Seit zweieinhalb Jahren stehen die Räume von Strauss Innovation Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Eigentlich wollte das Buchhandelsunternehmen Osiander seine beiden Esslinger Filialen im geplanten Einkaufszentrum Die Via zusammenführen. Der Plan hat sich nun zerschlagen.

EsslingenDie Buchhandlung Osiander will sich in Esslingen neu orientieren: Derzeit betreibt das Tübinger Traditionsunternehmen vor Ort zwei Filialen – eine in der Inneren Brücke und eine in der Pliensaustraße. Dass Osiander seine beiden Geschäfte in absehbarer Zeit auf einer größeren Fläche zusammenfassen würde, war schon lange klar. Und auch der Standort schien bereits ausgeguckt: das geplante neue Einkaufszentrum Die Via auf dem einstigen Karstadt-Parkplatz. Doch der Baubeginn auf dem Areal an der Martinstraße wurde ein ums andere Mal verschoben. Nun hat sich Osiander neu orientiert: Mit der Sparkassen-Versicherung, dem Vermieter der früheren Geschäftsräume von Strauss Innovation in der Bahnhofstraße ist man sich handelseinig. Die Eröffnung der neuen Osiander-Filiale ist für April vorgesehen. Dem Via-Projektkoordinator iMallinvest sind diese Pläne nach eigenem Bekunden noch nicht zu Ohren gekommen. Geschäftsführer Klaus Mennickheim geht weiterhin fest davon aus, dass er Die Via zum Erfolg führen kann. Einen konkreten Baubeginn für das neue Einkaufszentrum kann er allerdings noch nicht nennen.

Osiander gehört mit mehr als 60 Buchhandlungen in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen zu den Großen der Branche. Das erklärte Ziel, „mit nachhaltigem Wachstum seine führende Rolle in Süddeutschland“ auszubauen, verfolgt Osiander konsequent: Weitere Filialen sind bereits geplant, vor kurzem wurde auch eine in Plochingen eröffnet. In Esslingen ist Osiander seit 2016 präsent. Damals hat das Unternehmen die Buchhandlung H. Th. Schmidt in der Inneren Brücke übernommen und einige Hundert Meter weiter in der Pliensaustraße gleich noch ein weiteres Geschäft eröffnet. Erklärtes Ziel war es jedoch von Anfang an, beide Geschäfte „mittelfristig“ in einem gemeinsamen Objekt zu bündeln. Als Standort war das neue Einkaufszentrum Die Via ausersehen. Damals war Osiander-Geschäftsführer Heinrich Riethmüller allerdings auch davon ausgegangen, dass der neue Standort Ende 2019 verfügbar sein würde.

Mit dem einstigen Kaufhaus Strauss in der Esslinger Bahnhofstraße hat Osiander nun einen überzeugenden Alternativ-Standort gefunden. Die Räume stehen seit März 2017 leer, seither gehen tagtäglich Tausende Passanten an den verklebten Schaufenstern vorbei. Zuletzt hatte es geheißen, die Sparkassen-Versicherung sei mit einer Drogeriemarkt-Kette als Nachfolger von Strauss im Gespräch. Doch diese Überlegungen sind offenbar vom Tisch: Nun möchte Osiander dort seine geschäftlichen Aktivitäten in Esslingen bündeln. Das Objekt gilt als attraktiver Standort in zentraler Lage – Osiander könnte dort im Erdgeschoss auf einer Etage sein Angebot präsentieren, was viele Abläufe deutlich einfacher macht als an zwei parallel geführten Standorten oder in einem Geschäft über mehrere Etagen.

Osiander-Geschäftsführer Heinrich Riethmüller, als Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ein Kenner der Branche, ist überzeugt, mit der Entscheidung für die Bahnhofstraße den richtigen Weg zu gehen: „Unser Mietvertrag für das Geschäft in der Pliensaustraße läuft im Februar aus, sodass wir in jedem Fall etwas tun mussten. Und für die Buchhandlung in der Inneren Brücke läuft der Mietvertrag noch eine Weile. Da werden wir entweder nach einer Zwischennutzung schauen, oder es findet sich jemand, der die Räume schon früher mieten möchte.“ Dass Osiander eine große Lösung seit jeher im Blick hatte, ist ein offenes Geheimnis: „Wir hatten schon immer das Ziel, unsere beiden Filialen zusammenzuführen. In der Bahnhofstraße bietet sich dafür eine gute Möglichkeit.“ Auf 720 Quadratmetern wird Osiander dort künftig sein Sortiment präsentieren. Von Februar an soll das neue Osiander-Geschäft eingerichtet werden – als Eröffnungstermin ist Anfang April geplant. „Es ist ein großer Vorteil, die gesamten Verkaufsflächen auf einer Ebene zu haben“, betont Heinrich Riethmüller.

Klaus Mennickheim, Geschäftsführer des Via-Projektkoordinators iMallinvest, hat Verständnis dafür, dass die Verzögerungen beim Bau des neuen Einkaufszentrums den künftigen Mietern nicht ins Konzept passen. Man sei jedoch mit allen immer wieder im Gespräch – auch mit Osiander habe man immer wieder gesprochen. Von dort habe man noch nichts von einem möglichen Rückzug aus dem Via-Projekt gehört. Mennickheim räumt ein, dass vor einem Baubeginn noch das eine oder andere bauliche Problem auf dem einstigen Karstadt-Parkplatz zu lösen sei. Doch er versichert: „Wir arbeiten hart an unseren Plänen für Die Via und waren in den vergangenen drei Wochen zweimal mit einem Team in Esslingen.“ Überzeugt ist er vom Konzept des Einkaufszentrums Die Via weiterhin.

Kommentar: Rückschlag

Jahrelang schien das traditionsreiche Tübinger Buchhandelsunternehmen Osiander als Ankermieter im geplanten neuen Einkaufszentrums Die Via in Esslingen gesetzt zu sein. Osiander hatte nie ei­nen Hehl daraus gemacht, dass man die Filialen in der Pliensaustraße und der Inneren Brücke in einem großzügigeren Geschäft auf dem Karstadt-Areal zusammenfassen wolle. Nun sind die Pläne Makulatur, und das kann der Osiander-Geschäftsführung niemand verdenken: Seit Jahren wartet das Unternehmen – genau wie viele Esslinger – darauf, dass Die Via gebaut wird. Noch tut sich nichts. Nun sahen sich die Buchhändler zum Handeln gezwungen, zumal es mit den einstigen Geschäftsräumen von Strauß Innovation in der Bahnhofstraße eine überzeugende Alternative gibt, die sicher nicht ewig vakant bleiben wird.

Was Osiander neue Perspektiven beschert, ist ein Rückschlag für die Macher des geplanten Einkaufszentrums Die Via. Ein respektabler An­kermieter wie Osiander ist auch für andere Interessenten ein starkes Argument. Die Via-Macher haben sich bisher schon schwer getan, das Projekt ins Rollen zu bringen. Nun wird alles noch ein bisschen schwieriger, und in der Stadt fragen sich viele noch mehr als bisher, ob die Pläne für das einstige Karstadt-Areal überhaupt Realität werden. Oder ob alle Beteiligten nochmals darüber nachdenken müssen, was dort machbar und sinnvoll ist. Die Esslinger Innenstadt kann es sich jedenfalls nicht leisten, dass die Hängepartie an dieser zentralen Stelle so weitergeht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: