In Plieningen und Sillenbuch können Bürgerbüro-Termine nun online gebucht werden. Unsere Daten zeigen, ob das überhaupt ein Problem löst – und wie es in den großen Bürgerbüros aussieht.
Große Bürgerbüros wie Bad Cannstatt oder Mitte bieten es bereits an, nun auch Plieningen und Sillenbuch: Nun können auch in den beiden kleineren Bürgerbüros Termine online gebucht werden. Damit muss man in zehn der insgesamt zwanzig Bürgerbüros nicht mehr auf eine Wartemarke hoffen, sondern kommt sicher dran – wenn man einen Termin bekommt.
Hilft der neue Service? Und wie sieht es in den jahrelang überlaufenen anderen Bürgerbüros aus, wo teils schon morgens um 8:30 Uhr alle Wartemarken vergriffen waren? Eine Auswertung der städtischen „Echtzeitampel“ ergibt für große Bürgerbüros wie Mitte im Sommer einen weiterhin großen Andrang. Zwischen Juli und September betrug die Chance auf eine Wartemarke im Bürgerbüro Mitte im Schnitt weniger als 50 Prozent. Mittags und nachmittags waren die Marken oft vergriffen.
In Sillenbuch und Plieningen ist der Andrang dagegen vergleichsweise gering. Man bekommt fast immer eine Wartemarke. Von Juli bis Dezember waren sie in kaum zehn Prozent der Öffnungszeit komplett vergriffen, nur vergangenen Oktober stieg dieser Wert in Plieningen auf knapp 30 Prozent. Wie häufig Onlinetermine verfügbar sind, lässt sich nach dem Umstieg auf eine neue Software nicht ermitteln und die Stadtverwaltung kann hierzu nach eigener Aussage keine Daten zur Verfügung stellen.
Für spontane Besuche hat sich die Situation 2025 im Vergleich zum Vorjahr jedenfalls gebessert. Die Grafik für die Bürgerbüros Plieningen, Sillenbuch und Mitte zeigt den monatlichen Anteil an der Öffnungszeit, in der laut städtischer Webseite „Keine Wartemarken mehr verfügbar“ waren. Vor allem im Herbst und Winter scheinen die Büros nicht mehr so überlaufen zu sein. Die gestrichelte Linie zeigt zum Vergleich die Werte für 2024:
Ein Sprecher der Stadt bestätigt, es stehe „mehr eingearbeitetes Personal zur Verfügung, was zu einer schnelleren Bearbeitung und somit Verkürzung der Wartezeiten führt.“ 2024 habe man 24 neue Mitarbeitende eingestellt, 2025 dann 30 – aus Sicht der Stadt gelingt es inzwischen besser, die offenen Stellen in den Bürgerbüros zu besetzen, die seit Jahren mit Personalmangel kämpfen.
Die folgende Grafik zeigt die Verfügbarkeit der Wartemarken für alle Bürgerbüros:
Trotzdem wird man in den Sommermonaten wohl auch künftig vielerorts länger warten und früher vor Ort sein müssen – die Stadt begründet das damit, dass im Sommer mehr Reisepässe beantragt werden und gleichzeitig mehr Mitarbeitende selbst im Urlaub sind.
Zu diesen Uhrzeiten kommt man auch spontan dran
Das zeigt beispielhaft das Bürgerbüro Mitte. Von Juli bis September war es tatsächlich nur selten möglich, an einem Vormittag nach 10 Uhr noch an eine Wartemarke zu kommen.
Die folgende Grafik zeigt nach Wochentag und Uhrzeit gegliedert, wie hoch die Chance auf eine Wartemarke im Bürgerbüro Mitte von Juli bis September war.
Die Daten der „Echtzeitampel“ wertet unsere Redaktion seit 2023 regelmäßig aus, um den zeitweise extremen Andrang in den überlasteten Bürgerbüros messbarer zu machen. Sie werden vom Softwareentwickler Marc Höfling erhoben und unserer Redaktion zur Auswertung zur Verfügung gestellt.