Nicht nur ein flexibler Arbeitsort, auch die Werte eines Unternehmens sind vielen Arbeitnehmern wichtig. Foto: imago images/Cavan Images

Ist ein Unternehmen nicht glaubhaft nachhaltig, sind die Arbeitnehmer oft bereit zu kündigen, zeigen Umfragen. Was dahintersteckt und was das in Zeiten des Fachkräftemangels bedeutet.

Klimawandel und Umweltschutz sind die größten Sorgen der jungen Generationen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Deloitte versuchen 90 Prozent der Millenials (Jahrgänge 1983 bis 1995) und der Generation Z (Jahrgänge ab 1995), ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern, und fast 80 Prozent wünschen sich laut einer Stepstone-Umfrage, dass das auch der Arbeitgeber macht. Das Gehalt spielt dagegen nur für weniger als ein Viertel eine zentrale Rolle. Aber nur 16 Prozent der Millenials und elf Prozent der Generation Z glauben, dass Arbeitgeber es ernst meinen mit dem Kampf gegen den Klimawandel. Und das kann für Arbeitgeber zum Problem werden.

Arbeitnehmer können Druck auf Unternehmen ausüben

„Eine Ära des Conscious Quitting ist auf dem Weg“, sagte der frühere Unilever-Chef Paul Polman. Conscious Quitting, also bewusstes Kündigen, bedeutet: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schmeißen ihren Job, wenn sie in ihren Unternehmen Werte wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und gute Unternehmensführung (ESG) nicht vertreten sehen. „Firmen, die nicht mit der Zeit gehen und diese Anforderungen erfüllen, werden ihre Leute davonziehen sehen“, sagte Jeremy Campbell, der Geschäftsführer der Beratung Black Isle Group, gegenüber dem US-Magazin Fortune. „Sie werden die Verlierer am Markt sein.“ Und: „Sie müssen den Planeten ernsthaft vor den Profit stellen.“

Conscious Quitting ist nicht der erste Trend am Arbeitsmarkt rund um junge Arbeitnehmer. Es gab schon Quiet Quitting, das stille Kündigen, bei dem man zwar im Job bleibt, aber nicht mehr macht als unbedingt nötig. Oder Career Cushioning, also Karrierepolstern – man hält sich weitere Berufsoptionen warm, man kennt das sonst eher von Dating-Portalen wie Tinder.

Aber gerade in Zeiten des Fachkräftemangels hat sich etwas geändert: Arbeitnehmer haben einen Hebel, den sie vorher nicht hatten. Sie können Forderungen stellen und es sich leisten, Jobs abzulehnen. Eine Umfrage aus Großbritannien zeigt, dass vor allem junge Menschen das auch tun. Jeder Fünfte sagte in einer Umfrage von KPMG, ebenfalls ein Beratungsunternehmen, schon mal einen ausgeschlagen zu haben, weil die Werte des Unternehmens nicht zu den eigenen gepasst haben. Bei den 18- bis 24-Jährigen war das sogar jeder Dritte.

Das Bewusstsein ist da, die Umsetzung scheitert oft

Für Deutschland gibt es keine solche Umfrage, aber: „Vieles der Studien lässt sich auf Deutschland übertragen“, sagt Valérie Hutterer, Leiterin der AXA Climate School in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die AXA Climate School unterstützt Firmen bei einer nachhaltigen Transformation.

Aber sind sich Unternehmen bewusst, was von ihnen im Bereich Klima und soziale Gerechtigkeit erwartet wird? „Die Firmen erkennen das Potenzial“, sagt Hutterer. Kunden würden Nachhaltigkeit fordern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch – so würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wie gelingt das?

„Unternehmen müssen die Werte leben, sich aktiv Nachhaltigkeitsziele setzen und diese auch ehrlich und klar kommunizieren“, sagt Hutterer. Dabei müssten Mitarbeiter das Gefühl haben, sich einbringen zu können. Im Unternehmen müsse es zudem möglich sein, dass sich Initiativen gründen. „Je stärker Mitarbeitende einbezogen werden, desto größer ist der Impact.“ Das Bewusstsein für diese Themen sei zwar da, an der Umsetzung scheitere es noch manchmal, sagt Hutterer.

Wie wird sich Conscious Quitting auf Daimler und Co auswirken?

Gerade Autobauer wie Porsche und Daimler haben es in Sachen Nachhaltigkeit schwer, ein glaubhaft nachhaltiges Image zu vermitteln. Und gerade leistungsstarke Studierende interessieren sich laut Universum Student Survey unter 47 000 Studierenden für umweltbewusstes Handeln bei Firmen. Werden die Unternehmen also Probleme bekommen, Talente zu finden? „Das wird sehr spannend werden“, sagt Hutterer. „Aber ich glaube, dass die Autoindustrie die nachhaltige Transformation schaffen kann.“