So war der Auftritt von Ralf Schmitz in Stuttgart: Bei „Schmitzfindigkeiten“ begeistert der Komiker vor allem, wenn er mit Besuchern interagiert. Einige werden dabei zu Bühnenhelden.
Wer Ralf Schmitz, den quirlig-aufgedrehten Komiker, das schnellsprechende Energiebündel, aus dem Fernsehen kennt, könnte in der Porsche-Arena am Samstagabend zunächst enttäuscht sein. Der Ton bei seinen „Schmitzfindigkeiten“ in der nahezu ausverkauften Halle ist nicht gut abgestimmt, und die Videowand zeigt ihn zwar größer – aber mit leichter Verzögerung. Doch Ralf Schmitz lässt das schnell vergessen, er sucht und findet die Nähe zum Publikum. Nicht nur in den ersten Reihen, er wetzt auch bis zum anderen Hallenende und entlockt Besuchern Dinge, die bis dato vielleicht nicht mal deren Umfeld wusste.
Da ist zum Beispiel der Single Roman, dessen Schwester Lara die gesuchte Traumfrau so umschreibt: „Sie sollte eine angemessene Oberweite haben.“ Das Publikum lacht Tränen, wie Schmitz. Aber nicht über, sondern mit Roman. Bei Ralf Schmitz rücken immer wieder Gäste in den Fokus. Er führt sie nicht vor, sondern bringt sie mit Charme ins Rampenlicht. Der Verkuppel-Versuch mit Singlefrau Sarah, für die Männer „zu wenig Emotionen zeigen“ (Schmitz: „Du suchst also einen, der flennt“), scheitert.
Ralf Schmitz läuft zur Hochform auf, wenn er improvisiert
Das Programm hat feste Bestandteile. Als Prof. Dr. B. Kloppt trinkt sich Schmitz „im Dienste der Schissenwaft“ zunehmend einen Rausch an, oder er zeigt, welch Blödsinn herauskommt, wenn sein sächsischer Freund Kevin Whatsapp-Nachrichten ins Handy spricht und die KI versucht, das in Worte zu fassen. Da wird der Kuss-Emoji zur Kussi Muschi. Kalauer, die überall in der Republik identisch über die Bühne gehen.
Doch Ralf Schmitz läuft besonders dann zur Hochform auf, wenn er improvisiert und mit den Besuchern interagiert. Auch wenn er teils lügt: „Es muss niemand auf die Bühne“, lockt Schmitz. Und dann findet sich ein erwähltes Paar doch oben wieder. Wie Ralf, der Bürgermeister aus Tuningen und seine Frau Gaby, die aus 40 Jahren Ehe berichten. Entlockte Marotten über seinen Sofa-Schlaf, die Touren nach „Schpodorno“ in Italien oder Gabys Erklärung, in der Küche fänden „die beschten Feschde“ statt, werden von Schmitz brillant in einem individuellen Musical umgesetzt. Wobei Gaby und Ralf amüsiert zuschauen dürfen, wie sie von den Singles Sarah und Roman gespielt werden.
Schmitz’ Vision ist erfüllt: „Mir tun die Wangen weh vom Lachen“
Es ist herrlicher Nonsens, wenn Schmitz in einer Geschichte nahtlos zwischen Deutsch und „Schrottisch“ wechselt, sobald Romina aus dem Publikum eine Hupe drückt. Wenn er sich als Marionette wunderbar fremdsteuern lässt oder den Wunsch-Western „Ein Colt und zwei Kanonen“ umsetzt – mit Geräuschen, die die Zuschauerin Susanne liefern darf.
Das Publikum johlt und freut sich mit den Protagonisten aus seinen Reihen, und plötzlich ist es später Abend. Der Alltag ist weit weg. „Mir tun die Wangen weh vom Lachen“, sagt die Nachbarin. Schmitz’ Mission ist erfüllt. Und für Roman, Sarah, Ralf, Gaby und all die anderen Kurzzeit-Stars gibt es ein Foto vom Auftritt als Erinnerung, dazu eine Freikarte fürs nächste Mal: „Wer hier arbeitet, muss nicht zahlen“, erläutert das sympathische Improvisationstalent.