Cem Özdemir heiratet seine Flavia am 14. Februar in Tübingen. Foto: IMAGO/Panama Pictures

Zwischen Wahlkampf und Liebesliedern von Pur: Cem Özdemir spricht bei der „Abenteuerland“-Premiere doch noch mehr als einen Satz über seine Hochzeit am Valentinstag.

Bisher hat Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für die Nachfolge von Winfried Kretschmann, öffentlich nur einen einzigen Satz zu seiner bevorstehenden Hochzeit gesagt: Die Feier finde „im kleinsten Kreis“ statt. Mehr nicht.

Bei der Stuttgart-Premiere des Pur-Musicals „Abenteuerland“, das für viele Liebeslieder bekannt ist, wird der 60-Jährige am Donnerstagabend im Theaterhaus etwas gesprächiger. Auf die Frage unserer Redaktion, wie er Wahlkampf und Hochzeit unter einen Hut bringen könne, lächelt Özdemir entspannt. „Ich bin multitasking-fähig“, antwortet er.

In Berlin habe er schließlich auch zwei Ministerien parallel geführt – das Landwirtschaftsministerium und das Bildungsministerium. Mit einer doppelten Herausforderung könne er also umgehen. Vielleicht sind Politik und die künftige Ehefrau seine doppelte Liebe.

Özdemirs Lieblingslied von Pur: „Wenn sie diesen Tango hört“

Der entspannt wirkende Özdemir kommt direkt von einem Wahlkampftermin ins Theaterhaus, rund eine halbe Stunde verspätet. „Aber genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt er später: Denn als er den Saal mit seinen Bodyguard betritt, wird gerade „Wenn sie diesen Tango hört“ gesungen – sein absolutes Lieblingslied der Band Pur.

Cem Özdemir bei der Stuttgart-Premiere des Pur-Musicals „Abenteuerland“ im Theaterhaus. Foto: engelhard-photography-

Die Musik passt zum Anlass. Viele der Songs erzählen von Sehnsucht, Treue und großen Gefühlen. Und wer Özdemir an diesem Abend auf seine bevorstehende Trauung anspricht, spürt schnell: Das Thema berührt ihn. Am Valentinstag zu heiraten, am Tag der Liebenden – das ist für ihn offenbar mehr als nur ein symbolisches Datum.

Die Band Pur vor der Fotowand im Theaterhaus. Foto: engelhard-photography-

Seine künftige Frau Flavia Zaka ist bei der Premiere nicht dabei. Doch Özdemirs Blick verrät, wie sehr er sich auf den Samstag freut. Die standesamtliche Trauung findet im Tübinger Rathaus statt, vollzogen von seinem Freund, Oberbürgermeister Boris Palmer. Trotz prominenter Namen soll die Feier im kleinsten Kreis stattfinden.

Mit einem Scherz begegnet er den Vorwürfen, die Hochzeit sei inszeniert

Kritik politischer Gegner, die Hochzeit kurz vor der Wahl sei inszeniert und solle zusätzliche Wählerstimmen bringen, weist er mit einem Lächeln zurück. Er wirkt gelassen, fast amüsiert. Mit einem Scherz begegnet er den Vorwürfen – und schaut dabei so verliebt, dass man ihm die Gelassenheit abnimmt. Auch sein Outfit ist lässig: Zum dunklen Anzug mit weißem Hemd ohne Krawatte trägt er helle Sneakers.

Nachdem unsere Zeitung exklusiv über die geplante Hochzeit berichtet hat, sagt er: „Wir hätten die Hochzeit auch noch öffentlich bekannt gemacht.“ Aber eben zu einem späteren Zeitpunkt. Die Nachricht habe sich schneller herumgesprochen als gedacht, deshalb habe man den Hochzeitsplan früher bestätigt als vorgesehen. Seine Sprecherin bittet darum, die Privatsphäre des Paares zu respektieren.

„Das muss Liebe sein!“

Neben ihm sitzt an diesem Abend Kabarettist Christoph Sonntag. Dessen Kommentar fällt knapp aus: „Ja, das muss Liebe sein!“ Die Braut heirate noch vor der Landtagswahl ihre erste Wahl – nicht wegen irgendwelcher Posten, nicht erst, wenn er Ministerpräsident sei.

Zwischen Scheinwerferlicht, Applaus und Liebesliedern entsteht an diesem Abend der Eindruck, dass hier einer nicht nur Wahlkampf führt, sondern ein ganz persönliches Lebensereignis vorbereit. Im Theaterhaus wirkt Cem Özdemir am Donnerstagabend vor allem wie ein Mann, der sich auf seine Hochzeit freut – und das auch zeigt.