In den Medius Kliniken befinden sich derzeit 74 Corona-Patienten. Foto: oh

Die Kliniken im Kreis Esslingen arbeiten am Anschlag. Eine Anmeldung für die Kreisimpfzentren ist derzeit noch nicht möglich.

Kreis Esslingen - In den Medius Kliniken ist die Lage angespannt. „Kapazitätsmäßig sind wir am Anschlag“, sagt Unternehmenssprecherin Iris Weichsel. 74 Corona-Patienten seien aktuell in den drei Krankenhäusern untergebracht. 19 davon befinden sich auf der Intensivstation, wovon wiederum 14 invasiv beatmet werden müssen. Am Dienstag sei mit 77 Patienten der bisherige Höchststand der zweiten Welle gemeldet worden, berichtet Weichsel. Dass dies bereits eine Folge der Weihnachtsfeiertage sein könnte, bezweifelt sie. „Erfahrungsgemäß sind Symptome einer Corona-Infektionen meist erst nach etwa einer Woche so drastisch, dass ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig ist“, sagt Weichsel. Sollte es eine „Weihnachtswelle“ an Erkrankten geben, würde sich diese wohl erst Mitte Januar bemerkbar machen. „Darauf hoffen wir natürlich nicht. Die Lage ist jetzt schon angespannt genug.“

Bald Impfstart in den Heimen

Das Klinikum Esslingen hat derzeit 34 Corona-Patienten, wovon acht auf der Intensivstation liegen, wie eine Mitarbeiterin des Klinikums mitteilte. Eine Hoffnung für die Corona-Lage versprechen die Impfungen, die am vergangenen Sonntag europaweit und auch in Baden-Württemberg angelaufen sind. Für die Zentralen Impfzentren (ZIZ) in Stuttgart, Ulm, Tübingen, Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Offenburg und Rot am See kann man per Telefon 116 117 oder unter www.impfterminservice.de einen Termin ausmachen. Für die kommenden sechs Wochen sind die Termine in den ZIZ jedoch ausgebucht, sagt Pascal Murmann, ein Sprecher des Sozialministeriums. Es könne sein, dass durch Absagen kurzfristig Kapazitäten frei werden. Sobald mehr Impfstoff geliefert werde, könnten mehr Termine angeboten werden. Ab dem 15. Januar sollen die Kreisimpfzentren den Betrieb aufnehmen. Eine Anmeldung ist zurzeit noch nicht möglich, sagt Andrea Wangner, die Pressesprecherin des Esslinger Landratsamtes. Das liege daran, dass noch nicht klar sei, wie viele Impfdosen der Landkreis erhält.

Fünf mobile Impfteams beginnen am 1. Januar mit den Impfungen in den Städtischen Pflegeheimen Esslingen. In das ­Pflegeheim Obertor kommen zwei Impfteams, je ein Impfteam fährt die Heime Hohenkreuz, Oberesslingen, und Pliensauvorstadt an. Nicht geimpft werden Bewohner und Mitarbeiter, die sich bereits mit dem Coronavirus infiziert haben. Das Pflegeheim Berkheim, in dem es Corona-Ausbrüche gab, wird vorerst ausgenommen. Daneben stehen die Gesundheitsämter mit der Kontaktverfolgung vor einer großen Herausforderung, wie ein Beispiel aus Reichenbach zeigt. Die 91-jährige Helma Beer-Trieb hatte am 17. Dezember Kontakt mit einer infizierten Person und hätte sich dementsprechend in Quarantäne begeben müssen. Davon wusste die Seniorin jedoch nichts. Das Schreiben vom Landratsamt wurde zwar am 23. Dezember verfasst, erreichte sie jedoch erst am 28. Dezember, als die zehntägige Quarantäne schon abgelaufen war. „Zum Glück ist nichts passiert, da meine Mutter nicht infiziert wurde. Aber wie wäre die Situation ausgegangen, hätte sie sich angesteckt und sich frei bewegt“, fragt sich ihr Sohn Thomas Beer. Seine Mutter sei mobil, verbringe Zeit in der Stadt und würde mit dem Bus fahren. Vermutlich habe sie beim Zahnarzt Kontakt zu einem Infizierten gehabt.

Lange Rückverfolgungskette

Für Beer ist es unverständlich, warum das Gesundheitsamt seine Mutter nicht telefonisch kontaktiert habe. Ihre Nummer stehe im Telefonbuch und sie habe ihre Daten auch beim Zahnarzt hinterlassen. Das Gesundheitsamt habe ihm mitgeteilt, man habe Frau Beer-Trieb eine E-Mail geschrieben. „Meine Mutter hat aber keinen Mail-Account“, wundert sich Beer. Zu dem konkreten Fall äußert sich Andrea Wangner nicht. Grundsätzlich müssten Infizierte eine Liste mit allen Personen erstellen, mit denen sie in den letzten fünf bis sieben Tagen Kontakt hatten, erklärt sie. „Die müssen dann erst mal überlegen, wo sie in letzter Zeit waren und mit wem sie Kontakt hatten“. Es sei eine lange Kette, die das Gesundheitsamt verfolgen müsse. Dann würden die Mitarbeiter versuchen, die Kontakte telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Klappe das nicht, informiere das Gesundheitsamt die Betroffenen mit einem Brief. Wegen der Feiertage sei es möglich, dass Briefe länger unterwegs gewesen seien, sagt Wangner.

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