Schirmherr Jürgen Zieger (Dritter von rechts) Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Rund 1.000 Esslinger Grundschüler haben sich an der bundesweiten Bücherturm-Aktion beteiligt. Sie haben mit ihrem Lesefleiß rund 36.000 Euro für Bildungsprojekte gesammelt.

EsslingenGewöhnlich denkt sich die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler Abenteuergeschichten und andere verrückte Sachen aus. Als sie einen Bericht las, dass ihre Heimatstadt Hamburg bei der Pisa-Studie im Lesetest schlechter abgeschnitten hat als das chinesische Shanghai wurde sie nachdenklich: „Da läuft ja wohl was schief. Die chinesischen Kinder müssen über 3.000 Zeichen lernen, ehe sie lesen können. Und wir nur 26.“ Um Kindern Lust aufs Lesen zu machen, ist Scheffler quer durch die Republik unterwegs, auch in Esslingen war sie schon zu Gast. Und jedes Mal gibt sie jungen Lesern mit auf den Weg: „Bücherlesen macht gescheiter, trimmt den Grips und hilft euch weiter.“ Deshalb hat Ursel Scheffler vor Jahren das Konzept der Büchertürme entwickelt. Der Gedanke, der dahintersteht, fand auch in Esslingen Resonanz: Dort haben der Rotary Club Esslingen-Neckarland, Soroptimist Esslingen, Inner Wheel Esslingen und die ehemalige Buchhändlerin Marianne Rist vor zweieinhalb Jahren Ursel Schefflers Idee aufgegriffen – und sie haben es geschafft, rund 1.000 Grundschulkinder zum Lesen zu motivieren.

In Dutzenden Städten quer durch die Republik hat das Beispiel der Büchertürme bereits Schule gemacht. Überall suchen sich die lokalen Veranstalter einen Turm vor Ort aus, der zum Maß aller Dinge wird – in Esslingen war es der Turm der Frauenkirche mit seinen 72 Metern Höhe. Zunächst dürfen die Kinder einen Titel aus einer Leseliste auswählen. Ist das Buch gelesen, wird die Höhe des Buchrückens in eine Liste eingetragen. Für zehn Zentimeter gibt es einen so genannten „Pisa“ – für jeden „Pisa“ haben Sponsoren 50 Euro gespendet. Und die Esslinger Kinder haben ihr Ziel erreicht – insgesamt kamen etwa 36.000 Euro zusammen. Jüngst wurden Zuschüsse an diverse soziale Projekte und Einrichtungen in Esslingen übergeben: Das „Rucksack-Projekt“ an Esslinger Kindertageseinrichtungen und Schulen wird mit 6.000 Euro gefördert – so können weitere Gruppen angeboten werden, in denen Eltern mit Fluchthintergrund mit dem hiesigen Schulalltag vertraut gemacht werden und eine einfache Einführung in die deutsche Sprache bekommen. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration der Kinder“, sagt Bernd Berroth, der Leiter des Amtes für Bildung, Erziehung und Betreuung. „Mit dem Rucksack-Projekt stärken wir die Identität und die Sprachfähigkeit der Kinder und Eltern in den Tageseinrichtungen und Schulen gleichermaßen.“

Die Sprachhilfe Esslingen wird mit 1.825 Euro gefördert. Der Verein ist ein fester Bestandteil im Esslinger Grundschulbereich und hat im Laufe von 40 Jahren zahlreiche Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt. Derzeit werden an neun Grundschulen mehr als 300 Kinder von der Sprachhilfe gefördert. Die Stiftung Jugendhilfe aktiv erhält aus der Bücherturm-Aktion 6.000 Euro für die Lern- und Sprachförderung für geflüchtete Jugendliche. Und das IT-Projekthaus der Hochschule wird mit 14.500 Euro bezuschusst. Ziel dieses Projekts ist es, das Interesse von Schülerinnen und Schülern an der Informationstechnik zu wecken und Hemmnisse im Umgang mit den digitalen Möglichkeiten abzubauen, wobei Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen werden. Und schließlich kann dank der lesefreudigen Grundschüler und dank vieler großzügiger Sponsoren auch der Wunsch vieler Kinder nach zusätzlichen Autorenlesungen erfüllt werden – dafür stehen 4.200 Euro zur Verfügung.

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