Die Beliebtheit der Esslinger Stadtbücherei ist unbestritten – am künftigen Standort scheiden sich die Geister. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Die Esslinger entscheiden am 10. Februar, ob die Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleibt oder umzieht. CDU, Grüne und FDP plädieren für den Neubau.

EsslingenKnapp drei Wochen gehen noch ins Land, dann haben die Esslinger Klarheit, wo ihre Bücherei der Zukunft stehen wird. Beim Bürgerentscheid am 10. Februar haben sie die Wahl, ob der bisherige Standort im Bebenhäuser Pfleghof modernisiert und um das Nachbarhaus Heugasse 11 erweitert werden soll oder ob es jenen Neubau zwischen Küferstraße und Kupfergasse geben wird, für den sich der Gemeinderat im Juni entschieden hatte. CDU, Grüne und FDP werben wie schon im Gemeinderat auch beim Bürgerentscheid für den Neubau, der aus ihrer Sicht deutliche Vorteile habe. Mindestens ebenso wichtig ist es ihnen, dass sich möglichst viele am ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt beteiligen. Dafür und für den Neubau wollen Christdemokraten, Grüne und Freie Demokraten mit Plakaten und samstäglichen Informationsständen auf der Inneren Brücke mobilisieren. Gemeinsam setzen sie darauf, dass die hitzige Standortdebatte durch den Bürgerentscheid befriedet wird – ganz egal welches Ergebnis er bringen wird. Ihre Argumente bekräftigten Vertreter der drei Parteien nun in einem gemeinsamen Pressegespräch.

Edward-Errol Jaffke (CDU) hat beobachtet, dass sich die Standort-Diskussion vor allem auf die Kosten und auf die Zukunft des Bebenhäuser Pfleghofs konzentriere. Genau wie Carmen Tittel (Grüne) erinnerte Jaffke an einen Ratsbeschluss, dass der Pfleghof auf jeden Fall in öffentlicher Hand bleiben werde. Unklar sei nur noch die Nutzung. Die Grünen können sich dort das Stadtmuseum vorstellen. Gegen Erweiterung und Modernisierung des Pfleghofs sprechen für Jaffke auch die Risiken, die die Sanierung eines Altbaus berge. Er verwies auf Fachleute wie den Zimmermann und FW-Stadtrat Eberhard Scharpf, der erklärt habe, dass weder Kosten noch Bauzeit exakt vorherzusagen seien.

Carmen Tittel sieht im Neubau die bessere der beiden Varianten und hat „keine Sorge, dass wir für den Pfleghof eine hervorragende öffentliche Nutzung finden“. Die Grünen hätten den Neubau zwischen Küferstraße und Kupfergasse ins Gespräch gebracht, um zu klären, ob es noch eine bessere Lösung gebe als die Erweiterung und Modernisierung des Pfleghofs. Das habe die Stadtverwaltung festgestellt. Absolute Barrierefreiheit einschließlich der Zuwegung sei für die Bücherei als wichtigste Kultureinrichtung oberstes Gebot, und die lasse sich nur im Neubau herstellen. Brigitte Häfele (Grüne) ist derweil überzeugt, dass ein Neubau viel bessere Zukunftsperspektiven biete, weil er sich nach Bedarf gestalten lasse. Gerade jüngere Leute wünschten sich ruhige Lernecken. Die ließen sich in einem Neubau besser realisieren. Das sieht auch Edward-Errol Jaffke so: „Ein Gebäude, das ausdrücklich für eine Bücherei gebaut wurde, kann viel besser auf die Bedürfnisse zugeschnitten werden.“ Rena Farquhar (FDP) erklärte, der Gemeinderat habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. In der Gesamtschau aller Aspekte sei der Neubau die beste Variante. Festhalten am Pfleghof empfindet Ulrich Fehrlen (FDP) als „pure Nostalgie und Romantik“. Marco Bertazzoni fürchtet, dass der Pfleghof durch eine Modernisierung seine Atmosphäre verliere. Der Neubau biete bessere Entwicklungsmöglichkeiten.

Vertreter aller drei Parteien sehen es als Problem, dass die Bücherei im Falle einer Pfleghof-Modernisierung während der Bauzeit in ein Interimsquartier umziehen müsste. Alles, was bislang im Gespräch sei, sei in privater Hand, erklärte Bertazzoni. Keiner wisse, wie teuer das werde und ob die Objekte verfügbar seien. Außerdem gehe durch einen Umzug in ein Interimsquartier Identifikation mit der Bücherei verloren. Die Kritik der Initiative Bürgerbegehren Stadtbücherei, dass in der städtischen Broschüre zum Bürgerentscheid die Interimszeit mit fünf Jahren beziffert wird, nachdem bislang nur von zwei oder drei Jahren die Rede gewesen sei, konterte Herbert Schrade (CDU): „In früheren Gemeinderatsvorlagen war schon von vier bis fünf Jahren Bauzeit die Rede.“

Dass Wolfgang Drexler, SPD-Stadtrat und einer der Vertrauensleute der Initiative, beklagt hatte, in der städtischen Informationsbroschüre zum Bürgerentscheid werde mit halben Wahrheiten gearbeitet, wies Farquhar zurück: „Keiner hat Daten, Fakten und Vorteile des Pfleghofs vorenthalten. Alles ist auf den Tisch gekommen.“ Auch wenn Grüne, CDU und FDP hoffen, dass der Bürgerentscheid den Gemeinderatsbeschluss für einen Neubau bestätigen möge, betonen sie, dass sie den Willen der Bürger in jedem Fall akzeptieren. „Wir freuen uns, dass es diesen Bürgerentscheid gibt und hoffen, dass sich viele daran beteiligen“, erklärte Carmen Tittel, die auch auf die Möglichkeit der Briefwahl hinwies. Gemeinsam werde man bis zur Abstimmung für den Neubau werben. „Dann werden wir die Entscheidung der Bürger respektieren und alles dafür tun, dass Esslingen eine gute Bibliothek bekommt.“

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