Der Valentinstag steht vor der Tür. Doch ihr habt keine Lust auf ein Date, sondern wollt es euch lieber zuhause gemütlich machen? Hier sind unsere queeren Buchempfehlungen.
Wer braucht schon Rosen, wenn man auch einen Stapel Bücher haben kann? Den Valentinstag wollte ihr mit einem guten Roman auf dem Sofa verbringen und einfach ganz gemütlich in die Liebesgeschichten von anderen abtauchen? Verstehen wir! Doch ein kurzer Blick in die Buchhandlung zeigt: Bücher über Beziehungsklischees und straighte Charaktere gibt es haufenweise. Deshalb haben wir für euch unsere queeren Lesetipps zusammengesammelt – ganz ohne klischeehafte hetero Liebesgeschichten und Sexualität-Schubladen. Viel Spaß beim Lesen!
An Rändern
Angelo Tijssens Debütroman „An Rändern“ landete sofort nach seinem Erscheinen auf verschiedenen Bestseller-Listen – das wundert uns nicht. Im Mittelpunkt steht die Rückkehr eines namenlosen Protagonisten an die Küste seiner Kindheit. Hier will er sich um den Nachlass seiner Mutter kümmern. Rückblenden enthüllen eine traumatische Kindheit, in der die Mutter ihn grausam behandelte. Eines Abends trifft er während seines Besuches auf seine erste große Liebe, mit der er seine Homosexualität entdeckte. Als wäre keine Zeit vergangen, findet er in dieser alten Liebe nach wie vor Nähe und Zuflucht. „An Rändern“ ist zwar ein schmales Buch, aber entfaltet auf wenigen Seiten mit poetischer Sprache eine einnehmende Wucht – tieftraurig, herzerwärmend und empowernd zugleich. Perfekt für einen regengrauen Sonntagnachmittag.
An Rändern, Rowohlt, 128 Seiten
Fünf Lieben lang
André Acimann kennt ihr vermutlich von „Call me by your name“. Mit „Fünf Lieben lang“ ist ihm ein weiterer Roman gelungen, mit dem es sich wunderbar abtauchen lässt. Ein Buch über die Liebe mit all ihren Fehlern, Kompromissen und den Momenten dazwischen, für die es keine Wort gibt – André Acimann findet sie. Er erzählt von Paul, der die Liebe schon mit zwölf kennenlernt. Doch im Erwachsenenalter weiß er weniger denn je, wie er sie leben soll. Über viele Jahre hinweg erkundet Paul die Liebe, mit Giovanni, Maud und Chloé, im Sommerurlaub in Italien und in New York City. Er liebt bedingungslos und ohne Kompromisse und gibt sich dabei seinen Partner:innen vollkommen hin. Das Buch ist leicht zu lesen und trotzdem mehr als intensiv.
Fünf Lieben lang, dtv, 352 Seiten
Schwindel
Hengameh Yaghoobifarah nimmt in „Schwindel“ queeres Begehren zwischen Sex und Selbstbefreiung in den Blick. Das Buch steckt voller Schmerz und Scham - und doch auch voll Witz und Selbstironie. Es ist eine Art queeres Kammerspiel, das auf einem Hochhausdach spielt, wo vier queere Charaktere nach einer missglückten Liebesbeziehung gefangen sind. Ava, die Protagonistin, flieht vor drei ihrer Affären aufs Dach, was zu einer Auseinandersetzung über Liebe, Lügen und toxische Dynamiken in der Poly-Szene führt. Die Sprache ist modern, voller Slang und Anglizismen.
Schwindel, Aufbau Verlag, 227 Seiten
Die sieben Männer der Evelyn Hugo
Diesen Roman über eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im schillernden Hollywood der 1960er bis Ende der 1980er Jahre werdet ihr nicht mehr aus der Hand legen könne. In „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid erzählt Evelyn Monique von ihrem Aufstieg in der Männerwelt Hollywoods, den goldenen Jahren der Filmbranche und einer geheimen großen Liebe, deren Scheitern der Preis für ihren Erfolg war.
Die sieben Männer der Evelyn Hugo, Ullstein, 480 Seiten
Hundesohn
Martina Hefter, die 2024 den deutschen Buchpreis gewonnen hat, sagt zu diesem Buch: „Das ist der zärtlichste und klügste Roman seit langem über Liebe, Freundschaft und Begehren“. In „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç geht es um Zeko, der in Berlin Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee trifft. Doch jedes Mal, wenn er eine andere Person küsst, reißen ihn seine Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur „Hundesohn“ nennt.
Hundesohn, Suhrkamp, 219 Seiten
Pizza Orlando
In Clara Umbachs autobiografisch angehauchtem Roman „Pizza Orlando“, der erst vor wenigen Tagen erschienen ist, chatten Nina und Clara über Liebe, Sex, das Sterben und was der Alltag sonst noch bietet. Die beiden verlieben sich. Doch es ist kompliziert. Clara ist alleinerziehende Mutter, das Geld oft knapp. Nina hat eine unheilbare Krankheit, weiß, dass sie sterben wird. Eine „normale Beziehung“ kann zwischen diesen beiden Frauen nicht entstehen. Doch sie bleiben in Kontakt - als Freundinnen, aber auch als Liebende. Ein schneller Read für einen Samstag im Café.
Pizza Orlando, Ecco Verlag, 176 Seiten
Sunburn
Ja, der Sommer ist noch etwas hin, aber mit diesem Roman könnt ihr ihn euch jetzt schon nach Hause holen. „Sunburn“ von Chloe Michelle Howarth ist ein queerer Coming-of-Age-Roman, der im Irland der frühen 90er-Jahre spielt. Und darum geht’s: Lucy, die in einer konservativen Dorfgemeinschaft aufwächst, verliebt sich gegen gesellschaftliche Erwartungen während eines heißen Sommers in ihre Freundin Susannah. Zwischen den Seiten findet ihr Selbstfindung, Ängste und die erste Liebe. Wenn ihr die Bücher von Sally Rooney feiert, werdet ihr auch „Sunburn“ mögen.
Sunburn, Pola, 336 Seiten
Greta und Valdin
Der warmherzige Roman „Greta und Valdin“ von Chloe Michelle Howarth erzählt die Geschichte von zwei Geschwistern, die in Auckland wohnen. Greta studiert russische Literatur, Valdin hat gerade seine akademische Karriere als Astrophysiker an den Nagel gehängt und moderiert jetzt eine Reisesendung im Fernsehen. Was die beiden verbindet? Ihr Liebeskummer. Greta ist unglücklich in ihre Kommilitonin Holly verliebt, die ihr widersprüchliche Signale sendet. Valdin hingegen trauert seiner Beziehung zum älteren Xabi hinterher. Dieses Buch ist etwas fürs Herz! Für den Valentinstag sowieso.
Greta und Valdin, Gutkind, 416 Seiten
Alles, was wir sind
Ihr liebt historische Romane? Dann solltet ihr euch bei eurem nächsten Trip in die Buchhandlung unbedingt „Alles, was wir sind“ von Lara Prescott anschauen. Darin steht der Kalte Krieg im Mittelpunkt. Olga Iwinskaja, die Geliebte des großen Boris Pasternak, wird verhaftet. In Moskau will man verhindern, dass Pasternaks Roman Doktor Shiwago erscheint, doch Olga hält an ihrer Liebe zu Boris fest. Zugleich will die CIA mit einer einzigartigen Waffe den Widerstand in der Sowjetunion wecken – mit Literatur, mit Doktor Shiwago. Für die Mission wird die junge Irina angeworben und von der Agentin Sally ausgebildet. Es beginnt eine gefährliche Hetzjagd auf ein Buch, das den Lauf der Welt verändern soll. Im Kern geht es um geheime Heldinnen, die Kraft der Literatur und (natürlich) die Liebe.
Alles, was wir sind, Ruetten & Loening, 475
Wie Inseln im Licht
Queere Liebe und Identität behandelt auch der Roman „Inseln im Licht“ von Franziska Gänsler. Nachdem die 27-jährige Protagonistin Zoey drei Jahre lang ihre kranke Mutter gepflegt hat, ist sie gestorben. Sie ist nicht besonders alt geworden und hatte die letzten 20 Jahre mit ihrer Tochter in einer kleinen Berliner Wohnung gelebt, die sie die letzten Jahre nicht mehr verlassen hatte. Nach dem Tod der Mutter reist Zoey an die französische Atlantikküste, um endlich ein altes Trauma aufzuarbeiten: Als junges Mädchen hat sie dort in einem Wohnwagen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Oda gelebt. Aber dann ist die 5-jährige Oda plötzlich spurlos verschwunden.
