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Die Ausstellung „Juli“ von Vera Leutloff in der städtischen Galerie ist noch bis zum 18. September zu sehen.

OstfildernEine Sommerausstellung in der städtischen Galerie im Stadthaus: Großformatige Gemälde der Künstlerin Vera Leutloff in leuchtenden Farben und mit Bildtiteln wie „Limonaia“ und „Tunis“ passen zum Wetter – und sie hängen in klimatisierten Räumen. Viele von Leutloffs Werken zeigen Streifen oder Kreise in intensiven Farben, die sich vielfach überlagern und so einen fast magischen Bildraum erzeugen. Verstärkt wird dieser Effekt einerseits durch die exakt gemalten Formen, die zwar abstrakt sind, aber durch Abschattierungen als dreidimensionale Gegenstände wie Stangen oder Ringe wahrgenommen werden. Im Bild gibt es jedoch keine einheitliche Lichtführung, jede Stange scheint ihre eigene Lichtquelle zu haben. Zum anderen erscheint der Bildraum undurchdringlich, denn die Formen liegen eng beieinander und scheinen sich ins Unendliche fortzusetzen.

Für Vera Leutloff sind jedoch nicht in erster Linie die Formen interessant. „Die Formengebilde sind die Bühne für das, was Farbe und Bewegung machen“, sagt sie. Die Bewegung entstehe durch die Farben, die sich im Raum verorten. So sehe man Rot vorne, Blau hinten. Wenn die Farben nun anders angeordnet sind, entstehe eine „verrückte“ Bewegung – eine Vibration, wie es die Galerieleiterin Holle Nann ausdrückt.

In einer lockeren Frage-und-Antwort- Runde mit der Galerieleiterin und den Besuchern gab die Künstlerin bei der Eröffnung spannende Einblicke in ihren Schaffensprozess. „Ölfarbe macht mehr Probleme als Acrylfarbe, aber sie hat mehr Strahlkraft, mehr Tiefenlicht“, verriet Vera Leutloff ihre Vorliebe. Die virtuosen Farbverläufe könne sie nur mit der langsamer trocknenden Ölfarbe schaffen.

Die Farbigkeit ihrer Bilder entwickle sich in langsamen Prozessen aus Assoziationen von Gesehenem und Erlebnissen, erläuterte die Künstlerin. So sei zum Beispiel das Bild „Limonaia“ eine Farbwelt aus Gelbtönen mit einer dunklen Farbe. Manchmal seien auch Lautassoziationen ausschlaggebend, so verlange ein bestimmtes Grau nach etwas Französischem im Namen.

Diese „sprechenden“ Farbbezeichnungen sollen den Betrachter jedoch nicht einengen, sondern eher Denkanstöße geben. Die Bezeichnungen sind nur Teil eines – heutzutage eher ungewöhnlichen – ausführlichen Bildtitels, der auch die gemalten Formen und die dazugehörige Werkgruppe bezeichnet. An ihnen lässt sich nachvollziehen, wie Leutloff Form- und Farbkombinationen quasi durchdekliniert und dabei immer wieder neue Bildwelten schafft. Die Gemälde „erzeugen malerische Farbräume, die gerade deshalb so ausdrucksstark erscheinen, da sie kein Abbild von Natur, sondern vielmehr Essenz von Atmosphäre sind“, schreibt Nann. „Die Bilder werden zur Spielwiese, zur Projektionsfläche für eigene Gedankenbilder und Assoziationen.“red

Die Ausstellung „Juli“ von Vera Leutloff ist bis 18. September in der städtischen Galerie im Stadthaus im Scharnhauser Park, Gerhard-Koch-Straße 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Galerie ist dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist die Galerie geschlossen.

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