Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat im Alleingang einen Vorvertrag mit Russland abgeschlossen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sichert sich im Alleingang über einen Vorvertrag den russischen Impfstoff. Das ist unsolidarisch, kommentiert Norbert Wallet.

Berlin - Rein sachlich ist die Ankündigung Markus Söders, dass sich Bayern über einen Vorvertrag den russischen Impfstoff „Sputnik V“ gesichert hat, nicht besonders wichtig. Der Impfstoff ist in der EU noch nicht zugelassen. Dazu fehlen noch zu viele Daten. Ob sie überhaupt kommen, ist durchaus offen. Bis Sputnik eingesetzt werden könnten, dürften die anderen Impfstoffe längst in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Deshalb ist abseits der tatsächlichen Relevanz der Ankündigung zweierlei wichtig:

Impfstoff-Beschaffung ist aus guten Gründen Sache des Bundes

Erstens ist die Impfstoff-Beschaffung bislang aus guten Gründen Sache des Bundes. Bei den bisherigen Impfstoffen hat die EU die Aufgabe übernommen. Da sie im Falle Sputnik zunächst nicht in Verhandlungen mit Moskau tritt, ist die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Spahn richtig, bilaterale Gespräche zu führen. Das ist allemal besser und billiger als ein Wettlauf von 16 Bundesländern um die Gunst einer russischen Gabe. Dass Bayern hier im Alleingang vorprescht, ist aber unsolidarisch. Der Sonderweg wird ausgerechnet von dem Ministerpräsidenten unternommen, der sonst so gerne in der Corona-Politik einheitliche Lösungen fordert. Deshalb zeigt der ganze Vorgang – zweitens – nur, dass Söder für seine Image-Werbung vieles tut.