Kurt Schrimm mit seiner Frau Brigitte(li.) und Justizministerin Marion Gentges. Foto: K. Ruess

Von 2000 bis 2015 leitete Kurt Schrimm die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg – nun bekam er das Bundesverdienstkreuz.

Kurt Schrimm hat 33 Jahre lang NS-Verbrechern nachgespürt – zuerst als Staatsanwalt und von 2000 bis 2015 als Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, kurz: „Zentrale Stelle“, in Ludwigsburg. Für seine beruflichen Verdienste bekam er am Montagabend im Kornsaal der Bondorfer Zehntscheuer das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

„Wir sind stolz, dass wir Sie in unserer Gemeinde als Mitbürger haben dürfen“, sagte der Bürgermeister Bernd Dürr. Von Wertschätzung, Hochachtung und Dank waren auch alle weiteren Redebeiträge geprägt.

Rechtsgeschichte geschrieben

Seinem „unermüdlichen Einsatz“ sei es zu verdanken, „dass auch noch nach Jahrzehnten die abscheulichen Verbrechen von Nazi-Schergen aufgedeckt und Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können“, betonte die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges. Sie hielt die Laudatio und überreichte Kurt Schrimm den Orden. Den Anfang ihrer Rede hatte sie dem Gedenken an den bei der Messerattacke am Freitag in Mannheim verletzten Polizisten, der am Sonntag seinen Verletzungen erlegen ist, gewidmet.

Die Fälle des SS-Oberscharführers Joseph Schwammberger, der 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und von John Demjanjuk, der 2011 wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28 000 Menschen jüdischen Glaubens schuldig gesprochen wurde, stellte Gentges als exemplarisch heraus. Das Demjanjuk-Urteil sei „von rechtshistorischer Bedeutung“, weil es der juristischen Neubewertung der Ludwigsburger Ermittler – allen voran Kurt Schrimm – gefolgt war: Beihilfe zum Mord von NS-Tätern liegt demnach bereits dann vor, wenn erwiesen ist, dass diese in einem Lager Dienst taten, in dem Menschen ermordet wurden. Die Zentrale Stelle, die Kurt Schrimm zu einer „international renommierten Adresse“ gemacht hat, sei heute untrennbar mit ihm und seinem Namen verbunden, so Gentges weiter.

Generalbundesanwalt Jens Rommel, der Erich Schrimm als Leiter der Zentralen Stelle nachfolgte, berichtete, dass Schrimm bei seiner Arbeit auch neue Ermittlungsansätze gefunden habe. Etwa die Suche nach Beschuldigten, die nach Kriegsende nach Südamerika geflüchtet waren, und die Recherche in Archiven, die jahrzehntelang unzugänglich hinter dem Eisernen Vorhang lagen.

Ermittlungen gegen Mörder, nicht gegen Nazis

„Ich bin froh, dass Sie sich dieser Aufgabe gestellt haben“, dankte Landrat Roland Bernhard. Aus heutiger Sicht „völlig unvorstellbar“ sei der Völkermord an Juden, Sinti und Roma, so der Landrat weiter: „Es gibt gar kein Verfallsdatum für diese Schuld“, betonte er. Als Menschen, „der eine Meinung hatte“, aber auch zugehört habe, charakterisierte Rechtsanwalt Achim Bächle, Pflichtverteidiger im Schwammberger-Prozess, den Geehrten. Er wünsche sich bei der Staatsanwaltschaft, der Justiz und im Kollegenkreis „mehrere Kurt Schrimms. Das würde uns guttun.“

„Über Jahre hinweg habe ich mich gegen die Bezeichnung ‚oberster Nazijäger‘ gewehrt“, blickte der so Gelobte zurück. Denn: als Strafrechtler habe er die Täter nicht aufgrund ihrer Ideologie verfolgt: „Ich habe nicht gegen Nazis ermittelt, sondern gegen Mörder, so wie es das Gesetz vorsieht.“

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Nicht ein einziges Mal sei dabei vonseiten der Politik versucht worden, seine Tätigkeit zu beeinflussen oder gar zu behindern. Trotz der „schwersten Verbrechen, tiefstem Leid und unvorstellbarem Unrecht“, mit denen er konfrontiert war, habe er sich sein heiteres Gemüt bewahrt, „schon allein deshalb, weil das Böse das Positive nicht aus dieser Welt verdrängen darf“, berichtete der 74-Jährige, der bekannt gab, dass diese Veranstaltung sein letzter öffentlicher Auftritt sei.