Mitte Juni soll es losgehen mit der Corona-App. Imago Foto: imago images/Mario Aurich

Israel und Island waren im Vergleich mit der Bundesrepublik viel schneller dran mit der Corona-App. Das heißt aber noch nicht viel, denn manchmal gibt es Fehlalarm – und überhaupt fragt sich: Wie viele Kunden muss man haben, dass die Zahlen aussagekräftig sind?

Stuttgart - Andere Länder haben sie längst: Eine Applikation für Smartphones. „Wir haben ein Stück länger gebraucht“, räumt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) denn auch ein. Dafür bekämen die Bundesbürger nun ein „ziemlich rundes Produkt“, das den Datenschutz beachte.

In Island können die Bürger schon seit Anfang April eine Corona-App installieren. Und das haben fast 40 Prozent der Isländer auch getan, womit diese App nach Angaben der „Technology Review“ des Massachusetts Institut für Technology die weltweit meist verbreitete App zur Nachverfolgung von Covid-19-Infektionen ist. Wie viel Prozent der Bürger eines Landes die App nutzen sollten, damit sie einen wirksamen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leistet, ist nicht eindeutig geklärt. Schätzungen gehen von Werten von etwa 60 Prozent aus. Und diese Verbreitung schafft nicht mal Island. Kein Wunder, dass Spahn immer wieder betont, dass eine App kein Allheilmittel ist.

Das weltweit erste Land, das eine App zur Kontakt-Nachverfolgung vorlegte, war Singapur. Zunächst fand sie großen Zuspruch, der dann abflaute, so dass derzeit etwa 25 Prozent der Einwohner die App nutzen. Der Vorsprung änderte nichts daran, dass Singapur Ende April einen massiven Corona-Ausbruch verzeichnete: In einer Unterkunft für Wanderarbeiter war es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen gekommen. Das könnte auch daran liegen, dass diese Arbeiter nicht die Mittel haben, um sich ein Smartphone zu kaufen.

Die GPS-Daten sind nicht durchgängig genau

In Israel nutzen nach Angaben der „Times of Israel“ etwa 1,4 Millionen Bürger die App des Gesundheitsministeriums, die Ende März an den Start ging. Sie basiert auf GPS-Daten, das heißt, sie gibt einem Nutzer einen Hinweis, dass er infiziert sein könnte, wenn er in der Nähe einer Person war, die positiv getestet worden ist. Weil die GPS-Daten nicht durchgängig genau sind, kam es in Israel zu vielen Fehlalarmen. Das Ministerium betont aber, dass man trotzdem einige Tausend Personen ausgemacht habe, die in der Nähe von Infizierten gewesen seien. Diese Personen seien in Quarantäne gegangen, wobei es für viele dieser Personen laut „Times of Israel“ schwierig gewesen ist, einen Corona-Test zu bekommen. Aktuell kämpft das Land mit einer deutlichen Zunahme der Neuinfektionen.

Nur wenige Österreicher nutzen die App – warum?

Frankreich hat sich bei seiner App für die Bluetooth-Technik entschieden, wie sie in Deutschland vorgesehen ist. Allerdings funktioniert die französische Anwendung mit einer zentralen Datenspeicherung und unterscheidet sich damit von dem Berliner Ansatz. Die App „Stop Covid“, die Anfang Juni veröffentlicht wurde, haben sich in Frankreich seither mehr als eine Million Bürger auf ihr Smartphone geladen. Die österreichische App, die vom Roten Kreuz entwickelt worden war, erlaubte anfangs auf Google-Geräten keine automatische Kontakte-Ermittlung. Das könnte erklären, warum nur wenige Österreicher sie nutzten. Dazu trug aber auch bei, dass die Regierung in Wien den Eindruck entstehen ließ, dass die App verpflichtend sei. Großbritannien hingegen ist bis heute weit von der landesweiten Nutzung einer App entfernt.

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