William Shatner als Captain Kirk (li.), Leonard Nimoy als Mr. Spock Foto: CBS

Zwei Helden für die Ewigkeit: Am 22. März feiert William Shatner seinen 90. Geburtstag, und vier Tage nach ihm wäre der 2015 verstorbene Leonard Nimoy, der Mann mit den spitzen Ohren, ebenfalls 90 geworden.

Washington/New York - Zwei Männer, zwei Leben. Zwei Schauspieler, die beide 1931 das Licht der Welt erblickten. Beide erlangten ab Mitte der 60er Jahre mit der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ Weltruhm. Während sich damals US-Astronauten auf die Mondlandung vorbereiteten, raste auf den TV-Bildschirmen das Raumschiff Enterprise mit superschnellem „Warp-Antrieb“ durchs Weltall, unterwegs zu fremden Sternen und Planeten. Die wichtigsten Männer an Bord: der Kommandant James Kirk (William Shatner) und der Wissenschaftsingenieur Mr. Spock (Leonard Nimoy).

„Star Trek“ war eine galaktische Abenteuergeschichte, in Deutschland ab 1972 als „Raumschiff Enterprise“ zu sehen. Erst als „Star Trek“ nach drei Staffeln wegen schwacher Quoten eingestellt und alte Folgen Anfang der 1970er Jahre wiederholt wurden, wuchs die kleine Fanbasis zur globalen „Trekkie“-Gemeinde. Dann wurde das Ganze Kult. Kaum eine Fernsehserie - und die folgenden Kinofilme - haben die US-Popkultur in ähnlicher Weise geprägt. Als der frühere Präsident Donald Trump im Mai 2020 eine Initiative bekanntmachte, möglicherweise bereits vor Jahresende einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln, nannte er das Vorhaben „Operation Warp Speed“. „Star Trek“-Kundige wussten genau, was der Präsident versichern wollte. Es werde superschnell gehen.

Shatner schreibt Krimis und posiert als Captain Kirk

Was William Shatner betrifft, den Kanadier, so ist die Begeisterung für die Zukunft und das Universum geblieben. Der Schauspieler hat als Autor mit „TekWar“ eine neunteilige Serie von Krimi-Büchern verfasst, in der Privatermittler Jake Cardigan Bösewichten im Jahr 2122 das Handwerk legt. Auch als Musiker hatte Shatner im gehobenen Alter Erfolge, zuletzt veröffentlichte er im Oktober 2020 ein Blues-Album mit bekannten Gästen. Und während es um einige seiner Weggefährten schon seit Jahren ruhig geworden ist, dreht Shatner sogar weiterhin Filme: Nur wenige Tage nach seinem Geburtstag kommt die romantische Komödie „Senior Moment“ mit ihm in der Hauptrolle in den USA auf den Markt.

Dass der Schauspieler mit 90 noch immer gefragt ist, wird auch daran deutlich, wie viel Fans bezahlen müssen, um ihn im Sommer am Enterprise-Set sehen zu können. Die Tour mit Shatner höchstpersönlich kostet 499 Dollar (mehr als 400 Euro), ein Foto zusätzlich gibt es für 160 Dollar, das Autogramm für 80 Dollar. Das «VIP All-Inclusive»-Paket kostet sogar 1500 Dollar. Dafür darf man dann mit „Captain Kirk“ dinieren und auf der Brücke der Enterprise ein Pläuschchen halten.

Ganz anders lieg es für den Darsteller des „Halb-Vulkaniers“ Mr. Spock, Leonard Nimoy, der auf so unvergessliche Weise die Augenbraue heben und dazu ein trockenes „faszinierend“ sagen konnte. Am 26. März 1931 wurde er als Sohn jüdisch-ukrainischer Einwanderer in Boston geworden, er starb 2015. Spock war Nimoy, und Nimoy war Spock, letzterer geboren im Jahr 2230 auf dem Planeten Vulkan. Von dort kommt sein Vater, seine Mutter ist vom Planeten Erde. Vom Vater lernte er den oft imitierten vulkanischen Handgruß: Die Finger werden zwischen Mittel- und Ringfinger zu einem „V“ gespreizt.

Spock, der ewige Außenseiter

„Wer von uns versteht nicht, was es bedeutet, ein Außenseiter zu sein“, schrieb Nimoy in seiner Biografie „I am Spock“ (1995). Er sei als „ein jüdischer Junge“ im mehrheitlich italienisch-amerikanischen Viertel West End in Boston in Massachusetts aufgewachsen. „Viele meiner guten Freunde waren Italiener, aber ich habe früh gelernt, dass ich irgendwie ‚anders’ war.“ Die Freundschaft habe „an der Kirchentür halt gemacht“.

Leonards Eltern Dora und Max seien vor Pogromen aus der Ukraine geflohen, seine Mutter habe die Grenze in einem Heuwagen versteckt überquert. Sie seien dankbar gewesen für die USA als Land, in dem sie „nicht auf der Straße umgebracht werden konnten“. Der Bruder seines Vaters sei bei einem Kosakenüberfall getötet worden, sagte Nimoy 2013 in einem Interview für das „Yiddish Book Center“ in Amherst in Massachusetts.

Nimoy fing mit dem Theater an, auch jiddischem Theater, dann folgten Nebenrollen in Spielfilmen. Um mit 17 Jahren seine Reise nach Kalifornien und das Schauspielstudium zu finanzieren, habe er Staubsauger verkauft, erzählt er einmal. „Star Trek“ definierte ihn dann als Mr. Spock. Doch er hatte auch Rollen in anderen Filmen, nahm Musikalben auf und führte Regie, etwa in der Komödie „Noch drei Männer, noch ein Baby“ (1987).

Der Vulkaniergruß fußt auf einem jüdischen Segen

Die Entstehungsgeschichte des Vulkaniergrußes hat er häufig erzählt: Für eine Filmszene habe er eine besondere Grußform entwickeln wollen - und sich an ein Kindheitserlebnis in einer Synagoge erinnert, bei dem Betende mit gespreizten Fingern den Aaronitischen Segen erteilten.

Der daraus entwickelte vulkanische Gruß hat sich erhalten: als Erkennungsmerkmal für „Trekkies“, Star-Trek-Fans, und für Menschen, die Nimoy und Spocks logische Vernunft schätzen und das Prinzip Erforschung ohne Eroberung. Er freue sich darüber, hat Nimoy gesagt. Manche der Grüßenden wüssten vielleicht gar nicht, dass sie einander mit einem im Jüdischen verankerten Gruß segneten.

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