Hände hoch für „YMCA“, für einen Hit der queeren Community, bei Gaydelight im Mai 2024. Foto: Andreas Rosar / Fotoagentur-Stuttg

In den 1990ern war Gaydelight ein Skandal, später wurde die queere Party zum Wasenhit. Beim diesjährigen Frühlingsfest fehlt die große Feier der Rainboy- Community erstmals. Woran liegt es?

Der Name für die queere Wasenparty entstand, als Theo Pagliarucci, ein Schausteller in der siebten Generation mit italienischen Vorfahren, Radio hörte. „I wanna be daylight in your eyes“ von No Angels lief damals unentwegt. Von „Daylight“ kam der Veranstalter auf „Gaydelight“ – daraus ist eine Marke geworden, die erstmals seit 25 Jahren beim kommenden Frühlingsfest im Zelt des Wasenwirts nicht strahlt.

Heute sagt der Vater eines Sohnes – auch der Junior, versteht sich, ist Schausteller –, den Namen würde er nicht noch mal nehmen. Denn die queere Community hat in all den Jahren mehrere Buchstaben dazu bekommen: LBGTQI und noch ein Plus – auf „Gay“ lässt sich die Zielgruppe nicht mehr reduzieren.

„Mit Verwunderung muss ich feststellen, dass eine der beliebtesten Partyreihen und der friedlichsten Abende auf dem Frühlingsfest 2025 abgeschafft wurde“, schreibt ein Leser unserer Redaktion. Gaydelight sei für ihn und viele Menschen weit über Stuttgart hinaus „immer ein Pflichttermin“ gewesen. Im Programm des Wasenwirts habe er seine Lieblingsparty nicht gefunden – auch keine Erklärung dafür, warum sie ausfällt.

Theo Pagliarucci veranstaltet Gaydelight nur noch einmal im Jahr, was auch an seinem Alter liege. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Der Veranstalter sagt: „Weniger ist mehr“

Gab es etwa Ärger hinter den Kulissen, gar Streit um Geld? „Nein“, antwortet Veranstalter Theo Pagliarucci, „es war allein meine Entscheidung, dass sich Gaydelight auf dem Frühlingsfest verabschiedet.“ Er habe lange darüber nachgedacht und sei zu dem Schluss gekommen: „Weniger ist mehr.“

Die aktuelle wirtschaftliche Lage, die politische Situation und die steigende Inflation mache es „allen nicht einfacher“, erklärt Pagiliarucci: „Alles wird teurer, und man überlegt sich genau, wofür man sein Geld ausgibt.“ Gleichzeitig sei das Angebot für die Community in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen, was der Veranstalter „großartig“ findet, was aber auch bedeutet, „dass Gaydelight unter all diesen Veranstaltungen weiterhin etwas Besonderes bleiben sollte“.

Theo Pagliarucci verweist auf sein Alter.

Deshalb habe er entschieden, die Party beim Wasenwirt nur noch einmal im Jahr zu organisieren, nämlich nur noch beim Volksfest im Herbst. Damit, so hofft er, könne Gaydelight das bleiben, was die Reihe immer für viele war: „ein Hightlight“.

Theo Pagliarucci verweist außerdem auf sein Alter. „Die Organisation eines solchen Events kostet viel Zeit, Kraft und Mühe“, sagt er, „ich möchte mich künftig stärker auf die Qualität der Veranstaltung konzentrieren, anstatt mich zu übernehmen.“ Im Oktober werde es beim Volksfest das nächste Gaydelight geben. Der Vorverkauf dafür habe begonnen. ️