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Das Unternehmen CeramTec aus Plochingen stellt Keramikkomponenten her, die in Beatmungsgeräten verbaut werden. Die besonderen Eigenschaften des Materials helfen dabei, Leben zu retten.

Plochingen - Sie kommen zum Einsatz, wenn bei Covid-19-Patienten besonders schwere Symptome auftreten. Das Virus kann die Lungen befallen, einige Infizierte müssen künstlich beatmet werden, damit sie am Leben bleiben. Deshalb werden zurzeit extrem viele Beatmungsgeräte gebraucht. Die Firma CeramTec mit Hauptsitz in Plochingen macht die Produktion dieser Lebensretter möglich. Das Unternehmen stellt Keramik-Komponenten für verschiedenste Branchen her – auch in den Respiratoren, wie die Beatmungsgeräte genannt werden, sind Teile aus dem Spezialmaterial verbaut.

Es lässt sich nur schwer eingrenzen, in welchen Bereichen die Hochleistungskeramik von CeramTec eingesetzt wird. Denn das Portfolio der Firma umfasst insgesamt mehr als 10 000 verschiedene Produkte, Komponenten und Teile. „Wir sind Zulieferer für sehr viele Branchen“, erklärt Unternehmenssprecher Christoph Hermes. „Wir stellen Teile für die Automobilindustrie, für Elektronik und Maschinenbau her.“

Auch in Alltagsgegenständen

Man stößt aber auch bei alltäglichen Gegenständen immer wieder auf die Produkte von CeramTec. Zum Beispiel in Smartphones oder Kaffeeautomaten, in deren Bohnenmalwerk Keramikteile verbaut sind. Ein besonders wichtiger Abnehmer ist jedoch die Medizintechnik.

Die große Herausforderung während der Corona-Krise bestehe laut CeramTec darin, schnellstmöglich zusätzliche Beatmungsgeräte zur Verfügung zu stellen. Und die müssen mittlerweile ziemlich viele Dinge können. So sind in modernen Modellen auch Zerstäuber eingebaut. Der Grund dafür: Neben der eigentlichen Beatmung kann man den Patienten auf diese Weise Medikamente zuführen. Damit diese eingeatmet werden können, müssen die liquiden Wirkstoffe zerstäubt oder vernebelt werden. Wie CeramTec mitteilt, hat das den Vorteil, dass sich die Wirksamkeit der Medikamente „gegenüber herkömmlichen Dosierverfahren“ erhöht.

Doch welche Rolle spielt die Keramik in diesem Prozess? Laut Unternehmen befindet sich in den Zerstäubern eine piezokeramische Komponente. Ein Teil, das durch elektrische Spannung anfängt, mit hoher Frequenz zu schwingen. Durch die besonderen Eigenschaften der Piezokeramik wird das bis dahin flüssige Medikament angeregt. Es entstehen kleine Tröpfchen, die der Patient nun einatmen kann.

„Härter als Stahl“

Die Spezialkeramik von CeramTec wird darüber hinaus auch in künstlichen Hüft-, Knie- und Schultergelenken eingesetzt. Warum es in vielen Fällen Sinn macht, Keramik anstatt Metall, Glas oder Kunststoff zu verwenden, veranschaulicht Hermes an einem ebenfalls relevanten Teil in diesen Corona-Zeiten. Im CeramTec-Werk in Malaysia stellt das Plochinger Unternehmen keramische Hände für die Produktion von Einweg-Latex-Handschuhen her. „Das kann man sich sehr gut vorstellen“, sagt Hermes. „Da wird das flüssige Gummi ganz dünn auf diese Keramikhand aufgetragen.“ Wenn das Latex dann getrocknet ist, könne es einfach von der Keramikhand abgezogen werden. „Das kommt natürlich immer auf das jeweilige Einsatzgebiet an“, sagt er. „Keramik hat eben besondere Eigenschaften, die andere Materialien nicht haben.“ So kann Hochleistungskeramik viel härter sein als Stahl, wie CeramTec auf der Firmenwebseite wirbt, „oder chemisch und mechanisch beständiger als Metall oder Kunststoff.“

Wie die Bandbreite der Produktpalette zeigt, machen die endlos scheinenden Einsatzmöglichkeiten die Spezialkeramik zu einem echten Zukunftsmaterial. Angefangen hat die Geschichte von CeramTec im Jahr 1903. Damals stellte die Firma technisches Porzellan her. Heute, mehr als 100 Jahre später, ist das Unternehmen Weltmarktführer mit Produktionsstätten in Europa, Amerika und Asien sowie mehr als 3500 Mitarbeitern.

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