Viel Aufregung hatte es um die Absage des Kinderfaschings durch die Stadt Marbach (Kreis Ludwigsburg) gegeben. Das Event stieg letztlich doch, dank engagierter Bürger.
Die Regenschirme sind aufgespannt, noch wirkt der Fasching zugeknöpft. Der Funke ist noch nicht übergesprungen an diesem Dienstagnachmittag um 15 Uhr auf dem Marbacher Burgplatz. Aber das wird sich bald ändern. Die trüben Regenwolken verziehen sich – auf der Bühne geht es rund: ein Sinnbild für den Wandel der vergangenen Wochen. Aus der trostlosen Absage der Stadtverwaltung hat sich der Kinderfasching neu gefunden.
In den sozialen Netzwerken hatte es zunächst harsche Kritik gehagelt, nachdem das Team um Bürgermeister Jan Trost die Absage aus Kostengründen publik gemacht hatte. Aus der Empörung entwickelte sich eine Bewegung zum Guten. Die Bürgerinitiative „Wir sind Marbach“ um Organisator Kai Münch stemmte das Event aus eigenen Kräften – es gab jede Menge Unterstützung aus der Marbacher Stadtgesellschaft in Form von Spenden und tatkräftigem Mitwirken am Dienstag.
Die Mühen der vergangenen Tagen, als immer wieder in der WhatsApp-Gruppe der Initiative neu auftauchende Probleme recht schnell gelöst wurden, fanden auf dem Burgplatz ihren Lohn. Begeisterte Kinder und deren Eltern strömten zusammen – rund 150 Menschen, groß und klein, tummelten sich auf dem Platz. „Heute dürft ihr so richtig Gas geben“, rief die Moderatorin Mary Schirrmacher mit Blumen im Haar den Gästen zu. Unterstützt von Entertainer Salvatore Ditta, der Technik der Lautmacher und dem Zauberer Riktini boten die Helfer der BI „Wir sind Marbach“ eine unterhaltsame Show, die bis etwa 16.20 Uhr andauerte.
Bürgermeister verspricht: Im nächsten Jahr wieder in der Stadthalle
Danach ging es flugs zum Rathaussturm, wo der Bürgermeister Jan Trost im adretten Fußballkostüm auf seine Entmachtung durch die Kinder wartete. Der Rathauschef lobte das großartige Engagement der Bürgerinitiative, die den Kinderfasching auf die Beine gestellt hatte. Trost versprach bei dieser Gelegenheit, im nächsten Jahr den Kinderfasching wieder in der Stadthalle stattfinden zu lassen. „Dann müssen andere Veranstaltungen ausfallen.“
Tatsächlich dürfte den Kindern eine Feier in einer gewärmten Halle guttun, zumal die Faschingssaison dann noch früher beginnt. Organisatorisch sei eine Feier in der Stadthalle diesmal leider nicht mehr möglich gewesen, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage.
Viele strahlende Gesichter zeigten: Der Kinderfasching, schon immer eine bürgerschaftliche Bewegung in Marbach, hat seinen festen Platz. Dem Bürgermeister überreichten die Kinder ein Schild mit der Aufschrift „Wir sind Marbach“. Eine wichtige Rolle spielten aber die Ehrenamtlichen: Nur wenige Minuten nach dem Einsetzen des Rathaussturms fuhr schon ein Freiwilliger mit einer von privater Hand herbeigeschafften Kehrmaschine über das Pflaster der Fußgängerzone.
Im Vorfeld hatte es noch einmal kurz Aufregung über ein Konfetti-Verbot durch die Stadt gegeben. Das Nein rührte daher, dass eine Kehrmaschine der Stadt ausgefallen war und man befürchtete, dass das Konfetti in den Fugen der relativ neuen Pflastersteine hängenbleiben könnte. Am Ende war auch dieses Problem gelöst.
Ehrenamtsbeauftragte der Stadt bietet weitere Vernetzung an
Ein zufriedenes Fazit zog auch Andrea von Smercek – die Ehrenamtsbeauftragte der Stadt hatte nur lobende Worte für die Leistung der Bürgerinitiative, die innerhalb kürzester Zeit ganz viele Spenden erhalten hatte, damit der Kinderfasching doch noch stattfinden konnte. Sie bietet sich an, damit ein vernetztes Engagement noch mehr Bewegung in die Stadt bringen kann.
Kai Münch, Organisator der Gruppe „Wir sind Marbach“, möchte mit weiteren Aktionen noch mehr Lebensqualität in der Stadt möglich machen. Mit launigen Worten hatte er in einer Büttenrede auch den Mangel an Veranstaltungen beschrieben: „Die Stadthalle steht leer herum, verstaubt, verlassen, einfach stumm. Ein Saal, der schreit: Benutzt mich doch“ Doch keiner hört’s – das ist ein Loch!“