Helge Albers, der Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) will mit einer Checkliste den deutschen Film verbessern. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Klischees und stereotype Rollenbilder in Filmen müssen nicht sein. Davon ist die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein überzeugt. Als erste Filmförderung bundesweit hat sie einen verpflichtenden Diversity-Fragebogen für Filmemacher eingeführt

Hamburg - Die Ehefrau nur am Herd, der Schwarze oder der Rumäne stets verdächtig, der Schwule bloß eine tuntige Witzfigur: in deutschen Filmen kommen Klischees und stereotype Rollenbilder noch immer vor. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) will dem nun einen Riegel vorschieben. Als erste Filmförderung bundesweit hat sie einen Fragebogen zum Thema Diversität entwickelt, den alle Filmemacher ausfüllen müssen, die Fördermittel möchten.

Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure zu sensibilisieren, sagt der FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers: „Mehr Vielfalt filmen und Geschichten erzählen, die sonst ungehört bleiben: Wir wollen unsere vielfältige, multikulturelle Gesellschaft modern und in all ihren Facetten auf der Leinwand sehen.“ Es sei „jetzt höchste Zeit, unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen“.

Abhakliste für Themen

Den Fragebogen gibt es in drei Varianten: in einer für die Entwicklung eines Films, einer für die Produktion und einer für den Verleih. Bei der Entwicklung wird per Abhakliste etwa abgefragt, welche der folgenden Themen vorkommen: Alltag in der dritten Lebensphase; Geschlechterrollen; Hautfarbe bzw. People of Color; Leben mit Behinderung; mehrgeneratives Zusammenleben; Migration und Vertreibung; religiöse oder weltanschauliche Fragen; sexuelle Identitäten; sozioökonomischer Status.

Zu einigen Punkten wird noch einmal konkret nachgefasst: „Kommen bei den Figuren People of Color vor“, wird da etwa gefragt oder auch „Tauchen Figuren mit anderer als heterosexueller Orientierung auf?“ oder auch, noch ein bisschen umständlicher formuliert, „Werden Figuren erzählt, die Menschen mit Behinderung darstellen?“

Heißt diverser auch besser?

Dass da der Verdacht einer Vorabgängelung und eines Drucks auf Filmemacher zur Quotenintegration gesellschaftlicher Gruppen und Problemzonen in den Raum schleicht, scheint den Filmförderern klar zu sein. Darum betont die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann: „Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben. Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können.“ Der Filmförderung gehe es bei Förderentscheidungen immer um die Qualität der Stoffe. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige: Je diverser ein Film sei, desto besser sei er meist auch.

Für FFHSH-Geschäftsführer Albers ist die „Diversity Checklist“ ein wichtiger erster Schritt, dem weitere Aktionen folgen müssen. Die FFHSH selbst hat zuletzt eigenen Angaben zufolge ihre Fördergremien geschlechtergerecht und diverser besetzt. Vor einigen Jahren hatte die Filmförderung bereits mit dem grünen Drehpass in der Branche Maßstäbe gesetzt und die Filmemacher für umweltbewusstere Dreharbeiten mit einem grünem Label belohnt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: