Waiblingens OB Sebastian Wolf spricht beim Neujahrsempfang über die geplante Bosch-Werksschließung, kündigt neue Ideen für zentrale Flächen und ein hartes Vorgehen gegen Müllsünder an.
Handys raus statt Handys aus – das war auch dieses Mal beim Neujahrsempfang der Stadt Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) die Devise. Wie im Jahr zuvor nutzte der Oberbürgermeister Sebastian Wolf den Bürgertreff am Donnerstagabend dazu, sich per interaktiver Smartphone-Umfrage ein Bild vom Gemütszustand der Gäste zu machen. Die füllten den großen Saal des Bürgerzentrums zwar nicht komplett, dennoch blieb trotz der ungünstigen Wetterprognose nur eine überschaubare Zahl an Sitzplätzen unbesetzt. Mehrere Gäste bezeichneten die Schlange beim Defilee sogar als die längste, die sie je gesehen hätten.
Dementsprechend startete das Programm im Ghibellinensaal eine halbe Stunde später als geplant. Wie immer machte das Bläserensemble des Städtischen Orchesters den Anfang, danach hatte dann das Akkordeon-Orchester Hohenacker unter der Leitung von Jürgen Kölz seinen Auftritt. Für dessen nächstes Konzert am 24. Januar legte der Oberbürgermeister noch einen kleinen Werbeblock ein – schließlich ist das Akkordeon das Instrument des Jahres 2026.
Dass Sebastian Wolf „kein großer Anhänger von klassischen Neujahrsreden“ ist, wissen die Waiblingerinnen und Waiblinger. Nach der ersten interaktiven Umfrage beim Bürgertreff 2025 lief das Abstimmungsprozedere reibungslos. Die Antworten der Zuschauer auf Wolfs Fragen waren in Sekundenschnelle auf den zwei Leinwänden im Saal zu sehen. Die Frage nach der allgemeinen Entwicklung in Deutschland 2025 beantworteten die meisten mit „naja“, die der Stadt hielt eine Mehrheit entweder für „gut“ oder „mittelprächtig“.
Großbrand im Eisental und Bosch-Proteste
Sebastian Wolfs Urteil beim Blick auf die vergangenen zwölf Monate war ähnlich: „Gefühlt war 2025 für mich ,naja’, aber bei der Vorbereitung des Bürgertreffs bin ich zu einem anderen Schluss gekommen. Es war besser als gefühlt, denn wir sind an vielen Stellen gut vorangekommen.“ Als Beispiele nannte er die Kita Remsaue beim Freibad, die er als „Vorzeigeprojekt in der Region“ bezeichnete. Allerdings, so räumte der Rathauschef ein, sei angesichts der schlecht gefüllten Stadtkasse ein Bau dieser Art so schnell wohl nicht mehr möglich. Im Fall der Kita Remsaue hat die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung mit vier Millionen Euro den Großteil des 6,4 Millionen Euro teuren Baus finanziert.
Langwierige Rewe-Sanierung an der Querspange
Wolf begrüßte den Neubau des Landratsamts am Postplatz. Die Investition sei ein Glücksfall für Waiblingen, denn sie sichere Park- und Arbeitsplätze in der Innenstadt. Um Letztere lebendig zu halten, brauche es Menschen, die vor Ort arbeiteten. Die Beschäftigten der Rewe-Filiale an der Querspange gehören derzeit nicht dazu, denn die Modernisierung dauert viel länger als geplant. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass das so eine riesige Maßnahme wird“, gab Wolf zu. Kurz und knackig lief hingegen die Ansiedlung der Firma Kyocera: vom ersten Kontakt bis zum Bau seien nur 14 Monate vergangen.
Weitere Herausforderungen waren der Großbrand im Eisental und die Ankündigung des Bosch-Konzerns, ein Werk in Waiblingen zu schließen. 560 Arbeitsplätze seien eine hohe Zahl, sagte Wolf. Man führe viele Gespräche, „aber wir wissen nicht, wie es ausgehen wird“. Die Stadt habe die Zusage, dass der Bereich Medizintechnik in Waiblingen bleibe. Die Entwicklung des Syntegon-Areals – einst ebenfalls ein Bosch-Standort – sieht Wolf positiv: Die Firma Stihl hat das Gelände gekauft.
Für eine Fläche in zentraler Lage, das Oppenländer-Areal, werde man bald Ideen vorstellen, kündigte Wolf an. Auch an einer Lösung für den gesperrten Remstalradweg sei die Verwaltung dran – was das Ergebnis sein werde, wisse er noch nicht. Ran müsse man auch an die Schmidener Straße, die sich „in einem hundsliedrigen Zustand“ befinde. Der OB kündigte auch an, es werde „kein Pardon mehr“ für Menschen geben, die ihren Müll an Glascontainer-Standorten abladen. „Wir haben jetzt einen Mülldetektiv und sobald es die Möglichkeit gibt, diese Bereiche mit Video zu überwachen, werden wir das tun“, sagte Wolf unter großem Applaus.