Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Problemen im Busverkehr in und um Filderstadt. Foto: Archiv Judith A. Sägesser

Verspätungen oder Komplettausfälle verärgern nach wie vor viele Busfahrgäste in und um Filderstadt. Nun zieht Friedrich-Müller-Omnibus die Reißleine.

Filderstadt - Nun ist der Geduldsfaden offenbar endgültig gerissen. Beim Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel, aber auch bei Friedrich-Müller-Omnibus, kurz FMO. Am 22. August hatte sich Gastel schriftlich bei dem Busunternehmen beschwert – wieder einmal. „Gestern fuhr ich vom Bodensee mit acht (!) Umstiegen nach Filderstadt“, schreibt er. „Hatte nahezu alles trotz teilweise nur drei Minuten Umsteigezeit wie vorgesehen geklappt.

Was nicht wie vorgesehen klappte, war die letzte Etappe, die Fahrt von Filderstadt-Bernhausen nach Filderstadt-Plattenhardt.“ Die Linie 817 sei schlicht nicht aufgetaucht. „Die App führte den Bus jedoch als pünktlich“, berichtet Gastel an FMO. Zwar hätten er und andere Fahrgäste auf einen anderen Bus ausweichen können, doch Gastel will es nicht mehr hinnehmen, dass die App dem Fahrgast vorgaukelt, dass ein Bus kommen werde, wenn er in Wahrheit ausfalle.

Kritik prasselte auf Busunternehmen ein

Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte, die den Busfahrgästen in Filderstadt und Umgebung bestens bekannt sein dürfte. Die Kurzversion: Unpünktliche Busse, Busse, die gar nicht kommen, Busse, die falsche Wegstrecken fahren, Busse, die Schüler an falschen Orten abladen, Busse, die in technisch fragwürdigem Zustand waren. Der Höhepunkt dieser chaotischen Zustände im Busverkehr in und um Filderstadt dürfte rund um den Jahreswechsel 2019/2020 erreicht gewesen sein.

Damals prasselte die Kritik der Busnutzer nur so auf die Stadt Filderstadt und die zuständigen Busunternehmen ein. Das Tohuwabohu, das vor allem Eltern von Schulkindern den letzten Nerv gekostet hatte, war seinerzeit sogar Thema einer RTL-Sendung.

Runder Tisch brachte zunächst Verbesserungen

Weil die Probleme nicht mehr als Einzelfälle zu rechtfertigen waren, kam es im Januar 2020 zu einem Runden Tisch, an dem alle Beteiligten – unter anderem auch die Stadt Filderstadt, das Landratsamt und die Busunternehmen – Platz nahmen. Letztere, nämlich FMO und dessen Subunternehmen Melchinger aus Aichtal, gelobten Besserung. Und es wurden klare Vereinbarungen getroffen. Unter anderem, dass Verspätungen und Ausfälle so rechtzeitig als möglich über den digitalen Weg an die Fahrgäste gemeldet werden sollten. Und genau hier hapert es anscheinend nach wie vor, wie unter anderem Gastels Erfahrungen vom 21. August zeigen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Die Verkehrswende klappt nicht reibungslos

Im Zentrum der Kritik steht das Familienunternehmen Melchinger, das von FMO engagierte Subunternehmen. „Weshalb übernimmt FMO nicht das Personal und alle Fahrten von Melchinger?“, fragt Matthias Gastel in seiner E-Mail an FMO. „Die Geduld mit diesem Unternehmen, seine Verpflichtungen endlich in den Griff zu bekommen, ist am Ende. Die Fahrgäste haben ein Anrecht darauf, pünktlich und zuverlässig befördert zu werden.“

FMO trennt sich von Subunternehmen

Weil Gastels Ärger vom 21. August nach wie vor kein Einzelfall zu sein scheint, will FMO nun tatsächlich die Reißleine ziehen. In „gegenseitigem Einvernehmen“ sei vereinbart worden, „das Vertragsverhältnis zum 12. September 2021 aufzuheben“, teilt Jörg Dettling von FMO auf Anfrage unserer Zeitung schriftlich mit. Die Firma Melchinger, die im Jahr 2020 ihren Sitz nach Steinenbronn verlegt habe, habe „im Frühjahr 2021 den Wunsch geäußert, sich auf das eigene Linienbündel Esslingen 11 konzentrieren zu wollen“.

Ob die Trennung tatsächlich so harmonisch verlaufen ist, wie es von Jörg Dettling dargestellt wird, bleibt fraglich. Die Firma Melchinger will sich nach Anfrage unserer Redaktion nicht zur Sache äußern und verweist auf die Mitteilung von FMO. Aus einem internen Schriftwechsel per Mail von FMO, der unserer Redaktion vorliegt, liest sich jedenfalls eher Frustration über die Unzuverlässigkeit des Subunternehmers heraus. Auf Nachfrage sagt er: „Wir müssen jetzt schauen, dass wir den Busverkehr stabilisiert bekommen. Wir müssen da jetzt Ruhe reinbringen.“

Mangel an Busfahrern als Grundproblem

Aktuell arbeitet FMO auf der Filderebene noch mit einem anderen Subunternehmer zusammen, nämlich mit der Firma Thumm. Man versuche nun, einen weiteren Subunternehmer ins Boot zu holen, sollte dies nicht gelingen, übernehme FMO die Linien notfalls selbst. Allerdings: Ein Grundproblem, mit dem die meisten Busunternehmen zu kämpfen haben, ist der Fahrermangel. Die Schichten und die damit verbundenen Arbeitszeiten – „das ist nicht jedermanns Geschäft“, sagt Dettling. Doch man sei dran, Fahrpersonal aufzubauen.