneiden.

Tübingen - Der Impfstoffhersteller Curevac hat vergangene Woche mitgeteilt, sein Corona-Impfstoff habe in der Testphase nur einen Wirkungsgrad von 47 Prozent erreicht. Doch was bedeutet das eigentlich? Die Zahl von Biontech, wonach das Vakzin „Comirnaty“ zu 90 oder gar 95 Prozent wirksam sei, kann man leicht so interpretieren, dass mindestens neun von zehn Menschen durch eine Impfung vor einer Covid-19-Infektion geschützt seien. Die enttäuschende Curevac-Mitteilung könnte man hingegen so verstehen, dass sich trotz einer Impfung mit „CVnCoV“ mehr als die Hälfte angesteckt hätten.

Dass diese Interpretationen nicht greifen, zeigt bereits folgende Rechnung: Wenn durch den Biontech-Wirkstoff 90 von 100 geschützt wären, hieße das, dass sich bei einer Durchimpfung von 83 Millionen Deutschen immer noch 8,3 Millionen anstecken könnten. Sieht so ein hochwirksamer – und als solcher wird „Comirnaty“ weithin gepriesen – Impfschutz aus? Wohl kaum.

Die Prozentzahl bezieht sich auf die Erkrankten

Was mit den prozentualen Angaben zur Wirksamkeit tatsächlich gemeint ist: die relative Reduktion des Risikos. Die Zahlen beziehen sich also nicht auf die Gruppe der Geimpften, sondern auf jene der Erkrankten. Beispielsweise hatte man für eine Studie zum Vakzin von AstraZeneca – durchgeführt in Brasilien, Großbritannien und Südafrika – 11 636 Probanden rekrutiert, von denen 5807 den Impfstoff und 5829 ein wirkungsloses Placebo erhielten.

Eine Woche nach der zweiten Dosis wurden dabei insgesamt 131 Infektionen mit mindestens einem typischen Covid-19-Symptom nachgewiesen, die sich auf 101 in der ungeimpften und 30 in der geimpften Gruppe verteilten. Der Anteil der Erkrankten verringerte sich also von 101/5829 auf 30/5807, was rund 70 Prozent entspricht.

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Am einfachsten ist aber die Wirksamkeit zu berechnen, wenn man einen gemeinsamen Nenner nimmt, wie etwa 1000 Personen. Bei dem AstraZeneca-Beispiel kämen dann 17 Erkrankte auf 1000 Nicht-Geimpfte und fünf auf 1000 Geimpfte. Die Wirksamkeit berechnet sich hier als (17 – 5)/17, und das muss man dann noch mal 100 nehmen, um auf die Prozentzahl zu kommen.

Die Wirksamkeit reicht für eine Zulassung der EMA nicht aus

In der Zwischenauswertung von Curevac wurden bislang 134 Krankheitsfälle berücksichtigt. Weitere Daten sollen folgen, doch Experten erwarten nicht, dass sich dadurch die Wirksamkeit wesentlich verbessern wird. Das Schutzniveau ist mit 47 Prozent deutlich niedriger als bei den bisher zugelassenen Impfstoffen. Es liegt auch unter der 50-Prozent-Marke, die von der Europäische Arzneimittelagentur (EMA) als Mindestwert für eine Zulassung angesetzt wird.

Curevac hofft, in der weiteren Datenauswertung doch noch die 50er-Grenze überschreiten zu können. Man wäre dann bei einer ähnlichen Wirksamkeit wie bei einer durchschnittlichen Grippeimpfung angekommen, die ja schon seit Längerem zum Impfstandard hierzulande gehört. Obwohl es bei Grippeimpfstoffen durchaus vorkommt, dass sie – je nach Saison – nicht mal annähernd das 50er-Niveau erreichen. So lag im Winter 2018/2019 ihre Wirksamkeit gerade mal bei 21 Prozent. In der Ü-60-Generation waren es vier Prozent, was man kaum noch als Impfschutz bezeichnen kann.

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