Nach einem Einsatz wegen einer unsachgemäß entsorgten Chemikalie schildert der Kaisersbacher Feuerwehrkommandant den Einsatz. Es wird geprüft, ob die Verursacherin zur Kasse gebeten wird.
Die Hiobsbotschaften überschlugen sich fast in der Nacht zum Freitag: „Gefahrgut-Unfall in Kaisersbach“, hieß es im Nachrichtenticker, die Polizei vermeldete eine stationär ins Krankenhaus eingelieferte Hausbewohnerin und insgesamt zwölf verletzte Einsatzkräfte der Feuerwehr. In einem mit Bauschutt befüllten Container war es zu einer chemischen Reaktion mit ebenfalls in den Abfall geworfenem Wühlmaus-Gift gekommen – das entstehende Gas löste einen Großeinsatz aus dem halben Rems-Murr-Kreis angerückter Rettungskräfte aus.
Tatsächlich zeigt der Vorfall, dass auch im Schwäbisch-Fränkischen Wald mit seinen oft abgelegenen Weilern und eher ländlich strukturierten Teilorten eine offenbar gut geölte Rettungskette existiert. Neben zwei Dutzend Feuerwehrleuten aus Kaisersbach waren in der Nacht zum Freitag die Brandschützer aus Welzheim, Alfdorf, Backnang, Winnenden und Allmersbach vor Ort – mehr als 80 Einsatzkräfte rückten mit insgesamt 20 Fahrzeugen ins Gebiet Täle aus. Außerdem war der Rettungsdienst mit sechs Fahrzeugen und 16 Einsatzkräften im Dienst, alarmiert wurden neben dem Notarzt auch das Umweltamt und zwei Chemiker. Bis vier Uhr in der Früh sperrte die Polizei die an der Unglücksstelle vorbeiführende Kreisstraße komplett für den Durchgangsverkehr.
Der Feuerwehr-Kommandant spricht von einer Vorsorgemaßnahme
Von reihenweise unter Atembeschwerden leidenden Feuerwehrleuten allerdings kann laut dem Kaisersbacher Kommandanten Markus Rader keine Rede sein. Maximal drei Kameraden, einer von ihnen ohnehin von einer Sommergrippe geplagt, hätten von einem „leichten Kratzen im Hals“ berichtet. Dass der vor Ort vertretene Notarzt nach Rücksprache mit dem Chemiker nicht nur die Hausbewohnerin, sondern auch den zuerst an der Einsatzstelle eintreffenden Löschzug stationär in die umliegenden Krankenhäuser in Winnenden, Schorndorf und Mutlangen einweisen ließ, bezeichnet der Feuerwehrchef als eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Konkrete Symptome gab es nicht, das dient nur zur Beobachtung und ist auch gut so“, gab Markus Rader zu Protokoll.
Ausgelöst worden war der Einsatzalarm am Donnerstag um 19.18 Uhr. Die Bewohnerin des betroffenen Hauses hatte aus einem mit Bauschutt gefüllten Container steigenden Rauch bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Die am Einsatzort eintreffende Löschtruppe machte das, was ein Brandschützer bei Qualm nun mal macht: Sie versuchte, das vermeintliche Feuer in dem Container mit Wasser zu löschen – was den Rauch aber nur noch verstärkte. Denn Auslöser für die aus dem Bauschuttberg steigenden Gase waren nicht etwa lodernde Flammen, sondern eine chemische Reaktion mit einem Giftstoff.
Im Bauschutt-Container hat Calciumphosphit nichts zu suchen
Der Hintergrund: Bei Aufräumarbeiten an dem Haus war auch eine alte Metalldose mit Calciumphosphit im Container gelandet. Das früher gern zur Bekämpfung von Wühlmäusen eingesetzte Mittel kam im durchnässten Bauschutt mit der Feuchtigkeit in Kontakt und reagierte – eine unsachgemäße Entsorgung mit Folgen. Der Kaisersbacher Feuerwehr blieb nicht viel übrig, als die Frau aus dem Wohnhaus zu retten, den Einsatzort abzusperren und sich in sichere Entfernung zurückzuziehen. Um die qualmende Chemie kümmern musste sich der mit speziellen Schutzanzügen ausgestattete Gefahrgutzug der Feuerwehr in Winnenden. Gegen 23 Uhr wurde das zur Bindung des Fremdstoffs im Bauschutt benötigte Granulat angeliefert.
Unklar ist bisher, ob die betroffene Frau aus Kaisersbach möglicherweise bei den Kosten für den Großeinsatz zur Kasse gebeten wird. Die Polizei prüft, ob Ermittlungen wegen der unsachgemäßen Entsorgung aufgenommen werden. Laut dem für Baden-Württemberg gültigen Bußgeldkatalog kann schon der Wurf eines Zwei-Liter-Eimers mit Spülmittel oder Farbresten in die falsche Tonne mit Beträgen bis zu 500 Euro geahndet werden. Für die Bewohnerin wäre ein juristisches Nachspiel doppelt hart: Dass der Container mit dem Bauschutt vor der Tür steht, hängt schließlich mit dem vom Starkregen ausgelösten Hochwasser am 3. Juni zusammen, von dem auch das Haus in Kaisersbach in Mitleidenschaft gezogen wurde.