Bei der Bürgerinformationsveranstaltung in Kuchen stellte das Regierungspräsidium die aktualisierten Pläne vor und nannte Zahlen zur voraussichtlichen Verkehrsbelastung der geplanten Umgehung für das Jahr 2035.
Mit mehr als 300 Stundenkilometern geht es auf der B 10-Umgehung an Kuchen und Geislingen vorbei. Nach der Unterquerung der B 466 fährt man durch den Schildwachttunnel und kommt oberhalb des Friedhofs Rorgensteig raus. Was in der Realität noch in weiter Ferne liegt, war kürzlich virtuell bei der Bürgerinformationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) in der Kuchener Ankenhalle möglich. Bürgerinnen und Bürger konnten mit einer Computersimulation die geplante Strecke der künftigen B 10 abfahren.
Umgehungsstraße erspart Geislingen 7000 Fahrzeuge pro Tag
Regierungspräsidium und Planungsbüros standen für die Fragen der Besucherinnen und Besucher bereit. Die Nachricht: Einige Einwände aus der Bürgerschaft, die bereits diskutiert wurden, sind nun Teil der Planung. So habe das Planungsbüro Modus Consult GmbH, das vom RP beauftragt ist, „fachlich nachgewiesen“, dass es nur Sinn ergebe, die Umgehung nicht erst bis Geislingen-West, sondern gleich bis Geislingen-Ost zu bauen. Darüber informierte Thomas Walz, Referatsleiter Straßenplanung beim RP, der den Abend moderierte. „Es funktioniert nicht, wenn zuerst nur bis Geislingen-Mitte gebaut wird“, erklärte der Planer Frank Gericke selbst. Der Grund: Ohne den Schildwachttunnel, der die Fahrzeuge direkt auf die Geislinger Steige leitet, „würde die Wiesensteiger Straße so viel Verkehr bekommen, wie sie gar nicht mehr aufnehmen kann“. Dort wären dann ungefähr 17 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs, so Gericke. Er hat die voraussichtliche Verkehrsbelastung der geplanten Umgehung für das Jahr 2035 berechnet. Insgesamt würden mit der Umgehungsstraße in Geislingen demnach pro Tag ungefähr 7000 Fahrzeuge weniger unterwegs sein.
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Eine weitere Neuerung der Planung ergab sich entlang der Trasse in Kuchen: So bekommt die Filsgemeinde nun entlang der gesamten Strecke eine Lärmschutzwand. Bislang war eine Wand nur für einen kurzen Abschnitt vorgesehen, in dem die Trasse besonders nah an die Wohnbebauung herankommt. Doch in der Zwischenzeit gebe es eine neue Lärmschutzrichtlinie. Demnach seien in Kuchen nun zusätzliche Grenzwerte überschritten, das berechnete ebenfalls ein Büro. In Geislingen gibt es insgesamt eine geringere Lärmbelastung, sodass in Altenstadt ein Schutzwall ausreiche. Erst im Abschnitt Geislingen-Mitte sei wieder eine Lärmschutzwand geplant.
Tunnel halten die Planer für zu teuer
Außerdem ergaben Untersuchungen der Landschaftsplanung neue Entwicklungen: Im Bereich B 466/Einmündung Wiesensteiger Straße, wo die Fils wegen der neuen Trasse verlegt werden muss, sei der Fluss besonders schützenswert, erklärte Nadine Bodmer, Projektleiterin Landschaftsplanung beim RP. Dort wurden zum Beispiel Groppen und Regenbogenforellen entdeckt. Die bisher geplante Verlegung des Flusses könne wegen der zu hohen Fließgeschwindigkeit nicht beibehalten werden. Zum einen würden Lebensräume der Tiere bedroht, zum anderen entstünde Hochwassergefahr, erklärte Bodmer. Ein neue Lösung müsse erst erarbeitet werden.
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Am Themen-Tisch Landschaftsplanung brachten einige Bürgerinnen und Bürger außerdem die bereits bestehende Idee der Tunnellösung in Kuchen ein, die bisher nicht in den Plan aufgenommen wurde. Nadine Bodmer gestand zu, dass die Tunnellösung in Kuchen wohl am umweltverträglichsten sei. Sie sei allerdings nicht geplant, da sie wesentlich teurer wäre.
Szenarien für 2035
Zeitplan
Thomas Walz, Referatsleiter Straßenplanung beim Regierungspräsidium, präsentierte den Zeitplan bis zum möglichen Baubeginn. Im zweiten Quartal 2023 bekomme man voraussichtlich den sogenannten Gesehen-Vermerk , also die haushaltsrechtliche Genehmigung des Bundesverkehrsministeriums. Ein halbes Jahr später trete man in die Planfeststellung ein. Bis Mitte 2025 soll der Planfeststellungsbeschluss stehen. Danach könnte der Bau beginnen.
Verkehr
Die Planer rechnen derzeit in ihren Modellen mit Verkehrsströmen auf der neuen B 10 für das Jahr 2035. Landrat Edgar Wolff und Kuchens Bürgermeister Bernd Rößner beschworen die Geschlossenheit im Landkreis für eine schnelle Umsetzung des Projekts. Der Bürgermeister überreichte Walz vom Regierungspräsidium symbolisch Spaten und Bauhelm.