Harry Ebert, Bürgermeister der Stadt Burladingen und AfD-Mitglied, steht vor dem Rathaus Archivf Foto: dpa/Sina Schuldt

Nach Jahren voller negativer Schlagzeilen um den rechtspopulistischen Rathauschef, Harry Ebert, in Burladingen im Zollernalbkreis gibt es an diesem Sonntag Neuwahlen und die Chance auf einen politischen Wechsel.

Burladingen - Die Bürger Burladingens (Zollernalbkreis) hoffen auf einen Neuanfang. Nach fünf kommunalpolitisch bewegten Jahren mit einem AfD-Bürgermeister an der Spitze sind am Sonntag, 20. September, genau 9998 Wahlberechtigte an die Urne gerufen. Es gilt, einen neuen Rathauschef zu finden. Gut 12 000 Menschen Leben in dem Ort am Flüsschen Fehla. Sie haben sich ein Stadtleitbild formuliert – es glich in den vergangenen Jahren eher einem Stadt-Leid-Bild. Die Außenwirkung wurde überlagert von den Schlagzeilen um den Rathauschef. Im Frühjahr bat Harry Ebert, nach fast zwanzig Jahren im Amt, um seine Entlassung. Am 31. Mai schied er aus dem Amt.

Fast zwei Jahrzehnte war der ehemalige Polizeibeamte Bürgermeister des Städtchens im Herzen der Schwäbischen Alb. Er wurde erstmals 1999 als Nachfolger von Michael Beck gewählt, schaffte bei den Bürgermeisterwahlen 2007 und 2015 jeweils den Wiedereinzug ins Rathaus. Nennenswerte Gegenkandidaten hatte er nicht.

Rechtspopulismus in Soziale Medien

Als Ebert kurz darauf in den sozialen Netzwerken anfing, sich flüchtlingsfeindlich und rechtspopulistisch zu äußern, ehrenamtliche Kommunalpolitiker polternd zu beleidigen und immer wieder das Amtsblatt unverhohlen für persönliche Meinungsäußerungen zu missbrauchen, bröckelte auch der Rückhalt im Gemeinderat. Es folgten Rücktritte der ehrenamtlichen Stellvertreter und eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt, die mit einem Verweis endete.

Als der Rathauschef, der einst als Parteiloser angetreten dann vor zwei Jahren in die AfD eintrat, war das Tischtuch zwischen ihm und den Räten – aber auch so manchem Bürger – endgültig zerschnitten. Nahezu jede Zusammenkunft des Gemeinderates war geprägt von verbalen Scharmützeln, Beleidigungen und der Verweigerungshaltung des Stadtchefs, der in den letzten Monaten seiner Amtszeit den Sitzungen häufig fern blieb. Denn so mancher Burladinger hakte in der Bürgerfragestunde kritisch nach.

AfD warb mit ihrem Bürgermeister

Die AfD hingegen warb bei überregionalen Veranstaltungen mit „ihrem Bürgermeister“ und dem gelang es, für die Kommunalwahl im Mai 2019 eine AfD-Liste aufzustellen. Die zog mit vier Männern in den Gemeinderat ein. Sie sitzen jetzt neben Vertretern der CDU, der Freien Wähler und der Grünen am Ratstisch

Dieses schwierige Erbe wird einer der fünf Kandidaten antreten. Außer dem in der Region als Dauerkandidaten bekannten Sozialmediziner Horst-Ernst Raichle (61) haben der Bremer Architekt Michael Ohm (59), seit einem Jahr Mitglied der Grünen, der Calwer Verwaltungsfachmann Davide Licht (31) sowie die Burladinger Hans-Walter Hellbach (48) und Axel Niedenthal (47) ihren Hut in den Ring geworfen. Bis auf Ohm sind alle parteilos. Es wäre wohl auch fraglich, ob ein Parteibuch bei den Burladingern überhaupt den Ausschlag geben würde.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: