Angeregt diskutierten Bürger beim öffentlichen Workshop in kleinen Gruppen über die Zukunft ihrer Bücherei. Foto: Kaier - Kaier

Eine Expertenrunde sammelt schon länger Wünsche und Anregungen für die neue Esslinger Stadtbücherei. Nun waren die Bürger zu einem öffentlichen Workshop eingeladen.

EsslingenFür viele ist Esslingens Stadtbücherei schon heute der viel zitierte „dritte Ort“ der Identifikation neben Wohnung und Arbeitsplatz – und das, obwohl der Platz knapp und vieles in die Jahre gekommen ist. Nun wird der historische Bebenhäuser Pfleghof modernisiert und erweitert – hinterher soll die neue Bücherei auch manchen ansprechen, der den Weg noch nicht dorthin gefunden hat. Seit Wochen diskutiert eine Expertenrunde über die neue Bücherei – begleitet wird der Prozess von Andreas Mittrowann, der Bibliotheken quer durch die Republik berät. Bei einem öffentlichen Workshop im Neckar Forum waren nun auch die Bürger gefragt, ihre Anforderungen und Wünsche zu formulieren. An sechs Tischen wurde in wechselnden Besetzungen intensiv diskutiert – jeder sollte einmal an jeder Station vorbeischauen. Sämtliche Ideen wurden gesammelt, am Ende wurden die wichtigsten Gedanken ausgewählt.

Feyza Özdogan (17), die Vorsitzende des Jugendgemeinderats, ist die Stimme der jungen Generation im Expertenrat. Sie will dazu beitragen, „dass die neue Bücherei den Wünschen möglichst vieler Bürger entspricht und dabei auch jugendgerechter wird“. Schon in der Expertenrunde war sie „fasziniert, wie viele gute Ideen bereits zusammengekommen sind“. Und beim Bürger-Workshop kamen noch eine ganze Reihe weiterer hinzu. Einige hat auch Brigitte Hampl beigesteuert. Die 74-Jährige schätzt den Bebenhäuser Pfleghof seit vielen Jahren – und sie war glücklich, dass es beim Bürgerentscheid eine klare Mehrheit für diesen Standort gab: „Deshalb fühle ich mich jetzt auch verpflichtet, dazu beizutragen, dass die neue Bücherei dort großzügiger wird, viele neue Möglichkeiten für die Zukunft bietet und trotzdem ihren Charme behält. Dazu will ich gerne meine Ideen beisteuern.“

Während sich manche der rund 90 Teilnehmer noch wunderten, weshalb der Kulturbürgermeister auch bei diesem wichtigen Bücherei-Termin durch Abwesenheit glänzte, skizzierte Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht das weitere Vorgehen: Ehe der Gemeinderat am 22. Juli über die Vorgaben für einen Planungswettbewerb entscheidet, sollten zunächst beim Bürger-Workshop im Forum alle Esslingerinnen und Esslinger Gelegenheit erhalten, ihre Erwartungen an die neue Bücherei zu formulieren. Die zentralen Ergebnisse des Workshops (siehe Infokasten) werden dann von der Expertenrunde in die Empfehlungen an den Gemeinderat eingearbeitet. Dann folgt der Planungswettbewerb, an dem sich Architekten beteiligen können – neben Architekten, die sich selbst bewerben, will die Stadt auch fünf bis sechs Büros, die bereits Erfahrungen mit solchen Projekten haben, gezielt ansprechen. „Und wir sind zuversichtlich, dass wir im ersten Quartal 2020 einen Partner gefunden haben, der für uns die Umsetzung plant“, sagt Wallbrecht.

Eine Konzeption haben Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs und ihr Team längst in der Schublade. Sie wollen eine Bibliothek, die ein Ort der Kultur, der Freizeit, der Teilhabe sowie des Wissens und Lernens ist und sich offen für alle zeigt. Weil die Besucher mit immer differenzierteren Erwartungen ins Haus kommen, wird schon lange viel mehr Platz gebraucht – vieles, was die Bücherei gerne längst anbieten würde, blieb angesichts beengter Verhältnisse bislang unerfüllt auf dem Wunschzettel. Derzeit stehen knapp 2000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung – 3600 sollen es nach der Erweiterung möglichst werden. Die Architekten bekommen für den Wettbewerb ein detailliertes Raumprogramm, das sie in ihren Entwürfen möglichst optimal umsetzen sollen – einschließlich selbstverständlicher Anforderungen wie Barrierefreiheit im und ums Haus herum oder möglichst große Flexibilität. Dass die Ergebnisse des Bürger-Workshops für die Planer wertvoll sein werden, ist für Gudrun Fuchs keine Frage: „Es war beeindruckend, zu sehen, wie sehr sich viele mit ihrer Bücherei identifizieren, wie gut sie sich auskennen und wie konstruktiv diskutiert wurde. Das zeigt, dass die Esslinger hinter dem Gedanken ihrer Bibliothek als ‚drittem Ort’ stehen.“

Die wichtigsten Wünsche der Bürger für ihre neue Bücherei

Beim öffentlichen Workshop war die Meinung der Bürger zu sechs verschiedenen Themenbereichen gefragt.

Foyer: Der Eingangsbereich soll Orientierung und Information bieten. Erwartet werden Abstellmöglichkeiten zum Beispiel für Kinderwagen oder Rollatoren. Die Infrastruktur soll aber nicht zu dominant wirken. Generell wird in der Bücherei einschließlich Café Betreuung durch entsprechendes Personal gewünscht.

Café und Veranstaltungen: Das Bücherei-Café soll größer als bisher und zentral angeordnet sein – „das Herz der Bibliothek“. Es soll aus dem Foyer herauskommen und flexibler als bisher zu nutzen sein. Es soll Tageslicht und einen Zugang nach außen haben, eventuell auch einen mit Aufzug erreichbaren Dachgarten. Der Veranstaltungsbereich soll mit dem Café verknüpft und möglichst intensiv und vielfältig genutzt werden.

Schöne Literatur: Von diesem Bereich erwarten die Bürger großzügige Räume und eine Atmosphäre, die zum Schmökern einlädt. Thematisch untergliederte Bereiche und ein Ordnungssystem sollen Orientierung erleichtern. Die Präsentation der Literatur soll zum Lesen inspirieren, auch durch Kundenempfehlungen.

Sachliteratur: Dieser Bereich soll flexible Arbeitsplätze für Gruppen und Einzelnutzer sowie Trennwände bieten, die ein ruhiges Arbeiten ermöglichen. Gewünscht wird eine moderne technische Ausstattung mit Steckdosen und der Möglichkeit, Laptops auszuleihen. Außerdem eine gute Beschriftung und ein übersichtliches Orientierungssystem.

Kinderbücherei: Fachpersonal ist hier besonders wichtig. Neben dem belebten soll es auch einen ruhigen Bereich zum Lesen, Vorlesen und für Gesellschaftsspiele geben. Toiletten und Waschbecken speziell für Kinder und eine Essecke für Mitgebrachtes sollten zur Verfügung stehen. Integrative Kinderarbeit in einem separaten Raum und Angebote zur Bewegungsanregung sollen hinzukommen.

Jugendbücherei: Gewünscht werden eigene Arbeitsplätze und Gruppenräume für diese Altersgruppe sowie Räume zum Chillen. Die Jugendlichen sollen bei der Raumgestaltung einbezogen werden.

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