Wie Inseln im Licht, Kein & Aber, 208 Seiten
Im Wasser sind wir schwerelos
In Tomasz Jedrowskis Debütroman „Im Wasser sind wir schwerelos“ geht es um die verbotene Liebesbeziehung zwischen Ludwik und Janusz im Polen der 1980er Jahre – die Revolution und das Aufbegehren gegen das kommunistische System nehmen Fahrt auf. Sie verbringen eine Zeit an einem abgelegenen See, schwimmend, zeltend, liebend – unbeschwert. Als sie wieder zurück in der Stadt sind, ist klar: Ihr Verhältnis muss ein Geheimnis bleiben, denn offen gelebte Homosexualität ist ein Tabu und keine Option. Behandelt werden in dem Roman Themen wie Repression, Selbstfindung und den Konflikt zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung.
Im Wasser sind wie schwerelos, Hoffmann und Campe Verlag, 224 Seiten
Dinge, an die wir nicht glauben
Um eine kriselnde Beziehung zwischen Ben und Mike geht es in dem Roman „Dinge, an die wir nicht glauben“ von Bryan Washington. Die beiden glauben nicht mehr so richtig an die Liebe, lösen ihre Probleme mit Sex. Als Mikes Mutter Mitsuko aus Japan zu Besuch kommt, reist Mike ab, um seinen todkranken Vater zu pflegen. In dieser Zeit nähern sich Ben und Mitsuko einander an, bis Mikes Rückkehr das fragile Konstrukt erneut erschüttert.
Dinge, an die wir nicht glauben, Kein & Aber, 384 Seiten
Die unendlichen Möglichkeiten der Liebe
Was wäre, wenn wir die Geschichte eines Paares immer und immer wieder erleben könnten? In dem Roman „Die unendlichen Möglichkeiten der Liebe“ von Myriam Lacroix ist das so. Myriam und Allison verlieben sich, aber ihre Geschichte ist immer eine andere. Sie werden Eltern oder schreiben einen Bestseller, sie streiten sich oder verfallen in Sprachlosigkeit. Welchen Weg sie auch einschlagen, immer begegnen ihnen die vielen Versprechungen und Gefahren der Liebe. Unerschrocken und mit trockenem Witz erzählt die Autorin eine Geschichte von zwei Frauen, einer Liebe und unzähligen Beziehungsmöglichkeiten. Die perfekte Wochenendlektüre.
Die unendlichen Möglichkeiten der Liebe, Tropen Verlag (Klett-Cotta), 256 Seiten
Unbegründete Ängste
In diesem – erst vor wenigen Tagen erschienenen – Buch geht es zwar auch um Liebe, aber eher um die Selbstliebe: Christian Lotz (30) lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Eltern zum Sektfrühstück, unter der Woche arbeitet er im Fitnessstudio. Muskulös und gutaussehend – seine Mutter schwärmt, er sehe aus wie David Beckham Anfang der 2000er –, ist er innerlich von Unsicherheit geplagt und sorgt sich im Grunde um alles: Wie wirkt er auf andere? Warum findet er nicht den richtigen Mann? Was bringt die Zukunft in Zeiten von Klimawandel, Rechtsextremismus und Pandemien?
Unbegründete Ängste, Berlin Verlag, 240 Seiten
Freunde lieben
Natürlich kommt diese Liste nicht ohne ein Sachbuch aus. Und welches könnte dabei besser passen, als „Freunde lieben“ von Ole Liebl? Freundschaft und Sex passen nicht zusammen. So behaupten es zahllose Beziehungsratgeber, romantische Filme und oft auch das eigene Umfeld. Dennoch suchen immer mehr Menschen nach friends with benefits. Traditionelle Familienbilder und das Ideal der einen großen Liebe scheinen mit Erwartungen und Ansprüchen völlig überfrachtet. Ole Liebl blickt auf die Entwicklung und Praxis dieser ungewöhnlichen Beziehungsform. Dabei geht er auf ihre emotionalen und ethischen Konflikte ebenso ein wie auf ihre utopischen Potenziale: Gibt es wirklich kein Entkommen vor der romantischen Norm und ihren Besitzansprüchen? Unterliegen unsere Intimbeziehungen bloßen Marktmechanismen? Welche sexistischen Narrative prägen unsere Vorstellungen von Freundschaft und woher kommen sie?
Freunde lieben, HarperCollins, 256 Seiten