2018 wurde in den USA das erste auf CBD basierende Antiepileptikum als offizielles Medikament zugelassen. Foto: pixabay

Es existieren erste Studien zur Wirksamkeit von CBD gegen Epilepsie. Wie antikonvulsiv ist CBD wirklich?

Die jederzeit drohenden Anfälle hängen wie ein Damoklesschwert über Epilepsie-Patienten. Die Krankheit hat etwas schwer Beängstigendes an sich. Die Schulmedizin kann leider nur etwa 70 % aller Betroffenen dabei helfen, die Zahl der Anfälle zu reduzieren. Die restlichen Patienten, die einen langen Leidensweg hinter sich haben, gelten als therapieresistent. Insbesondere diese Menschen suchen nach Alternativen.

Als Alternative geriet das Cannabidiol (CBD) in den letzten Jahren in den Fokus der Wissenschaft. Denn unter den zahlreichen Eigenschaften, die dem Wirkstoff zugeschrieben werden, gehören antikonvulsive (krampflösende) Effekte. 2018 wurde in den USA das erste auf CBD basierende Antiepileptikum als offizielles Medikament zugelassen.

Exkurs: Wechselwirkung mit dem ECS

CBD wirkt aufgrund seiner Interaktion mit dem ECS im menschlichen Organismus. Das Endocannabinoid-System (ECS) besteht aus Rezeptoren, Liganden und Enzymen und übernimmt zentrale Aufgaben des Körpers und Gehirns und reguliert unter anderem den Stoffwechsel, das Schlafverhalten und die Körpertemperatur. Damit das ECS seinen Funktionen nachkommen kann, muss der Zustand der Homöostase erreicht sein. Nur wenn alles im Gleichgewicht ist, dann ist alles im Fluss und die einzelnen mit dem ECS verbundenen Schaltkreise sind in der gewünschten Bewegung.

Normalerweise kann der Körper ausreichend Endocannabinoide synthetisieren, um das Gleichgewicht zu halten. Er ist allerdings auch offen für eine Zuführung von außen, und zwar durch Phytocannabinoide. Dabei handelt es sich um die Cannabinoide der Hanfpflanze, sodass eine Supplementierung von CBD einem Mangelzustand innerhalb des ECS entgegenwirken kann.

Weiterführende Informationen zu dem Wirkstoff CBD und dem Endocannabinoid-System bietet Ihnen das Informationsportal cbdolkaufen.de.

Ein zweischneidiges Schwert?

Phytocannabinoide interagieren in erster Linie mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des ECS. Für Epilepsie-Patienten ist nun die Interaktion des CBD mit dem CB1-Rezeptor relevant, wobei neuronale Prozesse im Gehirn angestoßen werden. Medizinische Forschungen haben ergeben, dass der präsynaptische CB1-Rezeptor überaktive Synapsen über eine Rückkopplungsschleife zurückhalten kann. Ein Überschießen der Neuronen als auslösendes Element wird dadurch vermieden.

Die Pharmakologin Prof. Heidrun Potschka von der LMU München warnt allerdings vor übertriebenen Hoffnungen. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DLG) in Mannheim gibt die Expertin zu bedenken, dass das Cannabidiol in beide Richtungen wirken könnte. Neben antikonvulsiven Effekten besäße der Wirkstoff dann auch prokonvulsive Eigenschaften.

Ein höherer Clobazam-Spiegel schützt vor epileptischen Anfällen

Nach der Einnahme von CBD konnte zudem ein erhöhter Clobazam-Spiegel im Blut nachgewiesen werden. Clobazam ist der Name einer Gruppe von Antikonvulsiva, die das Anfallsrisiko von Epilepsie-Patienten reduzieren können. Aufgrund ihrer beruhigenden Eigenschaften wird diese Gruppe auch den Benzodiazepinen zugeordnet.

Studien geben Hoffnung

2018 wurde eine aufwendige Studie in den USA ins Leben gerufen, die zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit für einen epileptischen Anfall bei der Gruppe mit CBD-Medikation von 14,9 auf 5,9 % sank. Bei der Kontrollgruppe, die mit einem Placebo vorliebnehmen musste, sank die Anfallsgefahr nur auf 14,1 % und damit nicht signifikant.

Weitere Studien zeigten positive Befunde speziell gegen das Dravet-Syndrom sowie das Lennox-Gastaut-Syndrom. Beides sind schwere Verlaufsformen der frühkindlichen Epilepsie. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Anfallsrisiko mit der Dauer der Einnahme sinkt. Am effektivsten ist das Cannabidiol immer dann, wenn es über Jahre eingenommen wird.

CBD gegen Epilepsie – ein Ausblick

Ein Wundermittel gegen Epilepsie ist CBD in keiner Weise. Es ist eher ein alternativer Therapieansatz, der helfen kann, aber nicht muss. Wenigstens kann er die Zahl der therapieresistenten Fälle weiter eingrenzen, denn aus den Studien ging hervor, dass zu den Patienten, bei denen der Nutzen durch CBD gegeben war, zahlreiche therapiefraktäre Fälle gehörten.

Zu berücksichtigen ist leider auch die Kostenfrage, denn die Kosten für ein auf CBD basierendes Medikament sind mit monatlich zwischen 2.000 und 3.000 EUR recht hoch. Dies erhöht nicht gerade die Motivation der Krankenkassen, einen Antrag auf eine Behandlung mit CBD zu bewilligen.

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