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Mehr als verdoppelt haben sich 2018 die Beschwerden bei Klaus-Peter Siefer, dem Lärmschutzbeauftragten des Flughafens Stuttgart. Diesen Trend bestätigen die Bürgermeister betroffener Kommunen. Nicht nur auf den Fildern, auch im Neckartal und auf dem Schurwald ist es erheblich lauter geworden.

Kreis EsslingenMehr als doppelt so viele Beschwerden über Fluglärm wie im Vorjahr gingen 2018 beim Lärmschutzbeauftragten für den Flughafen Stuttgart ein (wir berichteten). Dass sich die Lage in den Kommunen auf den Fildern und in Esslingen, aber auch im Neckartal und auf dem Schurwald verschärft hat, bestätigen Bürgermeister und Betroffene. „Seit zwei bis drei Jahren ist es bei uns deutlich lauter geworden“, schildert Simon Schmid die Situation.

Das führt der Bürgermeister von Baltmannsweiler darauf zurück, dass immer mehr Flugzeuge in Stuttgart starten und landen. Die Zahl der Gesamtflugbewegungen ist 2018 mit 139 617 um 7,5 Prozent angestiegen, die der beförderten Passagiere um 7,8 Prozent auf 11,8 Millionen. Gerade zum Start der Pfingst- und Sommerferien ballt sich der Verkehr schon nach dem Start um 6 Uhr morgens.

Kurz nach 6 Uhr ist nach den Worten von Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs viel Flugverkehr über dem Neckartal. „Dann ist an Schlaf nicht mehr zu denken.“ Als Pilot beschäftigt sich der Verwaltungschef intensiv mit Flugrouten, „da müsste doch an den Drehpunkten zu feilen sein, damit die Bürgerinnen und Bürger entlastet werden.“ Matrohs fordert für die Kommunen im Neckartal einen Sitz in der Fluglärmkommission. Dass die Beschwerden mehr geworden sind, bestätigt der Bürgermeister. Die stationäre Lärmmessung, die der Flughafen in Deizisau durchgeführt hat, erreichte den Grenzwert für weitere Schallschutzmaßnahmen nicht. „Da wird aber der Mittelwert gemessen“, kritisiert Matrohs. „Störend sind Einzelereignisse, die die Leute aus dem Schlaf reißen – etwa Nachtpostflüge.“ Die Maschinen, die in Stuttgart starten und landen, seien noch relativ laut.

Aus Deizisau und aus Neuhausen kamen die meisten der 824 Beschwerden, die der Lärmschutzbeauftragte Klaus-Peter Siefer analysiert hat. 1233 Beschwerden sind insgesamt bei ihm eingegangen, wobei drei „Vielfach-Beschwerdeführer“ mit zusammen 376 Beschwerden einen Anteil von 30,5 Prozent am Gesamtbeschwerdeaufkommen hatten. Stark betroffen ist auch Denkendorf, wie Marion Reinhardt bestätigt. „Im Sommer gab es Tage, da konnten wir bei der Lautstärke kaum aus dem Haus gehen.“ Ihr Eindruck ist, dass immer mehr Anflüge über Osten, also über Denkendorf, stattfinden. Siefers Statistik sieht eine nahezu ausgeglichene Bilanz: „Starts erfolgten zu 49,8 Prozent nach Westen und zu 50,19 Prozent nach Osten“, lautet sein Fazit. Reinhardt, die sich häufig beim Lärmschutzbeauftragten beschwert, leidet unter dem ständig wachsenden Flugverkehr.

„Die Politik müsste eingreifen und dafür sorgen, dass Billigflüge für unter zehn Euro verboten werden“, findet Gabi Visintin, die im Vorstand der Schutzgemeinschaft Filder sitzt. Sie lebt in Bonlanden, ist stark vom Lärm der B 27 betroffen. Von vielen Menschen auf den Fildern hört sie, „dass mit steigenden Fluggastzahlen die Belastung wächst.“ Nur, wenn weniger geflogen werde, könnten die Anwohner entlastet werden. „Fliegen muss teurer werden, eine Kerosinsteuer könnte ein Umdenken bewirken.“ Nicht zuletzt wegen des Klimawandels ist das für Visintin das Gebot der Stunde.

Um sich mehr Gehör zu verschaffen, haben die Verbandskommunen Plochingen, Deizisau und Altbach eine Resolution gegen Fluglärm initiiert, der sich Baltmannsweiler und Lichtenwald angeschlossen haben. „Wir müssen gemeinsam ein Signal setzen, alleine können wir da nichts ausrichten“, sagt Simon Schmid. Da setzt der Bürgermeister von Baltmannsweiler auf interkommunale Kooperation. „Die Grenze des für die Bevölkerung Erträglichen und Zumutbaren ist insbesondere in den verkehrsstarken Zeiten längst überschritten“, sagt Lichtenwalds Bürgermeister Ferdinand Rentschler. Er kritisiert „die überwiegende Abwicklung der Nachtflüge aus/in östliche Richtung“, die betroffene Gemeinden und ihre Anwohner benachteilige.

Auch Esslingen soll sich nach dem Willen der SPD-Fraktion im Gemeinderat der Resolution anschließen. Das forderten die Kommunalpolitiker im August in einem Brief an Oberbürgermeister Jürgen Zieger. „In Berkheim wächst die Belastung von Jahr zu Jahr“, schildert Stadtrat Richard Kramartschik seine Wohnsituation. Um sechs Uhr sei es mit dem Schlaf vorbei. „Das ist für Kinder so belastend.“ Fluglärm mache krank. In der Resolution richten sich die Kommunen nicht nur gegen eine weitere Ausdehnung des Flugverkehrs. Auch das Nachtflugverbot soll strikt eingehalten werden. „Wir haben noch keine Reaktion auf unsere Initiative bekommen“, sagt Kramartschik. Demnächst will er nachhaken: „Wenn sich die Große Kreisstadt Esslingen der Resolution anschließt, bekommt sie mehr Gewicht.“

Mehr Transparenz beim Fluglärm

Lärmdaten live: Geräusche von an- und abfliegenden Maschinen am Flughafen Stuttgart können betroffene Bürger online verfolgen: Auf der Website stellt der Flughafen Live-Daten zu Schallimmissionen zur Verfügung. Die Software Track Visualisation, kurz TraVis, liefert auf einer Übersichtskarte unter stuttgart-airport.com/travis Informationen zu Flugbewegungen, stationären Messstellen und deren Messdaten.

Stationäre Messungen: „Wir setzen auf größtmögliche Transparenz“, sagt Flughafen-Pressesprecher Johannes Schumm. Der Fluglärm liegt nach seinen Worten nur bedingt im Einflussbereich des Flughafens. Dennoch sei es der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) ein wichtiges Anliegen, die Belastung durch den Luftverkehr so gering wie möglich zu halten. Dazu erfasst die Flughafengesellschaft an acht Stationen in der Umgebung laufend die Schallpegel.

Fluglärmbericht: Über die Lärmentwicklung informiert ein monatlicher Bericht auf der Webseite stuttgart-airport.com/fluglaermbericht. Dieser beinhaltet eine Karte mit der grafischen Darstellung der Flugspuren, auf der sich die Überflugdichte ablesen lässt.

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